Vermieter von Ferienwohnungen warten vergeblich auf Gäste
Camping voll im Trend

Gescher. Noch immer sind angesichts der Corona-Pandemie Reisen nur in begrenztem Maße möglich. Daher suchen aktuell viele Menschen nach einem Quartier in heimischen Gefilden. Auf Brinkmann´s Hof werden sie fündig.

Samstag, 30.05.2020, 07:18 Uhr
Die Werbetrommel für die Glockenstadt Gescher hat das Stadtmarketing schon mehrmals erfolgreich auf der Reise + Camping-Messe in Essen (kleines Bild links) gerührt. In diesem Jahr macht Corona den meisten Vermietern einen Strich durch die Rechnung. Camping, wie es im Wochenendpark Brinkmann’s Hof (kleines Bild rechts) möglich ist, ist allerdings aktuell angesagt. Fotos: Archiv Foto: az

Der familiäre Wochenendpark am Rande der Glockenstadt Gescher biete auf seinem Campingplatz sowohl für Zelte als auch für Wohnmobile immer ein passendes Plätzchen an, wie Ludwig Brinkmann, Inhaber und Mitbegründer der Anlage, mitteilt.

Aktuell habe er zwei Drittel mehr Buchungen als sonst. Aus allen Himmelsrichtungen würden Erholungssuchende mit ihren Wohnmobilen oder ihrem Wohnwagen-Gespann durch das Tor in Harwick rollen. „Wir haben Glück, dass wir jetzt den Platz nutzen können, auf dem ursprünglich Mobilheime aufgestellt werden sollten“, sagt Brinkmann. Aber weil dieser Trend wohl vorüber sei, könne diese Fläche nun neu genutzt werden. Die meisten Wohnmobilisten hätten vor allem für die langen Wochenenden um Christi Himmelfahrt, Fronleichnam und Pfingsten gebucht.

Hier finde man Erholung vom Alltag mit einem weiträumigen Campingplatz, fantasievollen Spielplatz und gemütlicher Bauernstube. Was die Urlaubsziele für die Sommerferien betreffe, würden viele Menschen noch abwarten. Denn noch sei nicht abzusehen, ob dann vielleicht wieder viele die Möglichkeit hätten, sogar mit dem Flugzeug wieder ins Ausland zu reisen.

Trotz des aktuellen Andrangs räumt der Inhaber des Wochenendparks aber ein, dass einige ältere Menschen von einem Besuch der Anlage absehen würden. Diese hätten vereinzelt abgesagt, weil sie Angst vor einer Infektion mit dem Corona-Virus hätten.

Ludwig Brinkmann unterstreicht, dass er alle Vorkehrungen getroffen habe, um das Ansteckungsrisiko so gering wie möglich zu halten. Die sanitären Anlagen würden aktuell zwei Mal am Tag gründlich gereinigt.

Das wissen auch die rund 240 Dauercamper zu schätzen, die regelmäßig in ihren eigenen Holzhäuschen entspannen. „Ganz ohne Autolärm oder sonstige Belästigungen“, sagt Ludwig Brinkmann. Und wer unter dem Vorzelt seines Wohnwagens Kaffee trinke, sei an der frischen Luft, wo die Infektionsgefahr gering sei.

Ludwig Brinkmann, dem am Camping die Naturverbundenheit und das einfache Leben gefallen, glaubt, dass es eine Rückbesinnung auf diese Werte geben könnte. Als Leiter eines Bauhofs, Buchhalter und Stadtwerke-Chef in Personalunion sei er „Bürgermeister“ einer eigenen kleinen Gemeinde, für die er sich verantwortlich fühle. Aber er appelliert auch an jeden einzelnen Besucher, für sich selbst und die Gemeinschaft Verantwortung zu tragen. Gerade gerade jetzt in Corona-Zeiten habe das noch einmal einen zusätzlichen Stellenwert.

Als Wirtin der Bauernstube auf dem Gelände muss auch die Wirtin Manuela Meininger besondere Vorkehrungen treffen. Auch sie kümmere sich darum, den Gästen in der Gastwirtschaft einen möglichst unbeschwerten Aufenthalt zu ermöglichen.

Christian und Silvia Wessing, die in Gescher sieben Ferienwohnungen betreiben, haben (noch) nichts davon bemerkt, dass die Menschen nun in ihrer Heimat Urlaub machen möchten. Im Gegenteil. „Ursprünglich waren wir in diesem Sommer zu 80 Prozent ausgebucht. Das ist auf 20 Prozent zurückgegangen“, sagt Christian Wessing. Das Münsterland sei für die Gäste nicht (mehr) interessant. Urlaubsorte an der Nord- oder Ostsee seien offensichtlich viel beliebter, bedauert er. Zum Teil sei das aber auch durch das Infektionsgeschehen bei Westfleisch in Coesfeld bedingt gewesen.

Gescher grenze an den Kreis, der in ganz Deutschland „traurige Berühmtheit“ erlangt habe. Vor diesem Hintergrund hätten die Ängste der Gäste zugenommen, was einen Aufenthalt in der Nachbarschaft des Corona-Hotspots betreffe.

Christian Wessing hat das komplette Jahre 2020 „abgeschrieben“. Falls es doch einmal zu einer Reservierung komme sollte, müsse aktuell kein Gast mehr eine Anzahlung entrichten. Entweder würden die Gäste eintreffen oder kurz zuvor noch Befürchtungen haben, weil es aktuell einen weiteren Hotspot gebe. „Wer weiß das schon heute?“, fragt sich Wessing. Normalerweise würden auch Mitarbeiter von großen Firmen seine geräumigen Wohnungen nutzen. Doch auch dieses Geschäft sei inzwischen eingebrochen. Dabei hätten die Gäste in den Wohnungen genügend Platz. Bei einer Belegung von maximal sechs Personen habe jeder Gast 15 bis 20 Quadratmeter für sich allein.

Auch Elge Günther wartet vergebens auf Feriengäste. Bereits Ende Februar/Anfang März habe es Absagen gehagelt. Sie lege großen Wert darauf, dass ihre Ferienwohnungen stets gründlich gereinigt sind. Auch ohne Corona. „Niemand muss Angst haben“, versichert sie. Schließlich verwende sie auch Desinfektionsmittel und lüfte die Wohnungen stets gut durch. Bevor sie neu vermiete, würden die Wohnungen einige Zeit leer stehen. Elge Günther würde sich wünschen, dass alle im Münsterland zusammenhalten und ihre Region als ideales Erholungsgebiet anpreisen.

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