Wechselunterricht an den Grundschulen
Endlich wieder in die Schule gehen

Coesfeld. Keine Frage. Dass sie endlich wieder in die Schule gehen dürfen, finden die Mädchen und Jungen aus der Klasse 2a der Lambertischule spitze. Endlich wieder gemeinsam lernen. Endlich wieder die Freunde und Freundinnen, die Lehrerinnen treffen. Endlich wieder raus aus den eigenen vier Wänden. Dafür gehen alle Daumen rauf. „Blöd ist nur, dass wir die ganze Zeit die Masken tragen müssen“, meint Emil. Aber das ist auch schon der einzige Haken, den die Kinder ausmachen können.

Samstag, 27.02.2021, 06:00 Uhr
Endlich dürfen sie wieder die Schulbank drücken. Die Coesfelder Grundschüler, hier die Klasse 2a der Lamberti-Grundschule, haben die erste Woche Wechselunterricht absolviert. Bei Schülern und Lehrern war die Wiedersehensfreude groß. Foto: Christine Tibroni

Seit Montag gibt es an den Coesfelder Grundschulen Wechselunterricht. Das bedeutet, die Klassen sind geteilt, die Gruppen sind im Wechsel einen Tag in der Schule und einen Tag im Homeschooling. Es gelten strenge Hygienevorschriften: Abstand halten, Hände desinfizieren, Maskenpflicht auch am Platz. Inhaltlich konzentriert sich der Unterricht auf die Fächer Deutsch, Mathe, Sachkunde und Englisch. Gruppen- oder Partnerarbeit sind nicht möglich. Das alles ist noch weit entfernt vom Schulalltag, wie man ihn vor Corona kannte, „ermöglicht aber wenigstens ein bisschen Normalität“, sagt René Das Gupta, Pflegschaftsvorsitzender der Lamberti-Grundschule, dessen Tochter die dritte Klasse besucht. Der Wechselunterricht bringe eine riesengroße Entlastung, so Das Gupta. Sowohl für die Kinder, denen vor allem die eingeschränkten sozialen Kontakte zu schaffen machten, als auch für die Eltern, die in den vergangenen neun Wochen vielfach Beruf, Kinderbetreuung, Homeschooling und Hausarbeit unter einen Hut bekommen mussten. Organisatorisch und inhaltlich laufe der Wechselunterricht wie zuvor auch das reine Distanzlernen sehr gut, sagt der Vater von drei Kindern. Auch Schulleiterin Michaela Ellerbrock zieht nach der ersten Woche ein positives Resümee: „Wir sind froh, die Kinder wieder zu sehen. Durch die geteilten Klassen können wir nach der langen Phase des Distanzlernens jetzt die Kinder noch mal sehr genau in den Blick nehmen.“ Keinen Hehl macht Michaela Ellerbrock daraus, dass Vor- und Nachbereitung des Wechselunterrichts sehr aufwändig sind. Und auch die Organisation der Notbetreuung stelle eine Herausforderung dar. Ähnlich äußern sich auch ihre Schulleiterkollegen Benedikt Wachsmann von der Maria-Frieden-Grundschule und Regina Harbig von der Laurentius-Grundschule.
In die Freude über die vorsichtige Schulöffnung mischt sich aber auch Sorge. Mehr Kontakte bedeuten auch ein erhöhtes Ansteckungsrisiko mit Corona – das Stück Normalität könnte schnell wieder passé sein. „Insofern hätten wir es auch mitgetragen, wenn das Distanzlernen noch bis zu den Osterferien verlängert worden wäre, zumal das Homeschooling von den Lehrern und Lehrerinnen mit großem Engagement begleitet wird“, meint Ina Rupprecht, deren Söhne die Laurentius- und die Ludgeri-Grundschule besuchen. Worüber sie sich in den Monaten der Pandemie wirklich geärgert habe, sei die Kurzfristigkeit, mit der die Politik Beschlüsse gefasst habe. „Schulen und Eltern blieb oft kaum Zeit, zu reagieren.“ Jüngstes Beispiel: Masken. Hieß es zunächst, die Schüler bräuchten keine medizinischen Masken, kam kurz vor dem Schulstart eine neue Verordnung, die das Tragen medizinischer Masken vorschrieb.

Abschlussprüfungen im Fokus

Auch an den weiterführenden Schulen findet wieder Präsenzunterricht statt, allerdings nur für die Abschlussklassen und die Q1 der gymnasialen Oberstufe. Die Modelle sind unterschiedlich. Während etwa die Freiherr-vom-Stein- Schule Wechselunterricht mit geteilten Klassen durchführt, sind am Heriburg und an der Kreuzschule die Schüler vollständig und täglich in der Schule, wobei am Heriburg auch Kurse geteilt und räumlich getrennt werden. An der Kreuzschule sind die Klassen ohnehin relativ klein. „Es ist schön, wieder in der Schule zu sein. Alles ist perfekt organisiert“, sagt Fynn-Ole Bergmann, Abiturient am Heriburg. Obwohl sein Jahrgang insgesamt viel Zeit im Homeschooling verbracht hat, wähnt er sich gut vorbereitet für die bevorstehenden Prüfungen. Ähnlich äußern sich auch Josefine Lange (Freiherr-vom-Stein-Schule) und Tia-Kimberly Konrad (Kreuzschule), die im Mai die Zentralen Abschlussprüfungen absolvieren. Aus der Elternschaft des Heriburg-Gymnasiums hat Pflegschaftsvorsitzender Daniel Zazopoulos „schon während des Lockdowns relativ wenig Kritisches gehört.“ In Einzelfällen seien Familien an Grenzen gestoßen, vor allem was technische Voraussetzungen für das Distanzlernen anging. Insgesamt sei aber deutlich geworden, dass Schule aus den Erfahrungen des ersten Lockdowns gelernt habe.   -ct-

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