Gescher
Rentner tanzen auf den Tischen

Gescher. Alt – aber kein bisschen leise. Das trifft wohl am besten auf die Damengruppe zu, die als Rentner getarnt den Saal Grimmelt stürmt. Aber anstatt Krückstöcke halten sie Biergläser in den Händen – und anstatt auf einem Rollator Platz zu nehmen, springen sie noch vor Start des Programms auf die Bühne und legen einen flotten Tanz aufs Parkett. DJ Thorsten heizt ordentlich ein und bringt die Altweiber in perfekte Karnevals-Stimmung. Auch nach der kleinen Zwischeneinlage auf der Bühne hält es die wirklich rüstigen Rentner aus der Nachbarschaft Kersenkamp nicht auf den Stühlen – Platz gemacht und ab auf die Stühle und Tische!

Freitag, 01.03.2019, 16:00 Uhr aktualisiert: 01.03.2019, 16:02 Uhr
Mit von der Partie beim Altweiber-Karneval sind die Kolleginnen von d.velop. Gemeinsam mit 250 Jeckinnen feiern sie ausgelassen im Saal Grimmelt. Nach dem kurzweiligen Bühnen-Programm mit Tanz, Musik und Lokalkolorit schließt sich eine Party an, bei der die Stimmung nicht besser sein kann. Fotos: Leon Seyock Foto: az

Der Saal Grimmelt platzt am Donnerstagabend aus allen Nähten. Aliens, Erdbeeren, Polizistinnen oder Clowns: Sie alle finden sich dort ein, um das Zepter in die Hand zu nehmen und um den Männern aus Gescher zu zeigen, wie sie feiern können. Und das können sie! „Mensch, seht ihr gut aus!“, ruft Chrisma Erwig vom Organisations-Team den 250 feierwütigen Damen im Saal zu. „Heute dürfen wir richtig die Sau rauslassen!“ Lautes Gejubel und wilder Applaus schallen Erwig entgegen.

Als besonderen Gast begrüßen die Damen den Travestie-Star Amanda Jones. Selbst in Gescher wohnend, weiß sie die Jeckinnen mitzureißen. Mit ihrer offenen Art und humorvollen Witzen kommt sie bestens an. Mit einer Mischung aus Gesang und Comedy sorgt sie für kurzweiliges Programm „in der Luxusbrausenbude Nummer Eins“, wie Amanda Jones Saal Grimmelt nennt. Sie lässt ihren Blick durch das feiernde Publikum schweifen – und geht fest entschlossen auf eine Dame mit vollem Bierglas in der Hand zu. „Ich darf ja mal kurz nippen“, erlaubt sie sich, und in Nullkommanichts ist das Glas leer.

Was Amanda Jones kann, das kann ich auch – denkt sich wohl Manni Blesenkemper. Das Urgestein des Gescheraner Karnevals darf auf keinen Fall fehlen. „Einen Schluck Bier“ will er nehmen, da ist das nächste Glas leer. „Ich habe gemotzt und geflucht, trotzdem hat Hildegard ein Jahres-Abo gebucht“, berichtet Blesenkemper anschließend mit weinerlicher Stimme auf der Bühne. Die Damen können sich kaum halten, als er in seiner bekannten, schwerfälligen Art den Altweibern von einem Jahr voller Theaterbesuchen berichtet. Eine Inszenierung aus Romeo und Julia – denn Theater bildet, und so ist er schließlich selbst einer Theater-Gruppe beigetreten – ist der Höhepunkt seines Auftritts. „Und weil ich ausseh’ wie jung verlobt, haben wir direkt die Balkon-Szene geprobt.“ Erst als Romeo, dann als Julia verkleidet, sorgt er für tosenden Applaus und lautes Gelächter. Die Frauen lassen ihren Lokalhelden hochleben, der ohne Zugabe nicht von der Bühne kommt.

Musikalisch gestaltet wird der Abend von den „Perlen der Natur“. Gerade aus der Karibik angereist, trommeln sie den „Fluch der Karibik“ auf großen Gymnastikbällen. Buntes Licht und lauter Bass lassen die Stimmung kochen. Auch die „Traumtänzer“ müssen sich auf eine Zugabe gefasst machen, nachdem sie tänzerisch für den Bund ausgemustert wurden. Sie stülpen sich für ihre Zugabe bunte T-Shirts über und tanzen zu „I’ve been looking for freedom“. Die Karnevalistinnen stimmen mit an, und der ganze Saal singt lauthals den Klassiker von David Hasselhoff. Martin Pollmann, der Polizist „aus dem Baustellen-Land Coesfeld“ ebenso wie die Jugendtanzgarde bieten weitere Höhepunkte des Altweiber-Karnevals. Den Abschluss bildet der Prinz mit seinem Gefolge. Mit einem Büttmarsch treten sie ein – allen voran Prinz Andy II. Schücking. Er ist kein Mann der großen Worte – sondern mischt sich direkt unter die Damen, steigt auf die Tische und tanzt und feiert gemeinsam mit den Närrinnen. Sie sind nicht scheu, ebenfalls auf die Tische zu steigen, ihren Prinzen in den Arm zu schließen und ausgelassen die kunterbunten Stunden der anschließenden Party zu genießen.

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