Gotteshaus im neuen Fußgängerleitsystem nur einmal am Marktplatz ausgeschildert
Stadt erklärt ev. Kirche zum „Nebenziel“

Coesfeld. Sie ist eines der historisch bedeutendsten Bauwerke der Stadt. Doch Coesfelder wie Auswärtige, die im Schlosspark vor der evangelischen Kirche stehen, werden sich wundern, warum die weithin sichtbare ehemalige Jesuitenkirche nicht überall im neuen Fußgängerleitsystem ausgeschildert wird. So erging es auch Dr. Sabine Plonz bei ihrem Rundgang durch die Stadt. „Die neuen Schilder weisen durchgängig meist gemeinsam auf Lamberti, Rathaus und Markt hin, nicht aber auf die ebenfalls genau dort befindliche evangelische Kirche“, hat die Theologin beobachtet und vermutete bereits ein „unbewusstes Vergessen“ seitens der Verwaltung.

Dienstag, 06.04.2021, 06:00 Uhr
Wer am Rande des Schlossparks direkt vor der evangelischen Kirche am Markt steht, wundert sich zuweilen, warum die Schilder des neuen Fußgängerleitsystems auf das prägnante Bauwerk erst auf dem Marktplatz hinweisen (kleines Foto). Fotos: Florian Schütte Foto: az

Dies sei jedoch nicht der Fall, wie Holger Ludorf von der Stadt Coesfeld mitteilt. Grundsätzlich soll das Fußgängerleitsystem fußläufige Ziele, die für Besucher der Stadt wichtig sind, miteinander verbinden. „Dazu wurden zunächst Hauptziele im Fußwegesystem definiert“, spielt der Stadtplaner auf die Lambertikirche mit „überragender, überregionaler Bedeutung“ und auf den Marktplatz „als historisches Handelszentrum“ an. „Neben den Hauptzielen gibt es zahlreiche Neben- oder Einzelziele. Für diese beginnt die Wegweisung grundsätzlich erst ab der am nächsten liegenden Fußwegeroute“, erläutert Ludorf weiter. Die Bedeutung der evangelischen Kirche für auswärtige Besucher sei im Vergleich zur Lambertikirche als geringer einzustufen. „Daher ist die evangelische Kirche ein Nebenziel“, führt Ludorf aus – und auf dieses Nebenziel werde daher erst auf dem Marktplatz hingewiesen.

Für Sabine Plonz völlig unverständlich. „Dieses Kirchengebäude ist nicht nur ein anerkanntes Baudenkmal der Barockzeit, sondern auch lokal- und konfessionsgeschichtlich interessant“, sagt die Wissenschaftlerin. „Aber auch, wer nicht so bildungsbürgerlich interessiert ist, sollte einsehen, dass es nicht in Ordnung ist, die große evangelische Gemeinde aus der Selbstdarstellung der Stadt zu streichen“, hält Plonz dieses Vorgehen für „unsensibel und nicht gerecht“, angesichts der Tatsache, dass in den vergangenen Jahren „in Coesfeld nach Jahrhunderten der Konfrontation und Ignoranz gegenüber der Minderheit erfreulich viel an ökumenischem Miteinander zu beobachten gewesen“ sei. Plonz hofft nun, dass die neuen roten Schilder zügig ergänzt werden, „und zwar nicht mit einer klein gedruckten, lieblosen Abkürzung, wie sie der derzeit einzige Hinweis auf dem Markt bietet“.

Ganz gestrichen hat die Stadt die evangelische Gemeinde auch nicht aus der Selbstdarstellung, wie die Wegweiser zum evangelischen Gemeindehaus beweisen, das nächstes Jahr abgerissen werden soll. „Bis das Gemeindehaus abgerissen wird, vergeht noch einige Zeit. Bis dahin war uns eine Beschilderung aus einem Guss wichtig“, betont Ludorf dazu. Zudem sei die Beschilderung des Gemeindehauses mit der Kirchengemeinde abgestimmt gewesen. Mit Birgit Henke-Ostermann habe man diesbezüglich jedoch nicht gesprochen, wie die Pfarrerin auf Nachfrage unserer Zeitung mitteilt. Sie will aber nicht ausschließen, dass die Stadt mit anderen Mitgliedern der Kirchengemeinde Kontakt aufgenommen hat. „Auf keinen Fall sind wir zum Ob oder Wie der Ausschilderung der evangelischen Kirche am Markt befragt worden“, betont Birgit Henke-Ostermann und fügt hinzu: „Wir sind über die fast totale Fehlanzeige schon sehr verwundert!“

Allerdings, das betont Holger Ludorf, sei das Wegweisersystem so flexibel, dass in Zukunft Schilder problemlos ergänzt oder ausgetauscht werden können.

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