Spendenbereitschaft durch Corona-Pandemie nicht zurückgegangen
„Es gibt viele, die helfen wollen“

Coesfeld. Auch wenn die Corona-Pandemie im eigenen häuslichen Umfeld für Unsicherheiten sorgt, nicht zuletzt finanziell, so hat die Spendenbereitschaft dabei nicht abgenommen. Sie hat sich in manchen Bereichen eher verlagert. So wie zum Beispiel in den Kirchen. „Man muss schon sagen, dass die Spenden, die wir in unseren sonntäglichen Gottesdiensten erhalten, um zwei Drittel zurückgegangen sind“, sagt Pfarrer Johannes Hammans über die Anna-Katharina-Gemeinde. „Aber das kommt daher, weil wir aufgrund der aktuellen Lage weniger Besucher haben und weil wir das Körbchen nicht mehr herumgehen lassen können.“

Donnerstag, 05.11.2020, 18:52 Uhr
Eine nicht-repräsentative Umfrage bei Kirchengemeinden und gemeinnützigen Vereinen zeigt, dass die Menschen in Coesfeld trotz der aktuell schwierigen Lage nach wie vor spenden und anderen damit in der Krise helfen möchten. Foto: Jessica Demmer

Aber Spenden für Projekte in der Partnergemeinde in Ghana oder auch anonyme Spenden für das Sozialbüro würden die Gemeinde nach wie vor erreichen. „Wir erleben schon eine stärkere Spendenbereitschaft für Menschen in Not“, berichtet Pfarrer Hammans. „Wenn wir um Unterstützung für bestimmte Projekte bitten, zum Beispiel für Masken für die Kinder in Ghana, dann bekommen wir sie auch“, zeigt er sich dankbar.

Keinen besonderen Spendenrückgang erlebt die evangelische Gemeinde. „Die Menschen sind zwar vorsichtiger geworden und kommen weniger zum Gottesdienst, aber das Spendenverhalten ist ähnlich geblieben“, so Pfarrerin Birgit Henke-Ostermann. Vielmehr sei es so, dass die persönliche Sorge wachse und die Menschen sich wünschen, mehr zu tun und entsprechend Zeit zu spenden. „Der Blick wird von der weiten Welt wieder auf das Lokale gerichtet. Uns erreichen Anfragen, wie geholfen werden kann. Die Menschen sehen die Not, die bei manchen durch die Einsamkeit wächst, und fragen sich, ob sie zum Beispiel einkaufen gehen können.“ Die Sensibilität steige. „Die Leute wollen raus aus der Passivität, die Regie übernehmen und helfen.“

Helfen wollen viele auch dem Bunten Kreis Münsterland, berichtet Geschäftsführerin Gisela Schumacher. „Wir haben zwei große Spendenaktionen im Jahr. Im Sommer unseren Spendenlauf, der wegen der Situation etwas anders ausfallen musste als bislang. Er ist wirklich sehr positiv verlaufen. Wir liegen mit dem Ergebnis bei denen aus den Vorjahren.“ Nun stehe die Weihnachtsspendenaktion in den Startlöchern. „Auch hier hat uns die Coesfelder Kaufmannschaft, trotz der angespannten wirtschaftlichen Lage, wieder Preise zur Verfügung gestellt“, freut sie sich über die Unterstützung. „Das Ergebnis der Aktion steht natürlich noch aus. Über diese beiden Aktionen hinaus begleiten uns auch viele Spender über das Jahr hinweg mit Spenden.“

Dass die Bereitschaft zur Unterstützung nicht nachgelassen habe, versichert auch Christoph Schlütermann, Vorstand des DRK-Kreisverbandes Coesfeld. „Bundesweit gibt es vom DRK die Corona-Nothilfe, die zweckgebunden ist. Die Gelder erreichen auch uns, wir finanzieren damit zum Beispiel Essensauslieferungen in diesen Zeiten. Wir haben auch eigene Spendenkonten. In beiden Fällen spenden die Menschen nach wie vor.“

Wichtig sei immer zu wissen, dass das Geld auch da ankomme, wo es gebraucht werde. Eine vertrauensvolle Kommunikation sei wichtig. „Es gibt viele, die helfen wollen und anderen nicht einfach so das Geld zustecken möchten. Sie möchten lieber anonym bleiben, spenden dann an uns als Vermittler und wir geben es weiter.“ 10 000 Fördermitglieder unterstützen das DRK allein im Kreis Coesfeld. Generell, so Christoph Schlütermann, gebe es viele Menschen, die gerade in diesen Zeiten immer noch eng zusammen stehen. „Und ich glaube, dass das auch die Mehrheit ist.“

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