Autor Georg Veit hat moderne Märchen aus dem Münsterland geschrieben
Wenn ein seltsamer Gärtner erzählt

Coesfeld. „Es klappert die Mühle am rauschenden Bach“ ist ein altbekannter Liedtext aus der Zeit der Romantik. Seit Jahrzehnten schaut Georg Veit (64), seit 2014 Kulturdezernent der Bezirksregierung in Münster, von seinem Arbeitszimmer in Coesfeld auf die „klappernde“ Bischofsmühle am Honigbach und die nahegelegene und vielbefahrene Daruper Straße. Beides inspirierte ihn zu seinem ersten Märchenbuch „Das Lachen des Winters“, das in diesen Tagen erscheint.

Freitag, 27.11.2020, 11:02 Uhr
Georg Veit mit seinem neuen Buch vor der Bischofsmühle. Die Mühle und die nahe Daruper Straße haben ihn zu den modernen Märchen inspiriert. In der Mühle bietet Veit morgen und an den folgenden Adventssamstagen Signierstunden an. Foto: Elvira Meisel-Kemper

Bereits vor knapp 30 Jahren brachte Veit das Märchen „Der Sternenrabe“ zu Papier, das im 19. Jahrhundert in der Davert verortet ist. Weitere zehn Jahre später schrieb er „Jann und der Winter“. Spielort war der historische Flecken Büldeken in der Stadtlohner Bauerschaft Hengeler. Die Rahmenhandlung spielt in einem verwilderten Garten mit einem seltsamen Gärtner und einem Besucher als Ich-Erzähler in Coesfeld, direkt neben der Daruper Straße, auf die Veit aus seinem Arbeitszimmer herabblickt.

„Einzelne Märchen wollte ich nicht veröffentlichen. Das Buch ist in Schichtungen entstanden“, so Veit. Diese Schichtungen spiegeln sich in den Illustrationen der Designerin Nicole Siewior aus Münster wider. Handschriftliche und gedruckte Papierfetzen geben schon im Cover den Blick frei auf eine Mühle, die der Bischofsmühle sehr ähnelt.

„Das erste Märchen ist eher ein Wohlfühlmärchen mit einer winterlichen Liebesgeschichte. Auf das zweite Märchen bin ich gestoßen, als ich für einen Krimi in Stadtlohn recherchiert habe“, erzählt Veit. Damals entdeckte er die ehemalige Speicherinsel Büldeken in Hengeler, wo er das Märchen „Jann und der Winter“ verortete. Das Märchen spielt im Jahr 1816, als ein Vulkanausbruch in Indonesien für ein kaltes Jahr ohne Sommer sorgte. Jann, Besitzer einer Schafherde, hatte sich in den Kopf gesetzt, den Winter zu beenden und das Frühjahr zu holen. „Es ist eine Parabel auf den Menschen, der die Natur bezwingen will“, erklärt Veit.

Der Ich-Erzähler der Rahmenhandlung hört die Märchen vom Gärtner des verwunschenen Gartens an der Daruper Straße. „Der Gärtner holt damit den Ich-Erzähler aus dem Hamsterrad der modernen Leistungsgesellschaft heraus. Das Ende bleibt offen, vielleicht für eine Fortsetzung in einigen Jahren“, orakelt der Autor.

Den Garten und den seltsamen, namenlosen Gärtner habe es gegeben. „Autobiografische Züge trägt die Geschichte nicht. Die Mühle und der Verkehrslärm auf der Daruper Straße sind Bausteine der Geräuschewelt unserer Zeit“, fasst Veit zusammen. Es ist sein erstes Märchenbuch und wohl nicht sein letztes, in dem er sich mit Land und Leuten, Brauchtum und historischen Orten im Münsterland auseinandersetzt.

7 An den Adventssamstagen (Start ist morgen), jeweils von 10 bis 12 Uhr, lädt Georg Veit zu Signierstunden in die Bischofsmühle ein. Gleichzeitig findet dort der Verkauf regionaler Honigprodukte statt.

7 Georg Veit, Das Lachen des Winters. Moderne Märchen aus dem Münsterland, 84 Seiten, Elsinor Verlag Coesfeld, ISBN 978-3-945113 -33-2, 25 Euro; im Buchhandel erhältlich

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