Gastronomen lassen sich bei Bestellungen auf Online-Portale ein
Aus der Not heraus gehandelt

coesfeld. Konstantinos Boskos ist wütend. Der Inhaber des griechischen Restaurants Mythos in der Süringstraße hat wie viele andere Gastronomen mit dem Lockdown zu kämpfen, der mittlerweile seit Anfang November für die gastronomischen Betriebe gilt.

Montag, 11.01.2021, 06:26 Uhr
Schnell und unkompliziert soll die Online-Bestellung von Speisen für den Kunden sein. Wenn Gastwirte keine eigene Website haben, sind sie auf fremde Portale angewiesen. Foto: pexels.com/Polina Tankilevitch

Damit er seine Speisen weiterhin anbieten kann, hat er einen Vertrag mit Lieferando abgeschlossen, den er am liebsten wieder kündigen würde. Über die Online-Plattform würden zwar 90 Prozent der Bestellungen eingehen. Aber er müsse auch 13 Prozent des Umsatzes plus Mehrwertsteuer und zusätzlich 50 Cent je Kunde an Lieferando zahlen.

„Da bleibt am Ende vom Umsatz nicht mehr viel übrig“, klagt Boskos. Er selbst hat keine eigene Website, auf der die Kunden ihre Speisen im Internet bestellen könnten. Deshalb sei er bereits beim ersten Lockdown im Frühjahr 2020 in „seiner Not“ auf die Idee gekommen, sich einem Online-Portal wie Lieferando anzuschließen.

Er habe Befürchtungen gehabt, dass die Bestellungen anderenfalls ganz ausbleiben würden. Für die Kunden biete das den Vorteil, dass sie bargeldlos bezahlen könnten. Das Essen müssen sie allerdings zumeist selbst abholen. Manchmal werde es auch in Eigenregie von ihm geliefert.

Konstantinos Boskos versteht die Welt nicht mehr. „Früher haben unsere Kunden auch telefonisch bestellt“, blickt der Gastwirt auf die Zeit vor der Corona-Pandemie zurück. Er hat keine Erklärung dafür, dass dies in der Zeit des Lockdowns so nicht mehr funktioniere. Vielleicht würde es daran liegen, dass die Menschen im Lockdown viel mehr Zeit vor dem Computer-Bildschirm oder am Smartphone verbringen würden als früher.

Boskos würde den Vertrag mit Lieferando am liebsten sofort kündigen. Aber das sei nicht so einfach.

Auch Cansu Kayhan, Inhaber des Betriebs Grill & Pizzeria 2000, hat auf die Karte Lieferando gesetzt. „Das ist die beste Lösung“, sagt der Pizzabäcker. „Wir werden damit im Internet besser gefunden“, sagt er. Allerdings habe er festgestellt, dass die Lage zunehmend schwieriger werde, je länger der Lockdown dauere. Die Kunden seien mehr und mehr zurückhaltend, was Bestellungen betreffe. Als jetzt der Lockdown für die gastronomischen Betriebe zum zweiten Male verlängert worden sei, seien nur noch wenige Bestellungen eingegangen. „Die Menschen leben in großer, vor allem auch finanzieller Ungewissheit“, sagt Cansu Kayhan.

Insgesamt zwölf gastronomische Betriebe in Coesfeld sind bei Lieferando im Internet zu finden.

Die Pizzeria Baba hat sich für das Online-Portal www.coesfeld-isst.de entschieden, auf dem aktuell drei Coesfelder Betriebe zu finden sind. „Das ist eine praktische Lösung sowohl für die Gastwirte als auch für die Kunden“, sagt Inhaberin Fatima Baba. Sie zahle für die Teilnahme eine überschaubare Grundgebühr.

Das Restaurant Freiberger setzt weiterhin auf seinen Abholservice. „Wir fahren gut damit“, kommentiert Barbara Freiberger. Wenn man einen Lieferservice in Eigenregie anbieten würde, müsse man einen riesigen Fuhrpark haben. Außerdem sei es für das Restaurant Freiberger wichtig, den persönlichen Kontakt zu den Kunden zu halten. „So bekommen wir bei der Abholung der Speisen immer eine direkte Rückmeldung vom Kunden“, betont Barbara Freiberger.

Das Hotel-Restaurant Haselhoff hat sich dafür entschieden, weder einen Abhol- noch einen Lieferservice anzubieten. Gastwirt Andreas Haselhoff kommentiert: „Das schmerzt natürlich sehr, dass wir unsere Mitarbeiter in Kurzarbeit schicken müssen.“ Aber er blickt zuversichtlich auf den Zeitpunkt, wenn er das Restaurant wieder öffnen darf. „Gastronomie ist mehr als reine Nahrungsaufnahme. Man soll nicht nur satt werden. Es zählt auch das Ambiente“, sagt Haselhoff. Dessen Stammgäste würden schon dem Zeitpunkt entgegenfiebern, wenn sie bei einem Besuch im Restaurant wieder ein Stück Lebensqualität zurückgewinnen könnten.

Andere Gastronomen haben bereits zu Beginn der Corona-Pandemie eigene Lieferdienste organisiert – wie zum Beispiel Markus Kleyer vom Gasthaus Keull, der mit seinem „Schnitzelflitzer“ an den Start gegangen ist.

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