Wolfgang Gnesner und Sohn Finlay dürfen in Rom mit geistlichem Oberhaupt sprechen
Papst Franziskus ganz nahe

Gescher. Trotz der Corona-Pandemie hat Wolfgang Gnesner seine Reise nach Rom nicht bereut. Im Gegenteil. Denn der Pferdetherapeut aus Harwick hat dort im Vatikan etwas ganz Besonderes erlebt, das für immer in seinem Gedächtnis haften bleiben wird.

Samstag, 10.10.2020, 09:03 Uhr
Ein unvergesslicher Moment für Wolfgang Gnesner aus Harwick und seinen Sohn Finlay: Bei einer Audienz in Rom werden sie ausgewählt und dürfen mit Papst Franziskus ein paar Worte wechseln. Foto: az

Im Vorfeld der Reise mit dem Wohnwagen hatte das Ehepaar Gnesner genau recherchiert, welches gesundheitliche Risiko bei einer Fahrt nach Italien besteht.

Wolfgang Gnesner erinnert sich: „Da Tourismus im Augenblick auf der ganzen Welt nicht stattfindet, haben wir nirgendwo in Rom anstehen müssen. Wir konnten Rom aus einer nie dagewesenen Perspektive wahrnehmen, nämlich so gut wie ohne Touristen.“

Familie Gnesner hatte sich zu einer Generalaudienz des Papstes angemeldet, die nicht auf dem Petersplatz, sondern im Innenhof des Vatikans abgehalten wurde. Dort durften statt der gewöhnlich 5000 Menschen nur etwa 400 Gläubige unter strengsten Coronaschutz-Auflagen an dem Ereignis teilnehmen.

Als Familie Gnesner die Sicherheitsschleusen zum Vatikaninnenhof durchlaufen hatte, hatten alle auf den mit Sicherheitsabstand aufgestellten Stühlen Platz genommen. Wolfgang Gnsener: „Ich selber hatte von zu Hause ein relativ großes Kreuz mitgenommen, mit dem Gedanken, dass es nach der Reise einmal im Vatikan war.“

Plötzlich sei Unruhe auf den Plätzen aufgekommen. Weil man vermutete, Papst Franziskus würde jetzt eintreffen, seien alle aufgestanden und an die Absperrungen gegangen, um aus der fünften Reihe vom Papst einen Blick zu erhaschen. „Wir natürlich auch“, sagt Gnesner und fügt hinzu: „Plötzlich sprach mich jemand von hinten mit „Sir“ an.“ Gnesner drehte sich mit seinem Sohn Finlay um, der das Kreuz auf dem Arm trug, und sah einen Mann in einem grauen Frack, streng im Blick, an. Nun zeigte dieser mit dem Finger auf Gnesner und sagte ernst: „Follow me“ („Folgen Sie mir“).

Rebecca Gnesner wollte ihrem Mann ebenfalls folgen, wurde aber von einem Sicherheitsmann davon abgehalten. Gnesner erinnert sich: „Für mich war klar, hier ist die Audienz für mich zu Ende, ich werde des Feldes verwiesen wegen des viel zu großen Kreuzes.“

Doch nach gefühlten 30 Metern, im Sicherheitsbereich angekommen, wo der Papst erwartet wurde, drehte sich der Mann um und gab Gnesner zu verstehen, dass er sich dort aufhalten sollte. Wenn der Papst eintreffe, könnte er mit ihm ein kurzes persönliches Gespräch führen. „Ich konnte mein Glück gar nicht fassen“, erinnert sich Wolfgang Gnesner. Erst der Gedanke, verhaftet zu sein, und dann den Papst persönlich sprechen zu dürfen. „Eine Achterbahn der Gefühle fand in mir statt“, sagt der Harwicker noch heute aufgewühlt.

Dann sei der Moment gekommen, als der Papst aus seinem Auto stieg. Er begrüßte einige an der Brüstung stehende Menschen. „Dann kam er auf mich zu. Ich begrüßte ihn, und auch er begrüßte unseren Sohn Finlay und mich mit akzentfreiem Deutsch. Der Papst fragte mich, aus welcher Region wir kommen, worauf ich antwortete „Münster, Münsterland, Gescher, dort, wo auch Kirchenglocken hergestellt werden.“

Der Papst erwiderte, dass Münster eine schöne Stadt sei und er den Klang der Gescheraner Glocken kenne. „Sehr schön“, sagte der Papst. Er fragte nach dem Namen und dem Alter des Sohnes von Wolfgang Gnesner. Außerdem fragte er, woher dieses schöne Kreuz stamme.

Wolfgang Gnesner; „Dann sprach ich den Papst an, dass meine Mission sei, mich für mein so von Glück und Gott gesegnetes Leben an oberster Stelle zu bedanken. Darauf antwortete der Papst, dass er nicht die oberste Stelle sei. Diese wäre weit über uns. Er sei nur irdischer Stellvertreter Christi. Er segnete uns mit dem Kreuzzeichen und fasste dabei unser großes Kreuz an. Seine Ausstrahlung war so voller Bescheidenheit und doch großer Würde.“

Danach musste Gnesner den Sicherheitsbereich mit seinem Sohn wieder verlassen. Seine Frau Rebecca sei auch sehr überwältigt gewesen, obwohl sie die Begegnung nur von einem Stuhl aus beobachten und von dort aus ein paar Fotos schießen konnte. Sie freute sich sehr für ihren Sohn Finlay und ihren Mann. Wolfgang Gnesner: „Ich selber hätte sie so gerne an meiner Seite gehabt.“

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