Evangelische Gemeinde wird 2022 die Westfassade der Kirche sanieren
Wind und Wetter setzen Sandstein zu

Coesfeld. Der Stein des Anstoßes fiel schon vor acht Jahren. Damals löste sich ein Brocken Sandstein aus der Westfassade der Evangelischen Kirche und zwang die Gemeinde dazu, ihre Pläne für die Innenraumgestaltung des Gotteshauses zurückzustellen und stattdessen dem Erhalt der Gebäudesubstanz Vorrang zu geben. „2014/15 haben wir dann den Dachstuhl gesichert und das Dach neu gedeckt, und nun wollen und müssen wir die Portalfassade in Angriff nehmen“, sagt Pfarrerin Birgit Henke-Ostermann gestern beim Ortstermin mit Architekt Marcus Ulmann aus Bochum und den Presbytern Sabine Kucharz und Klaus-Peter Kreutzfeld.

Freitag, 16.04.2021, 06:02 Uhr
    Nach der Bestandsaufnahme der Schäden an der Westfassade der Evan-     gelischen Kirche wurde gestern das Sicherheitsnetz wieder zugezogen. Foto: az

In einem ersten Schritt nahmen Steinmetze der Firma Fark aus Havixbeck jetzt die Schäden an der Fassade genauer in Augenschein. Dabei wurde deutlich, dass vor allem die Sandsteinelemente schwer beschädigt sind. „Das Problem ist, dass der Baumberger Sandstein beim Wiederaufbau des im Krieg vollständig zerstörten Portals in den 1950er Jahren nicht immer fachgerecht eingebaut wurde, sodass Feuchtigkeit in den Stein eindringen konnte“, so Ulmann. Und weiter: „Das kann man aber niemandem zum Vorwurf machen. Das lag zum Teil sicher auch am Materialmangel jener Zeit.“ Auch in späteren Jahren seien aus heutiger Sicht nicht immer geeignete Maßnahmen zum Schutz der Fassade ergriffen worden. So zeigt Ulmann, wie Taubenabwehr mit dem Sandstein verdübelt war, was dem Eintritt von Wasser in den Stein Vorschub leistete. „In ganz schlechtem Zustand ist auch das Wappen, das quasi nur noch aus Steinersatzmasse besteht“, meint der Architekt, der aber auch vergleichsweise gute Nachrichten hat: „Das Ziegelmauerwerk ist in besserem Zustand als gedacht. Auch die Verfugung ist in relativ gutem Zustand.“ Anders hingegen die Verglasung der Fenster, die deutliche Schäden aufweist und ebenfalls überarbeitet werden muss.

Die Bestandaufnahme bildet nun die Grundlage für die konkrete Kostenplanung. Erste Kostenschätzungen gingen bisher von 500 000 Euro aus. „Diesen Betrag werden wir aber wohl überschreiten“, stellt Ulmann in Aussicht. Bei der Finanzierung der Maßnahme hofft die Gemeinde auf Fördermittel beispielsweise der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, den Löwenanteil der Kosten muss sie aber aus eigener Kraft aufbringen. Anders als bei der benachbarten St.-Lamberti-Kirche deren Modernisierung das Bistum Münster mitfinanziert, gibt es bei der Evangelischen Kirche keine Zuschüsse der Landeskirche. „Unsere Eigenmittel reichen für diesen Bauabschnitt“, sagt Finanzkirchmeisterin Sabine Kucharz, die mit Blick auf weitere kostspielige Sanierungsmaßnahmen etwa des Kirchturms alle Gemeindemitglieder und die ganze Stadtgesellschaft um Unterstützung in Form von Spenden bittet, „schließlich geht es um ein Denkmal, das eng mit der Stadtgeschichte verbunden ist.“

Vorbehaltlich weiterer Abstimmungen mit den Denkmalbehörden und der Landeskirche sollen die Sanierungsarbeiten im Herbst ausgeschrieben werden mit dem Ziel, im Frühjahr 2022 mit den Arbeiten zu beginnen.

Bankverbindung der Evangelischen Gemeinde Coesfeld: VR-Bank Westmünsterland, IBAN: DE 32 4286 1387 0623 1256 00

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