Brigitte Kormann (SPD) war viele Jahre im Rat und als stellvertretende Bürgermeisterin aktiv
„Die Leute haben sich immer gefreut“

Gescher. Elf Ratsmitglieder werden in der heutigen letzten Ratssitzung der ausklingenden Wahlperiode verabschiedet. Am längsten dabei ist Brigitte Kormann: 26 Jahre lang hat die SPD-Frau an politischen Entscheidungen mitgewirkt und war dabei auch Teil der Stadtspitze: Von 2004 bis 2014 bekleidete sie das Amt der stellvertretenden Bürgermeisterin und hat in dieser Zeit Kontakt zu ganz vielen Gescheranern gehabt. Nicht alle Gesichter und Namen hat sie sich merken können: „Deshalb grüße ich heute jeden, der mir begegnet“, schmunzelt die 69-Jährige. Mindestens zehn Termine im Monat hat sie als stellvertretende Bürgermeisterin wahrgenommen, das macht rund 1200 Besuche in zehn Jahren – vermutlich mehr. „Es war eine schöne Zeit“, blickt Brigitte Kormann (geb. Kloster) auf die vielen Jahre ihres politischen Wirkens in Gescher zurück. Gleichzeitig sei sie froh, ab sofort weniger Verantwortung für andere tragen zu müssen.

Mittwoch, 28.10.2020, 06:26 Uhr
Brigitte Kormann (hier mit dem SPD-Parteibuch von 1988) war von 2004 bis 2014 stellvertretende Bürgermeisterin und wird heute aus dem Rat der Stadt Gescher verabschiedet. Foto: Jürgen Schroer

Für andere eingesetzt hat sich die gebürtige Gescheranerin und gelernte Kauffrau immer schon – ob als Schülersprecherin oder später als Betriebsratsvorsitzende bei der Textilfirma G.A.T. Ihr Engagement in der SPD hat 1988 begonnen: Nicht etwa Vorbilder in der „großen“ Politik haben sie dazu bewogen, sondern engagierte Genossen vor Ort: „Rudi Grimmelt hat mich überredet, der war hartnäckig“, sagt Frau Kormann und blättert im roten Parteibuch. Die erste Mitgliedsmarke ist für Oktober 1988 eingeklebt, damals waren drei D-Mark pro Monat fällig. Die wurden – anders als heute – vom Kassierer des Ortsvereins persönlich an der Haustür abgeholt.

Schnell wurde Kormann ein feste Größe in der Orts-SPD, arbeitete als Schriftführerin im Ortsvereinsvorstand mit und übernahm später – als Heiner Theßeling überraschend zum hauptamtlichen Bürgermeister gewählt wurde – den Parteivorsitz. In den Rat gewählt wurde die Sozialdemokratin 1994 und engagierte sich insbesondere im Sozialausschuss. Wenn es um Frauen, Jugend, Familie oder Schulthemen ging, meldete sie sich zu Wort. Oft gelang es der SPD nicht, ihre Themen gegen die Ratsmehrheit durchzubringen. Den Ausbau der Kindergartenplätze in Gescher zum Beispiel oder mehr Vielfalt bei den Trägern hätte die SPD gerne früher verwirklicht. Aber es gab auch Erfolge: die Realisierung der Gesamtschule zum Beispiel war ein Herzensanliegen der SPD. „Da sind wir stolz, dass wir das erreicht haben“, meint Rita Hölker, stellvertretende Vorsitzende der SPD-Ratsfraktion.

Durchweg positive Erinnerungen verbindet Brigitte Kormann mit ihrem „Job“ als stellvertretende Bürgermeisterin, zunächst in der Amtszeit von Heiner Theßeling, dann mit Hubert Effkemann. Viele Hausbesuche zu Geburtstagen und Ehejubiläen, Grußworte bei Schulentlassungen oder Gratulationen bei Schützenfesten gehörten dazu. „Die Leute haben sich immer gefreut, wenn eine offizielle Vertreterin der Stadt gekommen“, sagt Kormann. Viele hätten bei diesen Gelegenheiten aus ihrem Leben erzählt.

Jetzt, nach fast drei Jahrzehnten Kommunalpolitik, ist es genug. „Es stellt sich ein Gefühl von Erleichterung ein, wenn man Verantwortung abgeben kann“, hat die SPD-Frau schon vor der heutigen Ratssitzung festgestellt. Gerne möchte sie, sofern es die Gesundheit zulässt, mit ihrem Mann Werner Reisen unternehmen. Der Orts-SPD bleibt sie als Beisitzerin im Vorstand verbunden. „Aber sie wird uns fehlen, denn Brigitte war immer ein Ruhepol und hatte eine vermittelnde und ausgleichende Funktion in unserer Partei“, so Rita Hölker.

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