Kaufleute freuen sich über erste Kunden in Geschäften
Ein Stück Normalität per Termin

Coesfeld. Die ersten Kundenanfragen per E-Mail, SMS oder Telefon hatte Paul Mauermann bereits am Wochenende bekommen. 15 Termine für den Montagmorgen hatte der Coesfelder Einzelhändler auf diesem Wege schon vergeben. „Die Leute wollen sich jetzt neu einkleiden. Das gehört zum ordentlichen Erscheinungsbild für sie dazu wie der Besuch beim Friseur“, sagt Mauermann lächelnd und freut sich am Montagmorgen, wieder Kunden im Geschäft ein kleines Stück Normalität zurückgeben zu können.

Dienstag, 09.03.2021, 06:00 Uhr
Die Wiedereröffnung des Einzelhandels nach Terminvergabe haben (v.l.) Jessica Oberwald und ihr Sohn Marvin genutzt, um bei der Spielkiste einen Weihnachtsgutschein einzulösen. Inhaberin Erika Eismann freut sich am Montag über die ersten Kunden im Geschäft. Foto: Leon Seyock

15 Kunden dürfen sich gleichzeitig im Modehaus Mauermann aufhalten. Dass einige auch spontan vor der Tür stehen und nach einem Termin fragen, komme durchaus vor. „Wir orientieren uns an der maximalen Kundenzahl und schicken natürlich niemanden nach Hause“, sagt Mauermann. Allenfalls ein wenig Geduld müssten die Kunden zurzeit aufbringen. Dies gelte im Zweifel aber auch für Kunden mit Termin. Denn, so betont der Kaufmann, „jeder soll sich die Zeit nehmen, die er oder sie benötigt.“ Abhetzen müsse sich also niemand, spricht Mauermann von einer „angenehmen und sicheren Atmosphäre“. Und gerade letzteres stehe bei vielen Kunden im Fokus: die Sicherheit. „Einige fragen bewusst nach Terminen, wenn der Laden eher leer ist“, berichtet Mauermann. Da sei die Kundschaft durchaus „sensibilisiert“. Um diesem Anspruch gerecht zu werden, stehe der komplette Kabinentrakt immer nur einem Kunden zur Verfügung.
Auch in die Spielekiste ist wieder Leben eingekehrt. Ein paar Termine für den Montagmorgen hatte Inhaberin Erika Eismann schon vergeben, so wie zum Beispiel an Jessica Oberwald, die mit ihrem Sohn Marvin einen Weihnachtsgutschein eingelöst hat. „Man freut sich schon sehr, dass die Kunden wieder in den Laden kommen dürfen und einfacher als ,Click and Collect’ ist das System auch“, sagt Eismann. Zwar hätten sich am Montagmorgen noch keine Warteschlangen vor dem Geschäft gebildet, in das gleichzeitig immer nur fünf Kunden hineindürfen. „Aber die Leute müssen sich auch erst mal wieder daran gewöhnen, in der Stadt einkaufen gehen zu können“, ist sich Erika Eismann sicher.
Sogar schon für Zeitfenster in der kommenden Woche habe Ingo Waltering Termine an Kunden vergeben können. „Wir sind deswegen mit der gesamten Mannschaft vor Ort“, sagt der Marktleiter von Expert. Bei der Terminvergabe, die online oder telefonisch erfolgt, werde bereits grob abgefragt, wofür der Kunde sich interessiere. Dementsprechend werde ihm dann ein Mitarbeiter zugeteilt, spricht Waltering von einer „Eins-zu-Eins-Betreuung“. „Und ich glaube, dass dadurch auch die Beratungsqualität steigt“, meint der Fachmann für Elektrogeräte. Natürlich gebe es zwar auch Anfragen von Menschen, die sich „einfach nur umschauen“ wollen. „Das ist zum jetzigen Zeitpunkt aber nicht sinnvoll“, findet Waltering, Die meisten seiner Kunden hätten jedoch ein bestimmtes Anliegen. „Denn es gibt Produkte, die man ungern online bestellt“, führt der Filialleiter seine Fernsehgeräte als Beispiel an. Das Terminmanagement hätten seine Kunden sehr gut angenommen. Auch spontan würden manche Kunden vor dem Geschäft um einen Termin bitten. „Die 25 muss stehen“, nennt Waltering die Gesamtkundenzahl als einzige Prämisse für den Eintritt. Um Transparenz zu schaffen, hat er sogar einen digitalen Kundenfrequenzzähler im Eingangsbereich aufgestellt. „Wir hoffen, dass wir in 14 Tagen den nächsten Schritt gehen können und Kunden auch ohne Termin ins Geschäft lassen dürfen“, wünscht sich Waltering.

Blumen und Bücher auch ohne Termin

Seit Montag dürfen nun auch Floristen und Buchhändler wieder ihr ganzes Sortiment auch ohne Termine anbieten – allerdings unter der Maßgabe: ein Kunde pro zehn Quadratmeter Verkaufsfläche. Ihr Geschäft Lebenslust hatte Bettina Rüttjes zwar fast durchweg öffnen dürfen, da der Verkauf von Blumen in NRW auch vorher schon erlaubt war. „Allerdings durften wir vorher nur frische Ware in Verbindung mit einem Topf im Laden verkaufen“, berichtet Rüttjes. Das führte mitunter zu kuriosen Kaufabwicklungen. „Eine Kundin kauft im Laden einen Blumenstrauß und möchte noch Stabkerzen dazu haben“, nennt Rüttjes ein Beispiel. „Die Kerzen haben wir ihr dann zum Abholen vor der Tür verkauft.“ Das sei nun glücklicherweise vorbei. Die jetzige Regelung nehme schon „ein bisschen die Spannung raus“, sagt die Floristin. Auch Bernhard Heuermann hat in seiner Buchhandlung am Montagmorgen die ersten Kunden begrüßt. Gleichwohl laufe das „Click and Collect“-Geschäft weiter. Die Bestellungen auf der eigenen Website seien gut angenommen worden. „Der Kunde kann weiter wählen: Hol ich es ab, oder lass ich es kommen“, erklärt Heuermann. Bei der Abholung gelte: Abends bis 17 Uhr bestellt, am nächsten Morgen schon im Laden. „Da sind wir schneller als Amazon“, schmunzelt Heuermann mit Stolz. Zusätzlich dürfe er jetzt drei bis vier Kunden gleichzeitig in sein Geschäft lassen.    -fs-

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