43-jähriger Coesfelder muss 17 Monate ins Gefängnis
Aus Wut auch noch Fenster am Elternhaus eingeworfen

Coesfeld. Sichtlich erleichtert konnte der Richter beim Fortsetzungstermin des komplizierten Prozesses gegen einen 43-jährigen Coesfelder am Amtsgericht Coesfeld das Urteil fällen. Das Ergebnis waren zwei Freiheitsstrafen ohne Bewährung, die den einschlägig vorbestraften Angeklagten für insgesamt 17 Monate ins Gefängnis bringen. Der Grund waren acht zur Anklage gebrachte Vergehen und die Einbeziehung von Reststrafen aus früheren Verfahren.

Dienstag, 06.04.2021, 18:51 Uhr

Zwei Vorwürfe der gefährlichen Körperverletzung, Beleidigung und das verbotene Zeigen des Hitlergrusses in der Öffentlichkeit wurden inklusive Zeugenvernehmung am ersten Verhandlungstag in der Beweisaufnahme verhandelt (wir berichteten). Vier weitere Straftaten waren Themen des zweiten Termins, der sich noch einmal über vier Stunden hinzog.

Am 30. November 2020 soll der Mann einen DVD-Player mit Zubehör im Gesamtwert von rund 60 Euro aus einem Geschäft in Coesfeld entwendet haben. Per Videoüberwachung wurde er identifiziert. Der Hausdetektiv kannte den Angeklagten, besuchte ihn zu Hause in der Obdachlosenunterkunft und konnte das Diebesgut sicherstellen. Trotz laufenden Hausverbots ging der Angeklagte ein paar Tage später wieder in das Geschäft und entwendete den DVD-Player erneut. Dabei wurde er im Ladenlokal gestellt. Freiwillig wies der Angeklagte darauf hin, dass er in der Hosentasche ein Cuttermesser mitführe. Das wurde ihm als nicht erlaubtes Mitführen eines gefährlichen Gegenstandes zusätzlich zur Last gelegt.

Wenige Tage davor hat er seine Eltern in Rosendahl besucht. Dabei kam es zum Streit, da sie alle Unterlagen und seinen Restbesitz bereits entsorgt hatten. Daraufhin rastete er aus, wie der Angeklagte vor Gericht auch zugab, und warf mit einem Stein einige Scheiben an seinem Elternhaus ein. Sein Vater verzichtete im Zeugenstand auf eine Entschädigung, wünschte keine Strafe für seinen Sohn, ohne den Vorgang zu schildern, um seinen Sohn nicht zusätzlich zu belasten. „Ich möchte, dass du dich von uns fern hältst“, wandte sich der Vater am Ende an seinen Sohn trotz dessen Entschuldigung.

Anfang 2021 wurde ein Damenrad bei dem Angeklagten sichergestellt, dass er im September 2020 für 50 Euro von einem Bekannten gekauft haben will. Das Damenrad wurde am Bahnhof in Coesfeld von der Tochter der Besitzerin mehrfach gesichert abgestellt und entwendet. Davon wusste der Angeklagte nichts, weshalb der Diebstahl in den Vorwurf der Hehlerei verwandelt wurde.

Und dann gab es noch die Anzeige wegen gefährlicher Körperverletzung und Beleidigung gegen einen Mitbewohner, der als Geschädigter gar nicht erst dem Zeugenaufruf gefolgt war. Diese Anklage wurde fallengelassen.

Unter Einbeziehung einer Reststrafe aus einem früheren Verfahren, der einschlägigen Vorstrafen und der wenig günstigen Sozialprognose kam der Richter zu dem Schluss, die Haftstrafe von insgesamt 17 Monaten ohne Bewährung anzusetzen. „Sie leben seit vier Jahren in der Obdachlosenunterkunft. Vielleicht ist die Haft auch eine Chance für sie“, gab er dem entsetzten Angeklagten mit auf den Weg.

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