Unternehmen stellen sich auf neue Bedingungen bei Handelsbeziehungen mit Großbritannien ein
Nach Brexit: Aufwand für Export steigt

Coesfeld. Nach dem geregelten Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union wird sich die Industrie- und Handelskammer (IHK) Nord Westfalen zusammen mit dem NRW-Wirtschaftsministerium dafür einsetzen, „dass die wertvollen deutsch-britischen Handelsbeziehungen in jedem Fall erhalten bleiben und weiter ausgebaut werden können“. Das hat IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Fritz Jaeckel seinerzeit betont.

Donnerstag, 07.01.2021, 06:48 Uhr
Rollwagen für die Großküchenlogistik fertigt das Unternehmen Hupfer auch für Großbritannien an. Foto: Archiv

Darauf setzen auch die Coesfelder Unternehmen, die Handelsbeziehungen mit den Briten unterhalten. Das Unternehmen Hupfer, Spezialist für Großküchen- und Sterilguttechnik, hat weitreichende Geschäftsbeziehungen mit Großbritannien und liefert regelmäßig Waren dorthin. Thorsten Aundrup, im Unternehmen fürs Finanz- und Rechnungswesen zuständig, teilt dazu mit: „Durch die immer wieder verzögerte Einigung eines Handelsabkommens zwischen Großbritannien und der EU war keine Planbarkeit gegeben. Durch diesen leidigen Zustand haben wir ganz bewusst Warenlieferungen, welche für Anfang Januar 2021 anstanden, noch im Dezember 2020 ausgeliefert.“

„Auf jeden Fall wird die Einfuhr unserer Waren nach Großbritannien in Zukunft komplexer werden“, blickt Thorsten Aundrup in die nahe Zukunft und fügt hinzu: „Wir sind aber froh, dass nach dem Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union ein Handelsabkommen geschlossen werden konnte und vorerst keine Zölle auf unsere Produkte erhoben werden.“ Dieses Damokles-Schwert schwebe zum Glück nicht mehr über den Unternehmen, was Handelsbeziehungen mit Großbritannien doch erheblich erschwert hätte. Hupfer gehe von einem wachsenden Marktanteil in Großbritannien aus, was sicherlich „mit strategischer Positionierung sowie guten Produkten“ erzielt werden müsse.

Verena Thies, Geschäftsführerin von Textilmaschinen Thies, kommentiert: „Das Vereinigte Königreich ist fortan wie ein Drittland zu behandeln.“ Das bedeute, dass in ihrem Unternehmen ein vergleichsweise erhöhter bürokratischer Mehraufwand bei der Abwicklung der Aufträge betrieben werden müsse. Verena Thies fügt hinzu: „Als Maschinenhersteller sind wir zudem verpflichtet, uns zertifizieren zu lassen und die Produktkonformität gemäß den Anforderungen des neuen UKCA-Labels zu überprüfen und zu gewährleisten.“

Weil das Vereinigte Königreich ab dem 1. Januar 2021 endgültig nicht mehr dem EU-Binnenmarkt angehört, hat das unter anderem zur Folge, dass in Großbritannien das UKCA-Kennzeichen (UK Conformity Assessed) ab dem 1. Januar 2021 verpflichtend sein wird. Dort löst es Ende 2021 das im Europäischen Wirtschaftsraum übliche CE-Kennzeichen ab. Als obligatorische Kennzeichnung zeigt das UKCA-Label an, dass ein Produkt der britischen Gesetzgebung entspricht. Der Hersteller oder sein Bevollmächtigter sind dafür verantwortlich, das UKCA-Zeichen am Produkt anzubringen.

Das Unternehmen Westfleisch zeigt sich zuversichtlich, dass die Handelsbeziehungen zu Großbritannien in ruhige Bahnen kommen. Ein Unternehmenssprecher kommentiert: „Das große Chaos ist bislang zum Glück ausgeblieben. Trotzdem rechnen wir damit, dass es in der Zukunft zu Anlaufschwierigkeiten kommen kann. Darauf sind wir aber gut vorbereitet.“

Da jede Sendung von nun an beim Zoll angemeldet werden müsse, bedeute dies für Westfleisch höhere Transportkosten und einen steigenden Verwaltungsaufwand. Außerdem verlängere sich durch diesen Prozess die Abfertigungszeit eines Lastwagens von zwei auf drei Tage. Der Westfleisch-Sprecher kommentiert weiter: „Da eines unserer obersten Ziele die Frische unserer Ware ist, wird dies besonders in der Anfangszeit eine Herausforderung sein. Lange Lastwagen-Schlangen, wie sie zuletzt im Dezember während der Tunnelschließung zu sehen waren, sind bisher ausgeblieben.“

Aktuell spüre Westfleisch eine Zurückhaltung bei der britischen Kundschaft im Bereich Foodservice, also beispielsweise bei Caterern, Restaurants und Kantinen. Das habe mit dem bevorstehenden Lockdown dort zu tun. Wursthersteller und Großhändler für den Lebensmitteleinzelhandel würden aber weiterhin in üblichen Mengen bestellen.

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