Mountainbiken in Schonungen der Coesfelder Heide verboten
Illegale Trails ärgern Waldbesitzer

Coesfeld. Der Weg zieht sich in Serpentinen wie eine Schneise durch die Schonung am Hünsberg in der Coesfelder Heide. Vor einem umgestürzten Baum wurde der Boden extra zu einer Sprungschanze aufgeschichtet. Was für Mountainbiker ein Paradies ist, ist den Waldbesitzern und Jagdpächtern zunehmend ein Dorn im Auge. Denn die illegal selbst angelegten oder ausgebauten Trails führen immer öfter durch die Schutzzonen für das Wild. Und die Folgen kennt Hubert Warnsing nur zu gut.

Donnerstag, 04.03.2021, 06:09 Uhr
Von Mountainbikern selbst angelegte Trails – hin und wieder sogar inklusive Sprungschanzen – kommen in der Coesfelder Heide immer häufiger auch im Schonungsbereich für das Wild vor – sehr zum Ärger der Waldbesitzer und der Jagdpächter. Foto: Hubert Warnsing

„Ich habe letzte Tage noch wieder eine trächtige Ricke von der Straße holen müssen, die von einem Auto angefahren wurde“, sagt der Jagdpächter. „Das ist immer so bitter.“ Erst kürzlich war ein junger Rehbock aus dem Kalki gerettet worden (wir berichteten). Für Hubert Warnsing steht fest, dass das Wild durch die immer stärkere Nutzung des Gebiets rund um den Kalki seine Ruhezonen verliert und aufgescheucht wird.
Dass die Coesfelder Heide in den vergangenen beiden warmen Jahren und in der Coronazeit stark frequentiert wurde, spiegelt sich auch in einer kontroversen Diskussion auf Facebook wider. Während sich Mountainbiker über Spaziergänger beschweren, die ihnen keinen Platz machen und Hunde frei laufen lassen, berichten die Passanten zum Teil von „Hechtsprüngen ins Gebüsch“, um den rasanten Radlern auszuweichen. Den zunehmenden Besucherandrang sieht auch Christoph Steinhoff von der Unteren Naturschutzbehörde des Kreises Coesfeld. „In den Baumbergen ist es jedoch noch deutlich schlimmer“, sagt Steinhoff. Dort habe man sogar mit einem Wegekonzept regeln müssen, wer welche Pfade nutzen darf. „Es kann sein, dass wir dazu auch in der Coesfelder Heide kommen müssen“, blickt Steinhoff voraus, setzt jedoch auf die gegenseitige Rücksichtnahme von Radfahrern, Spaziergängern und Reitern. Selbst Wege anlegen, „das geht natürlich gar nicht“, betont Steinhoff, der selbst Mountainbike fährt. Gleichwohl wisse auch er, dass es im Umkreis ansonsten wenige Möglichkeiten gibt, diesem Hobby nachzugehen. Solange die dafür vorgesehenen Wege nicht verlassen werden, sei dies auch kein Problem. Deswegen müsse man mit Blick auf Verbote mit „Fingerspitzengefühl“ handeln.
Thomas Brinks betrachtet „die Situation schon seit Langem mit Sorge“, sagt der Vorsitzende des Radsport-vereins (RSV) Coesfeld. „Wir respektieren die Natur, das Gesetz und das Eigentum“, distanziert sich Brinks vom Wegebau in Eigenregie. „Um Jugendlichen ein anderes Ventil zu bieten, unterstützen wir deshalb auch die Idee des Dirt Parks in Lette.“
Dass die Mitglieder in den Vereinen nicht das Problem sind, bestätigt auch eine Waldbesitzerin. „Wenn die Radfahrer ihre jährliche Rallye veranstalten, fragen sie immer vorher nach und bleiben auch auf den Wegen.“ Man wolle die Leute ja nicht aus dem Wald vertreiben. „Das Hauptproblem sind wirklich die selbst angelegten kleinen Wege im Forst“, sagt die Coesfelderin.
Hubert Warnsing hat deshalb eine Idee: „Mountainbiker, die am Hünsberg fahren möchten, können sich an mich wenden und wir schauen dann gemeinsam, wo es dafür ideale Bedingungen gibt, ohne die Natur zu stören“, bietet der Jagdpächter eine Ortsbegehung an.

Nutzung der Wälder

Auf das Verhalten beim Betreten des Waldes weist das Landesforstgesetz unter §2 hin. Demnach muss sich jeder so verhalten, „dass die Lebensgemeinschaft Wald und die Bewirtschaftung des Waldes nicht gestört, der Wald nicht gefährdet, beschädigt oder verunreinigt“ wird. „Motorisierte Fahrzeuge mit Ausnahme der Forstfahrzeuge haben im Wald nichts zu suchen“, weist Christoph Steinhoff von der Unteren Naturschutzbehörde des Kreises Coesfeld darauf hin, dass Motocross und Quads im Forst untersagt sind. In Deutschland dürfen Privatbesitzer ihren Wald für die Allgemeinheit nicht sperren. „Wir nehmen das immer als selbstverständlich hin, sollten das aber als Privileg betrachten“, meint Steinhoff. Wo es noch kein Wegekonzept gibt – so wie in der Coesfelder Heide – dürfen Wege befahren werden, wo es Wege gibt. „Was ein Weg ist, ist gesetzlich jedoch nicht festgeschrieben“, sagt Steinhoff, der dafür plädiert, „nicht jeden vermeintlichen Weg, den ein Forstfahrzeug geebnet hat, für sich zu nutzen“. Das selbstständige Anlegen von Wegen oder deren Ausbau ist jedoch in jedem Fall nicht mit dem Landesforstgesetz vereinbar. Die Wege sollten nach Möglichkeit nicht verlassen und gegenseitige Rücksichtnahme geübt werden.    -fs-

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Zu einem Wildunfall kann es das ganze Jahr über kommen, auch wenn laut Unfallforschung der Versicherer leichte Spitzen in den Monaten Mai sowie Oktober und November auftreten. Zwischen 5 und 8 Uhr sowie abends zwischen 17 und 0 Uhr passieren die meisten Wildunfälle. Die jetzt an den Leitpfosten angebrachten blauen Reflektoren sollen das Wild besser abschrecken.   -fs-

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