Gescheraner gedenken der deportierten jüdischen Familien
„Wehret den Anfängen!“ gilt weiter

Gescher. Auch in diesem Jahr trafen sich am 10. Dezember wieder interessierte Bürgerinnen und Bürger, um der an diesem Tag vor nunmehr 78 Jahren nach Riga deportierten zwanzig jüdischen Gescheraner/-innen zu gedenken.

Freitag, 13.12.2019, 19:16 Uhr
78 Jahre nach der Deportation der jüdischen Familien aus Gescher lud der Arbeitskreis Riga zum Gedenken ein. Vor dem alten Rathaus wurden weiße Rosen niedergelegt und Kerzen entzündet. Foto: Kortbus

Zur Spurensuche fand man sich diesmal mit freundlicher Genehmigung von Pastor Hendrik Wenning im hinteren Teil der Pfarrkirche St. Pankratius ein. Dort sind an dem schmiedeeisernen Tor zur Seitenkapelle, aber auch an zwei Kreuzwegstationen charakteristische Darstellungen aus dem frühen 20. Jahrhundert zu finden, die dokumentieren, wie zu dieser Zeit Juden in Szenen des Alten und Neuen Testaments künstlerisch interpretiert und zum Teil bewusst überzeichnet dargestellt wurden. Franz-Josef Menker vom Arbeitskreis Riga erläuterte nicht nur diese Spuren, sondern gab in seinem anschließenden detaillierten Vortrag auch Einblicke in das jüdische Leben in Westfalen ab dem Mittelalter bis zu den schrecklichen Geschehnissen in den Jahren 1933 bis 1945.

Im Anschluss daran begaben sich die Teilnehmer der Gedenkfeier zum Vorplatz des ehemaligen Rathauses, an dem sich die vier jüdischen Familien aus Gescher am Morgen des 10. Dezember 1941 vor dem Abtransport nach Riga in Lettland einzufinden hatten. Nach einem einfühlsamen Wortbeitrag von Cordula Ostermann vom AK Riga wurde für die Familien Marx, Stein, Falkenstein und Marx eine Kerze entzündet und für jedes Familienmitglied eine weiße Rose niedergelegt.

Im Rahmen seiner Schlussworte verwies Hubert Effkemann als Sprecher des AK Riga vorausschauend darauf hin, dass der Arbeitskreis plane, im Jahre 2021 eine angemessen gestaltete Gedenkplatte an dem damaligen Versammlungsort zu verlegen. Er bedankte sich bei den Mitwirkenden und allen Teilnehmern für ihr Kommen, verbunden mit der Bitte, auch im Alltag antisemitischen Äußerungen und Handlungen mutig und engagiert entgegen zu treten. Dies im Sinne von „Wehret den Anfängen!“

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