Corona-Patient Markus Lammerding ist in Quarantäne und äußert sich zur ungewohnten Situation
„Sich unterstützen, wo es nur geht“

Gescher. Markus Lammerding, ITM-Geschäftsführer und Vorsitzender des SV Gescher, hat sich im Skiurlaub in Österreich mit dem Coronavirus infiziert und muss bis Anfang April in häuslicher Quarantäne bleiben. Im Interview mit unserem Redaktionsmitglied Jürgen Schroer äußert sich der 43-jährige Gescheraner, wie es ihm mit der Erkrankung und den ungewohnten Lebensumständen ergeht.

Mittwoch, 25.03.2020, 14:26 Uhr
Nach positivem Corona-Test muss Markus Lammerding zwei Wochen in häuslicher Quarantäne bleiben. Es geht ihm aber wieder so gut, dass er die Geschäfte seiner Firma ITM aus dem Homeoffice leiten kann. Foto: az

Sie haben sich im Skiurlaub mit dem Coronavirus infiziert. Wie geht es Ihnen jetzt?

Lammerding: Schon wieder besser. Das Fieber ist weg. Mir fehlt es jetzt noch an Kondition und der Geruchssinn ist – Stand heute – komplett weg.

Wie haben sich die Dinge in Ischgl entwickelt? War das Corona-Risiko dort kein Thema?

Lammerding: Wir waren vom 7. bis 12. März in Ischgl. Anfangs war Corona dort gar kein Thema, erst Montagabend kam das Thema richtig auf, als unser Hotelwirt mit der Polizei und dem Gesundheitsamt in Quarantäne gesteckt wurde. Mittwoch wurden dann die Après-Ski-Bars geschlossen und die Ereignisse überschlugen sich. Ab diesem Zeitpunkt schwante mir schon nichts Gutes.

Wann hatten Sie die ersten Symptome?

Lammerding: Wir sind Donnerstagabend zurückgekommen und Samstagnachmittag hatte ich die ersten Symptome. Leichte Kopfschmerzen, etwas Fieber, trockener Husten. Sonntag lag ich dann mit 38 Grad Fieber und Schüttelfrost den ganzen Tag auf der Couch. Montagabend habe ich das positive Testergebnis bekommen.

Wie ist es nach der Rückkehr nach Gescher weitergegangen?

Lammerding: Nach der Ankunft in Gescher bin ich direkt ins Domhotel gegangen zur freiwilligen Quarantäne. Ich wollte auf Nummer sicher gehen. Ein vom Hausarzt besorgter Corona-Test am Freitag ist zunächst negativ gewesen. Ich war natürlich erleichtert und bin daraufhin abends zur Familie nach Hause. Samstagmittag fingen die ersten Symptome an. Sonntags war ich richtig krank, der zweite Corona-Test am Montag ist dann positiv ausgefallen.

Wie lange müssen Sie noch in Quarantäne bleiben? Wird das kontrolliert?

Lammerding: Bis zum 2. April. Unser Ordnungsamt ruft öfters mal bei uns auf dem Handy an und fragt, ob alles okay ist oder ob wir Hilfe benötigen. Da man sich persönlich kennt, gehe ich mal davon aus, dass man seitens der Stadt Vertrauen in unser Verhalten hat.

Hat der Arzt Ihnen Medikamente verschrieben?

Lammerding: Nein, normale Kopfschmerztabletten haben ausgereicht.

Wie sieht der Alltag aus, wenn man zwangsweise zu Hause bleiben muss? Können Sie zum Beispiel Ihre Firma von dort leiten?

Lammerding: Ich habe das große Glück als Dienstleister, hier technisch komplett gleich wie im Büro arbeiten zu können. Die Kommunikation beschränkt sich halt leider auf Telefon und Video-Chat. Ansonsten versuchen wir, den ganz normalen Alltag zu leben: 6.30 Uhr aufstehen, duschen, Kaffee, Zeitunglesen, Büro, Hausarbeiten für die Kinder, Abendessen…

Wie gelingt das enge Zusammenleben in der Familie? Haben Sie Tipps für andere?

Lammerding: Die ersten drei Tagen waren besonders für die Kinder eine Katastrophe. Danach hat sich so langsam der Alltag eingespielt und vor allen unsere drei Kinder spielen sehr gut mit deutlich weniger Streit zusammen als gewöhnlich. Tipps kann man da kaum geben, da die Situation und die Möglichkeiten der Zeitgestaltung für jeden in Quarantäne anders sind, denke ich. Meinen Geburtstag habe ich zum Beispiel ab 20 Uhr mit einem Vierer-Videochat begangen. Ich habe immer wieder neue Freunde und Bekannte in die Runde reingeholt. Das war für zwei Stunden sehr lustig, da man hier unterschiedlichste Menschen online zusammengebracht hat.

Wie fühlt sich Quarantäne an? Hat das Nicht-raus-Können auch positive Seiten?

Lammerding: Ganz ehrlich: Sch... Ich kann dem nichts Positives abgewinnen. Mir fehlen die sozialen Kontakte, mir fehlt der Fußball, mir fehlt das Treffen mit Freunden und vor allem fehlen mir die 40 Mitarbeiter, mit denen man ansonsten täglich zusammen ist. Vielleicht ist die Erkenntnis positiv, dass uns unheimlich viele Bekannte, Freunde, Nachbarn und die Familie unterstützen. Uns fehlt es an nichts und jeder fragt, ob er etwas für uns besorgen kann. In so einer Situation bin ich sehr dankbar, in einer schönen Kleinstadt wie Gescher zu wohnen. Hier ist man nicht anonym, hier hilft jeder jedem.

Was raten Sie den Gescheranern in dieser Krisenzeit?

Lammerding: Wir sind noch ganz am Anfang dieser schweren Krise. Viele glauben, dass sich das spätestens nach Ostern wieder beruhigt hat und wir den normalen Alltag wieder aufnehmen. Dem wird nicht so sein. Ich glaube nicht, dass unser „normales“ Leben, so wie wir es gekannt haben, in 2020 wieder anfährt. Damit wir das über einen so langen Zeitraum durchhalten, müssen wir zusammenhalten und uns gegenseitig unterstützen, wo es nur geht.

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