IBP hat Immobilie an der Kuchenstraße 3 angemietet und renoviert sie nach und nach
Mit bezahlbarem Wohnraum helfen

Coesfeld. Neues Leben eingehaucht wird jetzt nach und nach dem Wohnhaus an der Kuchenstraße 3 – vom Verein Interkulturelle Begegnungsprojekte (IBP). Das Ziel: bezahlbaren Wohnraum für das eigene Klientel, aber auch für andere bedürftige Menschen schaffen und durch eine individuelle Betreuung eine künftige Selbstständigkeit ermöglichen. „Wir sehen uns immer wieder damit konfrontiert, dass diese Personen in Wohnverhältnissen stecken, die auch gesunde Menschen krank machen“, sagt IBP-Geschäftsführer Martin Althoff. „Wenn sich unser Klientel, zum Beispiel chronisch Suchtkranke, psychisch Erkrankte oder Wohnungslose, auf eine Wohnung beworben haben, war das Buch oft schnell zu. Die Vermieter hatten Sorge, dass ihre Immobilie verfällt. Uns war klar, dass wir auch da helfen mussten.“

Mittwoch, 07.04.2021, 05:48 Uhr
Noch einmal Fenster putzen und dann könnte fast schon der nächste Mieter einziehen. Hell und freundlich sind die neuen Räume geworden. Foto: az

Seit 2007 kauft oder mietet der IBP daher Immobilien in Coesfeld, Billerbeck und Darup, um sie dann an Bedürftige zu bezahlbaren Preisen weiterzuvermieten. Die neuste Immobilie an der Kuchenstraße 3 ist angemietet. Neun Wohnungen gibt es dort, sechs sind schon vom IBP renoviert und vermietet worden. „Wir betreuen nicht nur die Immobilie selbst, sondern auch die Menschen, die bei uns leben. Durch dieses Konzept haben wir schon viele Immobilienangebote erhalten“, freut sich Martin Althoff, dass das Vorhaben Früchte trägt.

Die zwölf Mitarbeiter des Ambulant Betreuten Wohnens bieten Beratungsleistungen an, erarbeiten gemeinsam mit den Bewohnern den Umgang mit ihrer Diagnose, besprechen Medikamente, unterstützen bei der beruflichen Orientierung und geben auch ganz praktische Tipps für den Haushalt. „Unser Ziel ist es, dass die Menschen nach einer gewissen Zeit auch ohne Soziale Arbeit auskommen und ein selbstständiges Leben mit eigenständigem Einkommen führen können“, so Althoff weiter. Dass das Konzept funktioniere, zeige sich auch in der geringen Fluktuation der Mieter.

Ihre Arbeit müssen die Mitarbeiter immer wieder anpassen. „Vor 30 Jahren konnte man noch relativ klar unterscheiden: entweder Kiffen und Heroin oder Alkohol. Heute konsumieren die Menschen alles, hauptsache, es gibt einen Rausch. Auch die psychischen Erkrankungen haben in den letzten zehn Jahren deutlich zugenommen, teils auch mehrere Diagnosen gleichzeitig.“ Zudem komme der Kontakt mit Suchtmitteln heute schon viel früher zustande als noch vor einigen Jahren, berichtet Althoff. Der Grund? „Wir leben in einer Risikogesellschaft. Alles steht schnell zur Verfügung, wir können aber auch schnell scheitern.“

Den Menschen als Ganzes sehen, das ist dem IBP wichtig. „Menschen, die ein schweres Trauma erlitten haben, haben auch eine eingeschränkte Lernkompetenz. Wir wollen einen Beitrag leisten, dass die am Rande lebenden Menschen eine andere Lobby bekommen.“ Dafür sorgen sie auch selbst. „Manche Klienten sind mittlerweile bei uns angestellt und Kollegen.“

Mit dieser Manpower ist es auch möglich, dass der Verein die Immobilie an der Kuchenstraße 3 selbstständig renoviert. Die Wohnungen sind hell und freundlich geworden, Einbauküchen gibt es ebenfalls. „Es muss hier noch viel gemacht werden, wir sind noch lange nicht fertig“, erklärt Althoff und betont zugleich, dass sich die Mieter sicher fühlen können. „Auch wenn sie bei uns Selbstständigkeit und Abstinenz erlangt haben, muss niemand wieder ausziehen“, weist er auf das langfristige Mietverhältnis hin. „Wir lassen niemanden alleine.“

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