Trend in der Corona-Pandemie nicht abzuleiten
„Zahl der Geburten steigt stetig“

Coesfeld. Bereits zu Beginn der Corona-Pandemie im Frühjahr 2020 hat es viele Menschen gegeben, die von zu Hause aus im sogenannten Homeoffice gearbeitet haben. Auch viele Paare hatten daher mehr Möglichkeiten, ihre Zeit gemeinsam zu verbringen. Bereits im vergangenen Jahr hatten niedergelassene Frauenärzte prognostiziert, dass die Zahl der Entbindungen steigen könnte. Im Gespräch berichtet Dr. Klaus-Dieter Jaspers, Chefarzt der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe der Christophorus-Kliniken, ob sich diese Vermutungen bestätigt haben.

Donnerstag, 25.02.2021, 11:58 Uhr aktualisiert: 25.02.2021, 12:00 Uhr
Stetig ansteigen würde die Zahl der Geburten in den Christophorus-Kliniken in Coesfeld seit 2011, so Chefarzt Dr. Klaus-Dieter Jaspers. Dass mehr Kinder nach dem ersten Lockdown im Frühjahr 2020 auf die Welt kommen, ließe sich daher nicht ableiten. Foto: Archiv

Der erste Lockdown im März 2020 hat vielen Paaren mehr Zweisamkeit und damit mehr Zeit für die Familienplanung ermöglicht. Lässt sich das anhand der Geburtenzahlen in den Christophorus-Kliniken bestätigen?

Dr. Jaspers: Die Geburtenzahl in den Christophorus- Kliniken steigt seit 2011 Jahr für Jahr kontinuierlich an. 2370 Kinder kamen im vergangenen Jahr in den Christophorus-Kliniken in Coesfeld auf die Welt – das sind 107 Geburten mehr als in 2019. Als Gründe für den Anstieg der Geburtenzahlen sehen wir hier vor allem den Wunsch vieler Mütter aus der näheren und weiteren Umgebung nach einer natürlichen Geburt (nicht nur, aber auch bei Steißlagen, Mehrlingen oder nach vorausgegangenem Kaiserschnitt) sowie in der Schließung kleinerer Abteilungen. Eine allgemeingültige Aussage zur Geburtenentwicklung im Münsterland während der Corona-Pandemie lässt sich deshalb allein aus unseren Zahlen nicht ableiten. Hierzu ist ein längerfristiger und breit angelegter Daten-Vergleich zahlreicher geburtshilflicher Abteilungen notwendig.

Wie sehen die aktuellen Bedingungen bei Entbindungen in den Christophorus-Kliniken aus?

Dr. Jaspers: Wir bitten Frauen, die zu Routineuntersuchungen in die Klinik kommen, zunächst alleine, ohne Begleitung, die Klinik aufzusuchen. Der Partner oder die Partnerin gehört aus unserer Sicht allerdings zur Entbindenden. Wir möchten ihnen auch jetzt noch – trotz der erschwerten Bedingungen durch das Corona-Virus – gerne ein gemeinsames Geburtserlebnis ermöglichen. Mit Beginn der eigentlichen Geburtsphase und Aufnahme der werdenden Mutter in einen Kreißsaal wird der Partner oder eine andere gewünschte Begleitperson daher hinzugerufen und kann dann intensiv die Gebärende begleiten. Voraussetzung ist natürlich, dass der Partner gesund und frei von einem Corona-Verdacht ist.

Seit wann gelten diese Regeln?

Dr. Jaspers: Diese Regeln bestehen bei uns seit der ersten Pandemie-Welle. Die Eltern sind in der Regel sehr froh über die Möglichkeiten, die wir ihnen bieten können. Damit wir dieses Vorgehen auch in den kommenden Wochen beibehalten können, müssen wir gerade als das Perinatalzentrum im westlichen Münsterland sehr darauf achten, dass wir keine Erhöhung der Infektionsraten in diesem Bereich haben. Sonst müssten auch wir den Kreißsaal für Begleitpersonen schließen.

Ein Drittel mehr Geburten

Laut Statistik des Standesamtes Coesfeld hat sich die Zahl der Geburten zum Jahreswechsel 2020/21 im Vergleich zum Jahreswechsel 2019/20 erhöht. Dem Standesamt Coesfeld sind für Dezember 2019 insgesamt 157 Geburten gemeldet worden. Im Januar 2020 waren es 165. Im Dezember 2020, also neun Monate nach Beginn des ersten Lockdowns im Frühjahr, wurden dem Standesamt Coesfeld 190 Geburten – und damit 23 Geburten mehr als im selben Monat des Vorjahres – gemeldet. Im Januar 2021 wurden 221 Geburten gemeldet. Das waren sogar 56 Geburten mehr als im selben Monat des Vorjahres. Das ergeben rund ein Drittel mehr Geburten.

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