Pastoralreferent Daniel Gewand veröffentlicht erstes eigenes Buch
Wenn Gott wie eine gemischte Tüte ist

Coesfeld. Gott ist wie eine gemischte Tüte. An dem Vergleich bleibt man erst einmal hängen. Wie passen Mäusespeck, Lakritz und Weingummi zu Gott? Eine Antwort gibt Pastoralreferent Daniel Gewand in seinem Buch „Gott ist wie Husemann“, das nun erschienen ist. Darin enthalten sind 85 kurze Geschichten von 90 Sekunden, die er in den vergangenen zehn Jahren für „Kirche in 1Live“ geschrieben und gelesen hat.

Samstag, 02.01.2021, 11:00 Uhr aktualisiert: 02.01.2021, 11:02 Uhr
Auf dem Cover von Daniel Gewands Buch „Gott ist wie Husemann“ ist „Husemann´s Büdchen“ in Duisburg-Neumühl zu sehen. Es ist seine Heimatstadt. Für dieses Foto lag also die Aufnahme im Kiosk Lange, dem einzig verbliebenen Kiosk in Coesfeld, auf der Hand. Für das Foto ausnahmsweise ganz kurz ohne Maske. In dem Buch geht es um kurze Geschichten aus seinem Alltag, die andere zum Nachdenken anregen sollen. Foto: Jessica Demmer

Es sind kleine Episoden aus seinem eigenen Alltag, die vor allem eines zum Ziel haben: den Leser zum Nachdenken anregen – über sich, das eigene Leben, Gott und den Glauben. „Die meisten sind leichte Texte, die motivieren, inspirieren und ein Lächeln ins Gesicht zaubern“, sagt Daniel Gewand über sein Buch. „Aber die schweren Geschichten über Tod, Sterben, Abschied und Schuld gibt es auch.“ Er verfolgt den Wunsch, Gott in Bildern zu verkünden, die alle verstehen. „Ich möchte ihn aus der Kirche und den Nebelschwaden holen. Als gläubiger Menschen schreibe ich ihm eben verschiedene Eigenschaften zu. Ob die alle auch zutreffen, ist eine andere Sache.“ So ist Gott für ihn auch schon mal wie ein Bahnhofssprecher, ein guter DJ oder auch wie ein schlechter Türsteher. Oder wie Jogi Löw. „Das war meine erste Geschichte, die ich geschrieben habe“, erinnert sich der 37-Jährige mit einem Lächeln.

„Wer nicht lebt, der kann keine Geschichten erzählen.“ So lautet ein weiteres Motto von Daniel Gewand. Aber das kann er. „Ich hoffe, dass sich Menschen in den Geschichten wiederentdecken und damit auch ihren Glauben und Gott.“

Themen wie Helfen, Anpacken und solidarisches Handeln sind ebenfalls Teil des Buches. „Ich erinnere mich an eine Situation, in der eine obdachlose Frau vor einem Supermarkt gesessen und um Kleingeld gebeten hat. Währenddessen parkte ein schicker Typ mit seinem großen SUV neben ihr ein. Als er ausstieg, fragt er sie, ob sie ihm nicht Kleingeld für den Parkautomaten geben könnte und sie gab es ihm. Da habe ich mich kurz gefragt, wer hilft denn jetzt hier eigentlich wem?“ Eine Geschichte, die zeige, wie jeder im Kleinen die Welt ein kleines bisschen besser machen kann. „Oder als ich einer Dame mit ihrem Rollator die Treppenstufen an der evangelischen Kirche hinauf zum Marktplatz geholfen habe. Sie sagte im Anschluss, ich sei ein Engel. Unglaublich, wie schnell man einer werden kann“, sagt er mit einem Zwinkern.

Mehr als 150 Geschichten hat der Pastoralreferent schon geschrieben, ins Buch hat es eine kleine Auswahl geschafft. „Mich haben viele gefragt, ob man die Texte, die ich im Radio lese, nicht auch irgendwo nachschlagen kann.“ Jetzt kann man es. „Es sind keine Geschichten, die nur für Theologen interessant sind, sondern vor allem auch für junge Menschen.“ Sobald er eine Situation erlebt, die ihm besonders in Erinnerung bleibt, wird sie aufgeschrieben. So wie der Beitrag „Facebook ist der bessere Friedhof“. Beim Durchscrollen durch das soziale Netzwerk seien ihm schon öfter Profile von Bekannten eingeblendet worden, die bereits verstorben seien. „Da schluckt man natürlich erst. Aber dann sehe ich mir ihre Timeline an und erinnere mich gerne an gemeinsame Erlebnisse. Das kann ich durch die vielen Bilder besser als vor einem schlichten Grabstein.“

Selbst einen Text, der auf seiner eigenen Beerdigung später vorgelesen werden soll, gibt es im Buch. Er trägt den Titel „Da kommt noch was“. Eine Geschichte, die trotz Trauer anderen Mut machen, Trost spenden und Hoffnung geben soll. Was sie mit den kleinen Dessertlöffeln auf gedeckten Tafeln zu tun hat, das verrät das Buch.

7 „Gott ist wie Husemann“, Daniel Gewand, 112 Seiten, Aschendorff Verlag. ISBN: 978-3-402-13423-8, 14,80 Euro.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7748199?categorypath=%2F2%2F798623%2F798631%2F7095333%2F947601%2F
Nachrichten-Ticker