Friseure fordern mehr Unterstützung und klare Perspektiven
Lauter Hilferuf einer ganzen Branche

Coesfeld. Der optische Hilferuf löste prompt Reaktionen aus. „Eine Kundin hat mich gefragt, ob wir jetzt für 24 Stunden öffnen dürfen“, sagt Dieter Bronstering. Wie viele andere Friseure hatte er am Wochenende für 24 Stunden in seinem Salon das Licht brennen lassen, um auf die dramatische Situation der Branche hinzuweisen – aber die Schere in die Hand nehmen, nein, das durfte er nicht. Wie schon seit Wochen, und das macht die Lage für viele Betriebe immer prekärer. „Ich fühle mich im Stich gelassen“, verweist Ida Tetik auf fehlende Hilfen und mangelnde Perspektiven. „Das nimmt für viele von uns dramatische Ausmaße an.“

Mittwoch, 03.02.2021, 05:51 Uhr
Seit Mitte Dezember müssen die Stühle leer bleiben: Die beiden Friseurinnen Ida Tetik (l.) und Eva-Maria Michels, die ihre Salons in Coesfeld haben, fordern zusammen mit weiteren Kollegen aus der Branche einen größeren Rückhalt aus der Politik und eine klare Perspektive. Foto: Jessica Demmer Foto: az

Teilweise werden bereits Termine für die Zeit ab dem 15. Februar gemacht. Ob die aber tatsächlich stattfinden können, steht in den Sternen. „Die Bundesregierung muss uns dann öffnen lassen“, spricht Hendrik Hessling (Billerbeck) Klartext. „Es geht darum, unseren Lebensunterhalt zu finanzieren.“ Denn mittlerweile gehe es für viele Friseure, die sich über Jahre etwas aufgebaut hätten, deutlich an die Reserven. Von den finanziellen Hilfen komme praktisch nichts an. „Wie kann es sein, dass ich nur laufende Kosten erstattet bekomme?“, fragt Hessling. Und das vor dem Hintergrund, dass bei den Selbstständigen die Sozialversicherungen die größten Posten seien, ergänzt Eva-Maria Michels (Coesfeld): „Wir müssen das zahlen, aber es kommt nichts an Einnahmen herein.“ Im Gegenteil, denn Minijobber, 450-Euro-Kräfte und Azubis müssten weiterhin ohne Kurzarbeiter-Zuschüsse bezahlt werden. Zudem habe die Kreishandwerkerschaft trotz der dramatischen Situation die fälligen Beiträge abgebucht. Kein Wunder, dass bisweilen neidisch auf andere Branchen geblickt werde. „Die Gastwirte bekommen 75 Prozent ihres Vorjahresumsatzes“, erklärt Dieter Bronstering (Rosendahl). „Wenn das bei mir so wäre, würde ich laut jubeln.“

Warum die Türen der Salons bereits seit Mitte Dezember geschlossen bleiben müssen, können sie nicht nachvollziehen. „Wir haben alle Hygienekonzepte sehr gut umgesetzt und alle Auflagen erfüllt“, betont Ida Tetik (Coesfeld). Auch die Nachverfolgung sei gesichert – und damit sei die Branche ganz anders unterwegs als viele andere Handwerkszweige. „Auf Baustellen dürfen verschiedene Handwerker offenbar ohne Auflagen gleichzeitig arbeiten“, schüttelt Hendrik Hessling den Kopf. Dabei seien in den Friseursalons wie auch bei den Kosmetikern die Hygienemaßnahmen viel besser einzuhalten.

Erschwerend hinzu komme häufig der Druck von außen. Tagtäglich gebe es die Anfragen, ob denn nicht „nebenbei“ Hand an die Haare angelegt werden könne, weiß Ida Tetik. Schwarzarbeit komme selbstverständlich nicht in Frage, wobei sie sogar ein Stück weit nachvollziehen könne, wenn Friseure mit dem Gedanken spielten, darauf einzugehen: „Viele sind verzweifelt, weil sie kaum noch wissen, wie sie ihre Kinder ernähren sollen.“

Deshalb sind die Forderungen der heimischen Friseure eindeutig. „Es braucht auch für unsere Mitarbeiter die Perspektive, dass wir am 15. Februar wieder öffnen dürfen“, macht Dieter Bronstering deutlich. Und das mit frühzeitigen und konkreten Ansagen zu den notwendigen Hygienekonzepten, nicht erst zwei Tage vorher, betont Eva-Maria Michels, die für ihre Berufskollegen einen größeren Rückhalt aus der Politik fordert. Bei großen Unternehmen wie Lufthansa oder Galeria Karstadt Kaufhof könnten problemlos Unterstützungsgelder fließen. „Aber wir Friseure sind auch viele“, sagt sie. „Und da ist zurzeit ganz viel Not.“

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