Darup
„Wir haben schon viel erreicht“

DARUP. Fast ein Jahr ist es her, dass die ersten Bewohner in die Flüchtlingsunterkunft an der Westerhiege gezogen sind. Einige sind seitdem geblieben, andere sind wieder gegangen. Alle haben sie gemeinsam, dass sie von einer kleinen Gruppe Ehrenamtlicher begrüßt wurden, die mit Herzblut versuchen, ihnen ein Zuhause zu bereiten. „Wir haben schon viel erreicht“, freut sich Christiane Gottschalk. „Aber auch noch jede Menge vor. Dafür suchen wir noch helfende Hände.“

Samstag, 11.05.2019, 10:00 Uhr
Engagieren sich ehrenamtlich für die Flüchtlinge in Darup: (v.l.) Marion Tibroni, Gisela Weißleder, Christiane Gottschalk (v.), Gisela Wieskus und Max Schulze Darup. Sie suchen noch Unterstützer, die sich ebenfalls engagieren wollen. Foto: Jessica Demmer

Irak, Iran, Syrien, Nigeria, Georgien, Ukraine, Türkei, Afghanistan, Guinea, Pakistan: Momentan leben rund 30 Personen aus zehn verschiedenen Nationen in den Holzhäusern. Die jüngste ist neun Monate, der älteste 56 Jahre alt. „Die, die noch nicht anerkannt sind, haben kein Recht auf einen Integrationskurs. Damit sie sich irgendwie in dem neuen Land zurechtfinden können, haben wir einen Deutschkurs organisiert“, so Gottschalk. „Zwei von der Gemeinde finanzierte Kurse haben bereits im vergangenen Jahr stattgefunden, aktuell besuchen sechs der ersten Bewohner einen Integrationskurs in Coesfeld.“ Jetzt gehe es darum, auch den Bewohnern, die in einer zweiten Welle nach Darup gekommen sind, Deutschkurse zu ermöglichen. „Die Gemeinde hat auch hier wieder geholfen, zusammen mit der VHS einen solchen Kurs im Gemeinschaftsraum anzubieten.“ Zudem kommen regelmäßig eine Sozialarbeiterin der Gemeinde und eine Mitarbeiterin der Caritas. „Montags von 14.30 bis 16.30 Uhr bieten wir eine Kreativgruppe, dienstags von 16 bis 18 Uhr einen Spielekreis, in dem wir uns auch austauschen können“, erklärt Gottschalk.

Der Einsatz geht aber auch hin und wieder über die reine Präsenzzeit hinaus, wie Marion Tibroni berichtet. „Einer Familie habe ich dabei geholfen, einen Kindergartenplatz zu finden, habe einen Arzt für die schwangere Frau organisiert und einen Anwalt gefunden wegen der drohenden Abschiebung.“ Auch ihren Enkel habe sie schon mitgenommen, damit die jüngeren Bewohner spielerisch Deutsch lernen können. Die Verständigung untereinander erfolgt auf Englisch. Oder ein Bewohner dolmetscht für andere. „Wir arbeiten sogar mit Übersetzungs-Apps.“ Irgendwie klappt es immer.

Erfinderisch müsse man schon sein, ebenso offen, gut zuhören können und sich einlassen, so Christiane Gottschalk über die Arbeit der Ehrenamtlichen. Denn diese sei nicht immer einfach, hinter jedem Gesicht stehe ein Schicksal. „Jederzeit können die Bewohner von den Behörden abgeholt und abgeschoben werden.“ Trotzdem mache die Arbeit Spaß. „Es ist so bereichernd. Wir haben den Ehrgeiz alle Bewohner aus ihren Schneckenhäusern zu holen und hier zu integrieren.“ Das Schöne: „Die ersten Bewohner, die vor knapp einem Jahr zu uns gekommen sind, kümmern sich um diejenigen, die später gekommen sind.“ Auch die Daruper hätten durch zahlreiche Sachspenden, zum Beispiel von Gardinen und Fahrrädern dafür gesorgt, dass es etwas heimeliger werden konnte.

Die erste Erfolgsmeldung gibt es jetzt, wie Christiane Gottschalk erzählt. „Die erste Familie zieht nun in eine eigene Wohnung.“ Dabei handelt es sich um einen Chemiker aus der Türkei. Seine Frau ist Mathelehrerin. Die beiden Kinder gehen hier zur Schule.

Die kulturellen Unterschiede führten manchmal zu mehr oder weniger unterhaltsamen Situationen, wie Max Schulze Darup erzählt. „Als ich neulich abtrocknen wollte, haben mich die Frauen zur Seite geschoben und mir das Tuch aus der Hand genommen. Dabei wollte ich ihnen doch Arbeit abnehmen“, sagt er mit einem Schmunzeln. „Wir haben dann gemeinsam weitergemacht.“ 7 Wer helfen möchte, kann montags (14.30 bis 16.30 Uhr) oder dienstags (16 bis 18 Uhr) zur Flüchtlingsunterkunft kommen. Eigene Ideen, die den Alltag der Bewohner bereichern können, sind gerne gesehen. Auch wird jemand gesucht, der sich montags und dienstags von 12 bis 14.15 Uhr während des Deutschkurses mit den Kindern beschäftigt.

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