Flüchtlingsinitiative und Caritasverband helfen beim Kindernachzug
Vater und Sohn endlich vereint

Coesfeld. Der 29. Januar wird für Loea Alrais für immer ein ganz besonderer Tag sein. Er wird ihm im Gedächtnis bleiben als der Tag, an dem er seinen Sohn Mohamad nach viereinhalb Jahren schmerzhafter Trennung endlich wieder in die Arme nehmen konnte, an dem er nach viereinhalb Jahren voller Schuldgefühle und Sorgen endlich aufatmen konnte. Am 29. Januar um 10 Uhr kam Mohamad wohlbehalten am Flughafen Frankfurt an und damit endete ein Drama, das im November 2015 im syrischen Daraa begann.

Dienstag, 23.02.2021, 06:00 Uhr aktualisiert: 23.02.2021, 06:03 Uhr
Nach viereinhalb Jahren wieder vereint Loea Alrais (29) mit seinem Sohn Mohamad (5), den er bei seiner Flucht aus Syrien im Jahr 2015 zurücklassen musste. Foto: Christine Tibroni

Zu dieser Zeit tobt in Syrien der Bürgerkrieg. „Bei Bombenangriffen starben meine Mutter und mein Bruder. Unser Haus wurde zerstört“, erzählt Loea Alrais. Sein Vater drängt ihn, das Land zu verlassen, nach Europa zu fliehen. Für den jungen Mann eine schwere Entscheidung, denn sie bedeutet für ihn, seinen erst sechs Monate alten Sohn zurückzulassen. Die Mutter des Kleinen, von der Loea getrennt lebt, will ihn dem Vater nicht mit auf die gefährliche Flucht geben, wohl wissend, dass auch in Daraa Leib und Leben des Jungen in großer Gefahr sind.

Loea kommen immer noch die Tränen, wenn er an den schweren Abschied denkt. „Das tut immer noch weh“, sagt der 29-Jährige, dessen Weg über die Türkei nach Griechenland führte. Von dort ging es zu Fuß weiter, den ganzen weiten Weg nach Deutschland. Kaum dort angekommen, erreichte ihn die Nachricht, dass Mohamads Mutter den Kleinen in die Obhut seiner Familie väterlicherseits gegeben hatte. Die Gründe sind unklar, möglich, dass eine neue Beziehung eine Rolle spielte.

In Loea jedenfalls bekam der Wunsch neue Nahrung, seinen Sohn bei sich zu haben, ihn nach Deutschland zu holen. Doch dafür brauchte er viel Geduld und allen voran die Zuerkennung der Flüchtlingseigenschaft, mit der das Recht auf Kindernachzug verbunden ist. Und selbst als diese Voraussetzung erfüllt war, galt es, zahlreiche Formalitäten auf deutscher und syrischer Seite zu erfüllen. Unterstützung erhielt Loea Alrais, der seit drei Jahren in Coesfeld lebt, von zahlreichen Akteuren, insbesondere von der Flüchtlingsinitiative, namentlich Ludger Schulte-Roling und Norbert Lütkenhaus, und dem Caritasverband für den Kreis Coesfeld, hier vor allem von Majda Mchiche und Sonja Dustmann von der Fachstelle Integration und Migration. Private Spender halfen zudem bei der Finanzierung des Vorhabens. Über die Zeit hielt Loea Kontakt zu seinem Sohn, telefonierte fast täglich mit ihm.

Dann endlich – im November 2020 – kam das Visum für die Einreise Mohamads nach Deutschland. Gültig für drei Monate, die Zeit lief. „Die Internationale Organisation für Migration der Vereinten Nationen hätte auf syrischer Seite die Ausreise begleiten sollen, hat sich aber aus Gründen, die uns bis heute nicht bekannt sind, nicht gekümmert“, ärgert sich Ludger Schulte-Roling. Loea und seine Unterstützer setzten von Deutschland aus alle Hebel in Bewegung. Und so wurde der fünfjährige Mohamad Ende Januar per Taxi zunächst bis zur Grenze zum Libanon und von dort zum Flughafen Beirut gebracht. „Es war eine große Freude und Erleichterung, als ich Mohamad in Frankfurt in die Arme genommen habe“, erzählt Loea. „Die Angst, die ich immer um ihn hatte, meine Schuldgefühle, all das war weg.“ Und auch Mohamad wirke fröhlicher und gelöster als bei ihren Telefonaten.

Jetzt freuen sich die beiden auf eine gemeinsame Zukunft in Deutschland. Eine Zukunft, zu der auch Loeas zweite Frau und die beiden gemeinsamen Kinder gehören, die mit Mohamad einen großen Bruder bekommen haben.

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