„Meet the Huhn“: Simon Heimann verleiht sein Federvieh an Kindergärten und andere Einrichtungen
Sogar Rambo lässt es ruhig angehen

Gescher. Birgit ist schüchtern, Elsa ist „weiß wie die Eiskönigin“, Bella ist der ruhige Typ und bei Rambo ist der Name Programm. Bei diesem Quartett handelt es sich um frisch zugezogene Bewohner im Garten von Simon Heimann am Heckenpättken. Im Hühnerhaus mit Sandbad und Auslauf fühlt sich das gackernde Federvieh wohl und darf auch schon außerhalb des Freilaufs den Garten erkunden. Der 30-jährige Gescheraner hält aber nicht einfach Hühner als Hobby, sondern hat daraus ein Geschäftsmodell entwickelt. Ab 1. Juli können Kindergärten, Schulen, Seniorenheime oder Einrichtungen für Menschen mit Behinderung das Federvieh samt Behausung „mieten“ und für eine oder mehrere Wochen in ihre Obhut nehmen. „Das hat viele positive Effekte, besonders bei Kindern“, weiß der Erzieher. Der (fast) fertige Anhänger für den Transport steht schon vor der Tür.

Dienstag, 09.06.2020, 06:23 Uhr
Vier Hennen gackern seit einigen Tagen im Garten der Familie Heimann am Heckenweg. Simon Heimann hat sie für sein Projekt „Meet the Huhn“ ausgesucht. Bald gehen die Hühner auf Reisen, können von Kindergärten und anderen Einrichtungen „gemietet“ werden. Foto: Jürgen Schroer

Irgendwie hat das Meet-the-Huhn Projekt auch mit Corona zu tun. Heimann, vielen Gescheranern als Ferienlagerleiter und Kommentator des Karnevalsumzuges bekannt, arbeitet als Erzieher im Familienzentrum St. Jakobus in Oeding und wechselt bald zum St.-Vitus-Kindergarten in Südlohn, um dort im nächsten Jahr die Einrichtungsleitung zu übernehmen. Parallel läuft seine Weiterbildung zum Betriebswirt im Erziehungswesen. Für die erforderliche Projektarbeit hatte sich der Gescheraner als Thema „Plastikersparnis im Kindergarten“ ausgesucht. Dann kam Corona, und es waren kaum noch Kinder da. „Da musste ich mir was anderes überlegen“, berichtet der junge Familienvater, der früher schon hobbymäßig Sussex-Hühner gehalten hat. Zusammen mit einem Kollegen entwickelte er das Projekt „Meet the Huhn“ und gründete eine GbR. Bei seinen Recherchen entdeckte er, dass es die Hühner-Ausleihe zu pädagogischen Zwecken andernorts schon gibt. „Und die sind alle ausgebucht“, staunt er.

Während Henne Rambo draußen die Hackordnung unter den vier Hühnern zu ihren Gunsten klärt, erläutert Heimann das pädagogische Konzept. „Kinder sollen etwas über den Umgang mit Tieren und die Herkunft von Lebensmitteln lernen“, erläutert er. Ein „Hühner-ABC“ vermittelt alles Wissenswerte rund um die Hühnerhaltung, von A wie Allergien über F wie Futter bis W wie Winter. Viele Stunden Arbeit hat Simon Heimann in das Projekt gesteckt, für das er mit ITM Energy und Mutter Beate (SPD) schon zwei Sponsoren gefunden hat. Einen alten Anhänger, 1981 erstmals zugelassen, hat er mit einem Kumpel komplett entkernt und umgebaut, die farbenfroh angemalte Holzkonstruktion mit Dach dient dem Transport der Hühner. Im Hänger werden Hühnerhaus, Tränke, Futterspender, Sandbad und Außennetz untergebracht. „Ich bringe alles mit“, erklärt Heimann.

Zwei bis vier Wochen seien ideal, um die Hühner zu „mieten“. Besonders Kindergärten hat Heimann im Blick, hier können die Kleinen die unterschiedlichen Aufgaben – Füttern, Wasser geben, Eier einsammeln, Kotschublade leeren – gerne im Wechsel übernehmen. „Hühner sind tolle Erziehungspartner, die sich sehr gut in die Kindertagesbetreuung integrieren lassen“, weiß der 30-Jährige. Aber auch Senioren, Menschen mit Behinderung oder Familien, die einfach mal die Hühnerhaltung ausprobieren möchten, kann sich Heimann als Kunden von „Meet the Huhn“ vorstellen. Seine neuen Gartenbewohner hat er erst vor wenigen Tagen aus der Nähe von Beckum abgeholt. „Die haben sich schon gut eingewöhnt“, findet Heimann und nimmt Bella auf den Arm – die Rhodeländer Henne ist die ruhigste von allen. Auch Rambo, das blau gesprenkelte Huhn, hat sich entspannt. Alle vier, davon ist Simon Heimann überzeugt, werden prima „Miet-Hühner“. Und wenn sie mal zu Hause sind, haben sie auch hier eine interessierte Beobachterin: Tochter Paula, 20 Monate jung, bestaunt das Federvieh gerne mit großen Augen.

| Kontakt: Meet-the-huhn@ volloeko.de, Tel. 0171-5331149

7  Wenn Sie, liebe Leserin, lieber Leser, auch ein Tier haben, mit dem Sie eine lange oder besondere Beziehung verbindet oder mit dem sie etwas erleben, das sie zusammenschweißt, melden Sie sich bei uns unter Tel. 930 412 oder gescher@azonline.de.

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