Kaiserschnitt-Rate liegt in Christophorus-Kliniken mit 20 Prozent weit unter dem Bundesdurchschnitt
Natürliche Geburt bevorzugt

Coesfeld. In den Christophorus-Kliniken setzt sich Chefarzt Dr. Klaus-Dieter Jaspers seit Jahrzehnten für eine Geburt auf natürlichem Weg ein. „Wenn es medizinisch verantwortbar ist“, wie er kommentiert. So würden viele Schwangere die Coesfelder Frauenklinik aufsuchen, deren Kinder in Beckenendlage liegen oder die Mehrlinge erwarten, wie der Mediziner mitteilt. Die kleine Annika Ulrike war am 31. Januar schon das 15. Baby, das in Coesfeld in diesem Jahr aus Beckenendlage geboren wurde – alle auf natürlichem Wege.

Mittwoch, 24.02.2021, 06:00 Uhr
Die kleine Annika Ulrike kam im neuen Kreißsaal der Christophorus-Kliniken natürlich zur Welt – aus Steißlage. Ihre Eltern Stephanie und Christoph Muckelmann aus Ahaus freuen sich über die glückliche Geburt. Foto: Christophorus-Kliniken

Auch viele Schwangere mit Mehrlingen entbinden in den Christophorus-Kliniken spontan. So liegt die Kaiserschnitt-Rate im Coesfelder Krankenhaus bei etwa 20 Prozent – und damit wesentlich niedriger als im landesweiten Durchschnitt von 30,3 Prozent. „Das liegt vor allem an der fachlichen Kompetenz und der großen Erfahrung, die unser gesamtes geburtshilfliche Team hat“, betont Chefarzt Dr. Jaspers.
Im gesamten Regierungsbezirk Münster liegt die Kaiserschnitt-Rate bei 27 Prozent. Sie ist seit 2013, als noch 40,3 Prozent der Geburten per Kaiserschnitt erfolgten, kontinuierlich gesunken. Im Vergleich zu den Regierungsbezirken Köln, Düsseldorf, Detmold und Arnsberg ist die Kaiserschnitt-Rate im Regierungsbezirk Münster aktuell am niedrigsten.
Die Eltern der kleinen Antonia Ulrike haben sich nach einer natürlichen Geburt gesehnt. Für die Mutter Stephanie Muckelmann (35) aus Ahaus-Alstätte war lange Zeit nicht klar gewesen, ob eine natürliche Geburt möglich sein würde. Die kleine Annika lag schließlich in Beckenendlage, also mit dem Steiß statt dem Kopf nach unten. „Ich wollte so gern eine natürliche Geburt versuchen, ich war aber unsicher, ob das möglich ist“, sagt die 35-Jährige. Doch ihre Gynäkologin habe ihr Mut gemacht. So suchte die Ahauserin die Christophorus-Kliniken in Coesfeld auf. „Ich hatte gehört und gelesen, dass die Frauenklinik dort viel Erfahrung mit Beckenendlagen hat und die natürliche Geburt bevorzugt, wenn es medizinisch geht.“ Das habe ihr Zuversicht gegeben. Nach dem Geburtsplanungsgespräch sei für beide Seiten klar gewesen: „Wir versuchen es.“
Nach vielen regelmäßigen Wehen schon zu Hause fuhr das Paar aus Alstätte in die Christophorus-Kliniken nach Coesfeld. Nur vier Stunden später konnten Stephanie und Christoph Muckelmann ihre kleine Tochter (3740 Gramm schwer und 57 Zentimeter lang) im Arm halten. Stephanie Muckelmann durfte in einem der gerade erst neu eingerichteten Kreißsäle ihre Tochter zur Welt bringen.
Obwohl Dr. Jaspers grundsätzlich dafür eintritt, eine natürliche Geburt zu empfehlen, räumt er ein, dass in manchen Situationen ein Kaiserschnitt notwendig sein könne. „Es ist gut, dass wir diese Möglichkeit zur Entbindung haben“, kommentiert der Mediziner.
In der Frauenklinik werde – wie in einem Perinatalzentrum der höchsten Stufe vorgeschrieben – ein eigener Operationssaal im Kreißsaal vorgehalten, sodass jederzeit auf einen Kaiserschnitt umgestellt werden könne. Dr. Klaus-Dieter Jaspers: „Damit haben wir die Möglichkeit, in Geduld zu warten und dem natürlichen Geschehen seinen Lauf zu lassen. Oftmals ist es Unsicherheit oder Unkenntnis, wenn zum Beispiel eine Erstgebärende einen Kaiserschnitt wünscht.“
Das Team würde versuchen, die werdenden Mütter in ausführlichen Geburtsplanungsgesprächen zu informieren und zur vaginalen Geburt zu motivieren. „Viele Frauen trauen es sich – und wenn es einmal funktionierte, funktioniert es das nächste Mal meistens wieder. Dafür benötigt man aber viel Zeit für Gespräche“, betont Dr. Jaspers.

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