Notbetreuung in Kitas wird jetzt mehr genutzt – Normalbetrieb noch nicht in Sicht
„Wir planen von Woche zu Woche“

Gescher. An eine langfristige Planung sei für die Kindertagesstätten aktuell nicht zu denken. „Wir planen von Woche“, teilt Ingrid Schnieder, Verbundleiterin der vier Kitas der katholischen Kirchegemeinde, mit. Niemand wisse aktuell, wann die Kitas nach der Schließung wegen der Corona-Pandemie den regulären Betrieb wieder aufnehmen können.

Montag, 04.05.2020, 06:22 Uhr
Vor Beginn der Corona-Pandemie und den damit verbundenen Einschränkungen war die Welt für die Kleinen und Erzieherinnen in der Kita St. Marien noch völlig unbeschwert. Aktuell gibt es dort wie auch in allen übrigen Kindertageseinrichtungen nur eine Notbetreuung. Kitaleiterin Lisa Reers und ihr Team wünschen sich, bald wieder mit allen Kindern einen gewohnten Kita-Alltag zu erleben. Foto: Archiv

Die Jugend- und Familienministerkonferenz der Länder und das Bundesfamilienministerium würden einen „behutsamen Wiedereinstieg“ in die Kindertagesbetreuung in vier Phasen empfehlen. Dies sei in den kommenden Wochen und Monaten aus bildungs- und entwicklungspsychologischen Gründen notwendig, heißt es in einer Erklärung. Ein konkretes Zieldatum für die Wiederaufnahme des Kita-Betriebs nannten sie aber nicht.

Normalerweise besuchen insgesamt knapp 300 Kinder die vier Kitas St. Pankratius, St. Marien, St. Ludgerus und Maria Goretti. Anfang April haben in allen vier Einrichtungen fünf Kinder die Notbetreuung in Anspruch genommen. „Inzwischen sind es sieben bis zwölf Kinder in jeder der vier Einrichtungen“, sagt Ingrid Schnieder. Weil die Liste der systemrelvanten Berufe erweitert worden sei, hätten nun auch mehr Eltern als zu Beginn der Kita-Schließung Anspruch auf eine Notbetreuung für ihre Kinder. Außerdem hätten nun auch Alleinerziehende eine solche Berechtigung. Eltern, die von der Jugendhilfe unterstützt würden, könnten die Notbetreuung für ihre Kinder ebenfalls nutzen. „Wir bekommen einen entsprechenden Hinweis, dass dort ein Bedarf besteht“, erläutert Ingrid Schnieder.

„In der Notbetreuung werden sogenannte Betreuungs-Settings gebildet“, erläutert Ingrid Schnieder. Bis zu zehn Kinder würden in einer festen Gruppe betreut. „Wir versuchen, den Kindern auf spielerische Weise die Abstandsregeln zu erklären“, sagt die Verbundleiterin. Aber natürlich sei es in Kitas schwierig, Abstand zu halten. „Die Kinder müssen gewickelt und getröstet werden“, sagt Ingrid Schneider. „Und das geht nun einmal nicht ohne Nähe.“ Spaziergänge außerhalb des Geländes seien nicht möglich. Auch das schränke das Kita-Leben ein.

Verbundleiterin Ingrid Schnieder und die Teams der Kitas sowie auch alle anderen Kindertagesstätten in Gescher halten ständig Kontakt zu den Eltern, die sich mit ihren Sorgen, Nöten und auch Anregungen an sie wenden können.

Ingrid Schnieder: „Wir hören von den Eltern oft, dass ihre Kinder die Spielkameraden und Bezugspersonen im Kindergarten vermissen.“ Immerhin sind schon fast sieben Wochen verstrichen, in denen sich die Kinder einander in den Gruppen nicht gesehen haben. Das sei für die Kinder eine lange Zeit. Die Eltern, die immer noch sehr viel Verständnis für die Situation aufbringen würden, würden sich für ihre Kinder diese Kontakte wünschen.

Auch für diejenigen Kinder, die in diesem Jahr eingeschult werden, sei die Situation in diesem Jahr grundlegend anders. Normalerweise würden diese Kinder die Grundschule an einem Tag besuchen, um auf den künftigen Schulbesuch ein wenig vorbereitet zu sein.

In dieser Hinsicht müssten die Eltern jetzt sehr viel mehr Aufgaben übernehmen. Sie könnten zum Beispiel mit ihrem Kind einen Spaziergang zum Schulgebäude unternehmen, schlägt Ingrid Schnieder vor. Am 31. Juli ist das Kindergartenjahr vorüber. Bis zu diesem Zeitpunkt gibt es auch Abschiedsfeiern vom Kindergarten, die den Kindern ermöglichen, diesen Lebensabschnitt in behutsamer Weise abzuschließen.

Ingrid Schnieder hat wie alle anderen, die im Kita-Bereich Verantwortung tragen, noch keine Vorstellung davon, ob das alles in diesem Jahr möglich sein wird oder unter welchen Bedingungen es verwirklicht werden könne. Am 1. August sollen die Neulinge in den Kindertagesstätten eintreffen. „Auch das wird in diesem Jahr bestimmt eine ganz besondere Herausforderung“, ist sich Ingrid Schnieder sicher.

Das Ministerium sehe jedenfalls eine Öffnung der vier Kitas in vier Schritten vor. Die vier Phasen umfassen demnach die aktuelle Notbetreuung, eine erweitere Notbetreuung, einen eingeschränkten Regelbetrieb und die Rückkehr zum Normalbetrieb, wann immer das sein werde. Denn schließlich spiele das aktuelle Infektionsgeschehen bei allen Überlegungen eine große Rolle.

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