Unternehmen Metall- und Maschinenbau Bürger setzt auf Mitarbeiterbindungs-Konzept
„Rad & Rente zum Nulltarif“

Gescher. Immer schwieriger wird es, qualifizierte Kräfte im Handwerk überhaupt zu finden und dann auch zu halten. Das Unternehmen Bürger Metall- und Maschinenbau in Tungerloh-Capellen hat sich vor diesem Hintergrund entschieden, mit einem fundierten Mitarbeiter-Bindungskonzept einen neuen Weg zu gehen.

Samstag, 05.09.2020, 07:05 Uhr
Ein Großteil der 19 Mitarbeiter des Metall- und Maschinenbau-Unternehmens Bürger in Tungerloh-Capellen nutzt die Vorteile eines Jobrads, der Betriebsrente und der Firmenkreditkarte. Foto: az

Fachliche Unterstützung hat der alteingesessene Betrieb durch das Bocholter Beratungs-Unternehmen praemium bekommen. „Rad & Rente zum Nulltarif“ lautet die Zauberformel, die bei den Mitarbeitern seit der Einführung im Unternehmen Bürger Anfang Mai bereits erfolgreich gewirkt habe. „Wir wollen, dass es unseren Mitarbeitern gutgeht“, betont Juniorchef Stephen Bürger (35). Er räumt ein, dass anfangs Ungläubigkeit in der Belegschaft geherrscht habe. Aber der Betrieb habe tatsächlich bereits für zwölf der insgesamt 19 Mitarbeiter E-Bikes angeschafft, die eifrig für den Weg zum Arbeitsplatz und auch privat genutzt würden. „Einige der Mitarbeiter haben auch ein zweites Rad für ihren Lebenspartner bekommen“, ergänzt Dorothee Bürger, die Mutter des Juniorchefs. Das Unternehmen hat für jedes Rad 2800 Euro in die Hand genommen. Die Arbeitnehmer mussten nicht einmal einen Eigenanteil leisten, sagt sie.

Außerdem sei bei Bürger eine Betriebsrente, die der Arbeitgeber zu hundert Prozent finanziert, eingeführt worden, wie Klaus Tenbrock, geschäftsführender Gesellschafter von praemium, mitteilt. Diese Betriebsrente garantiere dem Arbeitnehmer eine Kapitalabfindungszahlung zum Renteneintritt im Durchschnitt von 39 600 Euro.

Neben dem Jobrad und der Betriebsrente ist eine Firmen-Kreditkarte eingeführt worden, die das Unternehmen monatlich mit 44 Euro auflädt. „Betriebszugehörigkeit wird auf diese Weise belohnt“, betont Tenbrock und ergänzt: „Alle Arbeitnehmer sind besser gebunden und wissen jetzt, dass die Corona-Krise durchgestanden wird.“ Gerade auch in Krisenzeiten habe Mitarbeiterbindung einen hohen Stellenwert.

Familie Bürger ist seit Generationen im Metallhandwerk tätig. Gründer war 1927 der Hufschmied Gerald Bürger, der Urgroßvater des heutigen Juniorchefs. Waren es früher vorrangig Schmiedearbeiten und Landmaschinentechnik, handelt es sich heute um ein modern aufgestelltes metallverarbeitendes Unternehmen mit sehr breitem Spektrum. Das Unternehmen arbeitet für viele unterschiedliche Branchen als Systempartner in der Kleinserien-, Einzelteil- und Baugruppenfertigung, Konstruktion, Prototypenbau, Montage, Wartung und Reparatur mit umfangreichen Serviceleistungen.

Dorothee Bürger erinnert sich noch gut daran, dass es früher völlig normal war, wenn Mitarbeiter über Jahrzehnte hinweg im Betrieb beschäftigt gewesen sind. Doch das habe sich grundlegend verändert, wie Klaus Tenbrock bestätigt. Die Höhe des Lohns sei heute nicht mehr das ausschlaggebende Argument, ob man man eine Stelle annehme oder nicht. Die Work-Life-Balance, die Ausgewogenheit zwischen Berufsleben und Freizeit spiele heute gerade bei jungen Leuten eine immer wichtigere Rolle. Auch Anerkennung der geleisteten Arbeit sei für den Arbeitnehmer wichtig. Auf eine Formel gebracht, sei „mehr Lob als Lohn“ wichtig, wie Klaus Tenbrock in vielen Gesprächen erfahren hat. Wenn Unternehmen aber beginnen würden, ihre Arbeitnehmer „als Menschen wahrzunehmen und deren Belange mehr im Blick“ haben würden, könne man viel auf dem Gebiet der Mitarbeiter-Bindung erreichen. Ein betriebliches Vorschlagssystem sei ebenfalls ein gutes Mittel, die Arbeitnehmer an den betrieblichen Prozessen zu beteiligen. Die Mitarbeiter müssten spüren, dass ihre Meinung wichtig für den Betrieb ist, sagt Tenbrock.

Das Unternehmen Bürger und deren Arbeitnehmer jedenfalls zeigen sich begeistert von den ersten vier Monaten, in denen das Mitarbeiterbindungs-Konzept bereits greift. Aktuell absolvieren dort auch vier der 19 Mitarbeiter eine Ausbildung. Danach würden auch diese in den Genuss der „Renten-, Mobilitäts- und Gesundheitskarriere“ des Unternehmens Bürger kommen, wenn sie sich entscheiden, dem Betrieb treu zu bleiben.

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