Die Havarie im Suezkanal wirkt sich auch auf Coesfelder Unternehmen aus
Das ungewisse Warten auf Ware

Coesfeld. Ausgerechnet auf der „Ever Given“ befinden sich drei Aufträge des Textilunternehmens Ernsting’s family mit Sitz in Lette. Das teilte Unternehmenssprecher Marcello Concilio auf AZ-Nachfrage mit. „Wie sich die weitere Lage darstellen wird, können wir noch nicht abschätzen“, ergänzt er. Ende März hatte sich das 400 Meter lange Containerschiff im Suezkanal zwischen Asien und Europa verkeilt und blockierte sechs Tage lang die Seestraße. Mehrere Hundert Schiffe stauten sich daraufhin an (siehe Infobox). Der Stau ist zwar mittlerweile wieder aufgelöst, doch die Folgen der Havarie wiegen schwer.

Freitag, 09.04.2021, 16:20 Uhr
Das Containerschiff „Ever Given“ blockierte sechs Tage lang den Suezkanal zwischen dem Mittelmeer und dem Roten Meer. Über 400 Frachter stauten sich dabei an – unter anderem beladen mit Lieferungen, die Unternehmen in Coesfeld erwarten. Foto: dpa

„Zum Zeitpunkt des Unglücks waren neben den drei Aufträgen auf der ,Ever Given’ 260 weitere Aufträge betroffen, die auf den dahinter wartenden Schiffen unterwegs waren“, informiert Concilio weiter. Konkret betroffen sei Ware, die Anfang Mai in die einzelnen Filialen von Ernsting’s family geliefert werden soll. „Wir müssen auf jeden Fall alles mit einem verkürzten Durchlauf in der Logistik steuern“, blickt Concilio dem Eintreffen der Ware entgegen. Wann das sein wird, könne er bislang nicht abschätzen. Das sei allerdings alles hinfällig, „wenn wir weiterhin weitestgehend im Lockdown sind“ oder Filialen nur vereinzelt geöffnet seien. Eine weitere Folge könnte sein, so der Unternehmenssprecher, dass einige Waren im Online-Shop nicht vollständig verfügbar seien oder der Verkauf dieser verschoben werden müsse.

Da Thies Textilmaschinen mit Sitz in Coesfeld die Einkaufsteile mehrheitlich aus Europa bezieht, ist das Unternehmen von der Situation im Nahen Osten nicht direkt betroffen, aber: „Einige der Schiffe, die auf Weiterfahrt nach Europa gewartet haben, haben wir für den Export unserer Waren gebucht. Durch die Blockade verzögern sich die gebuchten Abfahrten“, informiert Geschäftsführerin Verena Thies auf Nachfrage. Und das hat Folgen: Vereinbarte Liefertermine können nicht eingehalten werden, fertiggestellte Maschinen müssen zwischengelagert werden, kurzfristige Buchungen von Seefrachten sind kaum noch möglich und die Seefrachtkosten steigen stark an und liegen somit höher als kalkuliert.

Thies ergänzt, dass die Seefrachtsituation bereits vor der Blockade im Suezkanal durch eine immer weiter fortschreitende Verknappung an Containern und Schiffen angespannt gewesen sei. „Die Blockade führt zu weiteren Engpässen beim Umschlag und Hinterlandtransport. Daher werden die Auswirkungen sicherlich noch einige Wochen zu spüren sein“, so ihre Einschätzung.

Dass etwaige Liefertermine nicht eingehalten werden könnten, vermutet auch Michael Ecker, Leiter der Materialwirtschaft bei den Hupfer Metallwerken. Zwar sei das Unternehmen direkt nicht betroffen, „der Stau könnte aber für Probleme bei Vorlieferanten sorgen“, so Ecker. Dadurch könnten sich Produktionsabläufe vor Ort verzögern. Generell, betont Ecker, seien die Lieferketten ohnehin aufgrund von Rohstoffmangel nicht sicher. „Das war allerdings schon vor der Havarie so und lässt sich nicht auf das Unglück auf dem Suezkanal zurückführen“, stellt er fest.

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