Kindertagesstätten im Pandemie-Betrieb
Verantwortung der Eltern gefragt

Coesfeld. Während die Schulen wegen der Corona-Pandemie bis zum 31. Januar geschlossen bleiben und die Schüler im Distanzunterricht lernen, bleiben die Kindertagesstätten weiterhin geöffnet. Das ist anders als beim ersten Lockdown, als die Kindergärten nur einen Notbetrieb für Kinder von solchen Eltern eingerichtet hatten, die in einem systemrelevanten Beruf arbeiten.

Dienstag, 12.01.2021, 06:56 Uhr
Anders als beim Lockdown im vergangenen Jahr bleibt es diesmal ganz den Eltern überlassen, ob sie ihr Kind in der Corona-Pandemie in eine Kindertageseinrichtung bringen oder zu Hause betreuen. Foto: az

Die Ausgangssituation sei diesmal eine andere, betont Gabriele Hürländer, Verbundleiterin für die fünf Kitas der katholischen Kirchengemeinde Anna Katharina – die Kindergärten Anna-Katharina-Emmerick, Die Arche, St. Laurentius, St. Ludgerus und Herz-Jesu. Wegen der weiterhin zu hohen Corona-Infektionszahlen habe Landes-Familienminister Dr. Joachim Stamp an die Eltern appelliert, ihre Kinder in der Zeit des Lockdowns bis zum 31. Januar, wenn es irgend möglich ist, zu Hause zu betreuen. Diese Info haben die Kita-Leitungen an die Eltern weitergegeben.

In den fünf Kitas der katholischen Kirchengemeinde seien zahlreiche Eltern dieser Aufforderung gefolgt, freut sich Gabriele Hürländer. In jeder Einrichtung, in der normalerweise 65 bis 85 Kinder betreut werden, würden aktuell bis zu maximal 24 Kinder je Einrichtung betreut. Es werde in sogenannten Settings mit sieben bis zehn Kindern gearbeitet, um die Infektionsgefahr zu verringern. Wenn sich der Dienstplan eines Elternteils ändere, könnten die Kinder auch spontan betreut werden, betont die Verbundleiterin.

Waltraud Ekrod, Verbundleiterin der Kitas der katholischen Kirchengemeinde St. Lamberti, berichtet, dass die Betreuungsquote in den vier Einrichtungen St. Jakobi, St. Lamberti, Maria Frieden und Liebfrauen sehr unterschiedlich sei. Während im Liebfrauen-Kindergarten aktuell in jeder Gruppe nur drei bis vier Kinder betreut würden, sei am Montag im Jakobi-Kindergarten rund die Hälfte der Kinder erschienen. Allerdings könne dies auch damit zusammenhängen, dass sich der Appell des Ministers, die Kinder besser zu Hause zu betreuen, noch nicht genügend herumgesprochen habe. Möglicherweise habe es Verständigungsprobleme gegeben, weil dort viele Kinder aus nicht Deutsch sprechenden Familien betreut würden.

Waltraud Ekrod betont: „Wir sind mit den Eltern in einem guten Kontakt.“ Bei besonderen Bedarfen würden besondere Lösungen gefunden. Das betreffe zum einen den Förderbedarf eines Kindes oder auch den Bedarf von Eltern, die besondere Arbeitszeiten hätten. Es werde auf jeden Fall deutlich gemacht, dass die Kitas „im Pandemie-Betrieb“ laufen. „Wir motivieren die Eltern nicht, ihre Kinder in die Einrichtung zu bringen“, sagt Waltraud Eckrod deutlich. Es sei gut, dass die Buchungszeit um zehn Stunden reduziert worden sei. Die Verbundleiterin geht davon aus, dass sich die Zahlen im Laufe der Woche „einpendeln“ werden.

Claudia Fleckenstein, Leiterin des evangelischen Martin-Luther-Kindergartens, betont, dass es der Auftrag der Einrichtung sei, die Eltern aufzufordern, ihre Kinder aktuell zu Hause zu betreuen. Die Öffnungszeiten seien derzeit eingeschränkt. Die Kita habe nur von 7.15 bis 14.15 Uhr offen. Von den 60 Kindern, die sich normalerweise in der Kita aufhalten, seien aktuell pro Tag zwölf bis maximal 20 dort. Dabei handele es sich jeden Tag wieder um andere Kinder, denn die Eltern würden sehr genau prüfen, ob und an welchen Tagen es ihnen möglich sei, ihren Nachwuchs zu Hause selbst zu betreuen. „Das ist ein Spagat für alle Eltern“, sagt Claudia Fleckenstein.

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