Hubert Rietmann rettet Rehbock aus dem See
Tier-Drama auf dem „Kalki“

Coesfeld. Mit dem Boot auf den Kalksandsteinsee („Kalki“) hinausgefahren war Hubert Rietmann eigentlich, um Gewässerproben aus verschiedenen Tiefen zu entnehmen. Er wollte die Wassertemperaturen messen und den Gehalt an Sauerstoff, Stickstoff und Phosphor ermitteln. Doch aus dieser Routinefahrt sollte für den Vorsitzenden des Sportfischereivereins Coesfeld eine dramatische Rettungsaktion werden.

Donnerstag, 25.02.2021, 06:00 Uhr
In letzter Sekunde rettet Hubert Rietmann einen jungen Rehbock aus dem Kalksandsteinsee. Möglicherweise hatten ihn Menschen und/oder Hunde verschreckt, so dass er blindlings auf das Wasser zulief. Am Wochenende waren Scharen von Spaziergänger am See unterwegs, zu dem der Zugang eigentlich versperrt ist. Foto: az

Vereinskollege Karl-Heinz Wulf, der am Uferrand unterwegs war, rief ihm plötzlich zu, dass an einer schattigen, noch gefrorenen Stelle des Sees ein junger Rehbock jämmerlich zu ertrinken drohte. „Das Tier stieß Todesschreie aus“, hat Hubert Rietmann noch die Laute im Gedächtnis, die ihm durch Mark und Bein gingen.

In Windeseile lenkte er sein Boot in Richtung Wildtier, zog dieses mit aller Kraft ins Boot. „Der Rehbock brach sofort zusammen“, erinnert sich der Vereinsvorsitzende. Das sei sein Glück gewesen, denn bei einem Rehbock handele es sich um ein Fluchttier, das auch nach der Rettung aus dem See bei vollem Bewusstsein wieder aus dem Boot gesprungen wäre, ist sich der Vereinsvorsitzende sicher. Das wiederum hätte für Hubert Rietmann gefährlich werden können. Er hätte mit seinem Boot kentern können. Nachdem er mit dem Boot wieder zum Uferrand gefahren war, half ihm sein Vereinskollege, das Tier vorsichtig aus dem Boot zu hieven.

Nach einer Weile hatte sich der Rehbock erholt und verschwand im Wald. Für Hubert Rietmann ist klar, dass das Wildtier nicht ohne Not in den Kalksandsteinsee gelaufen ist. Immer wieder würden am Uferrand Spaziergänger mit ihren Hunden und auch Mountainbike-Fahrer entdeckt. Dabei handele es sich bei dem Gelände um ein Privatgrundstück, das nicht betreten werden dürfe. Die Tiere würden durch die Menschen und die Hunde verschreckt, sodass sie blindlings auf das Gewässer zulaufen würden. Am vergangenen Wochenende seien Scharen von Spaziergängern am See gesichtet worden.

In Corona-Zeiten und bei schönem Wetter sei das aus seiner Sicht menschlich nachvollziehbar, sagt Rietmann. Aber im Namen des Vereins appelliert er dennoch dringend an die Bevölkerung, den Hausfrieden zu wahren und das Gelände nicht zu betreten.

Im Übrigen, unterstreicht der Angler, handele es sich nach wie vor um einen Baggersee, in dem Sand abgebaut werde. „Es besteht dort Lebensgefahr“, macht Rietmann noch einmal auf die Notwendigkeit aufmerksam, den See für die Allgemeinheit vorerst nicht zugänglich zu machen.

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