Dezente Umgestaltung beginnt in Kürze
Synagoge soll „sichtbarer“ werden

Coesfeld. Die geplante Umgestaltung der ehemaligen Synagoge an der Weberstraße in einen außerschulischen Lern- und Veranstaltungsort wird konkret: „Wir prüfen derzeit verschiedene Angebote und beauftragen danach dann eine Agentur“, berichtete Dr. Kristina Sievers-Fleer, Leiterin der städtischen Museen, im Kulturausschuss des Stadtrates. Ziel der behutsamen Umgestaltung, die mit Leader-Mitteln (Europäische Union) finanziert wird, ist es, die Synagoge, die ja etwas versteckt in einer Seitenstraße liegt, in der Öffentlichkeit „sichtbarer“ zu machen. Das soll durch Hinweise im Außenbereich geschehen, aber vor allem auch durch eine die Behandlung der NS-Zeit im Stadtmuseum „Das Tor“ ergänzende Darstellung zum jüdischen Leben in Coesfeld im Inneren. Schulen sollen eingeladen werden, dort besondere Geschichtsunterrichtsstunden abzuhalten.

Freitag, 05.03.2021, 06:00 Uhr aktualisiert: 05.03.2021, 06:02 Uhr
Die Synagoge an der Weberstraße soll ein besonderer außerschulischer Lernort werden, an dem man auch etwas über das frühere jüdische Leben in Coesfeld erfahren kann. Foto: Dr. Kristina Sievers-Fleer/Archiv

Schon im Vorfeld hat die Stadt alle Schulen im Leader-Gebiet Baumberge angeschrieben, um nachzufragen, welche Wünsche sie an die inhaltliche Gestaltung eines Lernorts Synagoge haben. Dabei kamen als Themenschwerpunkte heraus, Einblicke zu erhalten in jüdisches Leben in Coesfeld und etwas über die Religion allgemein zu erfahren. Außerdem wünschten sich die Schulen museumspädagogische Angebote, die die Geschichte des Ortes näher beleuchten, aber auch das Leben der jüdischen Gemeinde und die jüdische Kultur. Das alles greift Sievers-Fleer gern auf. „Durch die thematische Öffnung“, erklärte sie, würden zudem Bezüge in die Gegenwart geschaffen. Auch Themen wie der immer wieder in Deutschland aufkeimende Antisemitismus können dabei mitbehandelt werden.

Es sollen „Möglichkeiten zur vertiefenden Auseinandersetzung“ mit den angesprochenen Themen für die unterschiedlichsten Zielgruppen geschaffen werden – von der Schülergruppe bis hin zu Teilnehmern einer Stadtführung, kündigte sie an. Sievers-Fleer sprach von „einem Mehrwert an Informationen“, den die Synagoge für viele Menschen bieten soll. Auch mehr Veranstaltungen wie Konzerte und kleinere Ausstellungen sollen dort etabliert werden, ergänzte sie.

Die Präsentation der Informationen soll möglichst dezent und mobil geschehen. „Wir lehnen uns in der Optik – Farbe, Texthierarchien und Typografie – an die Gestaltung der Ausstellung im Tor an“, erläuterte Sievers-Fleer. Wichtig ist ihr dabei, „dass der Raumeindruck authentisch bleibt“. Das heißt: Die Synagoge selbst ist weiter der „Haupthingucker“. Konkurrenzlos. Dafür setzt sie auf ein stimmiges Gesamtkonzept, das auch den Außenbereich bewusst mit einbezieht. Passanten, die zufällig vorbeikommen, sollen darauf aufmerksam gemacht werden, um was für ein Gebäude es sich handelt. Wie genau? Das ist noch offen. Aber auch elektronische Medien sollen zum Einsatz kommen. Jetzt steht erstmal noch viel Arbeit für Konzept und inhaltliche Ausgestaltung an. Sievers-Fleer will die Schulen dabei weiter eng einbinden.

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