Klassenzimmer-Theater „#machtlos“ ausnahmsweise für Eltern
Schauspiel „mit Narben am Herzen“

Gescher. Nur wenige Eltern nutzten die Gelegenheit, das Klassenzimmer-Theater mit der Schauspielerin Patricia Foik aus Bochum im Haus der Begegnung live zu erleben. Günter Döker mit seinem Verein „GrOßeFreiheit“ e.V. hatte Foik mit ihrem Stück „#machtlos“ dazu eingeladen. Stefan Ey war Autor und Regisseur des Werkes, das sich – ganz im Sinne der Botschaft des Gescheraner Vereins – mit den Auswirkungen der Sucht auf die betroffene Person und ihr Umfeld beschäftigte. „Wir wollten damit die Kinder motivieren, sich Hilfe außerhalb der Familie zu suchen“, begründete Döker das Engagement seines Vereins für diese Aufführung.

Montag, 02.11.2020, 06:00 Uhr aktualisiert: 02.11.2020, 06:02 Uhr
Eindringlich führte Schauspielerin Patricia Foik aus Bochum dem Publikum vor Augen, was Alkohol bei Menschen anrichten kann. Foto: Elvira Meisel-Kemper

Foik hatte zuvor – wie berichtet – die vier Klassen der Jahrgangsstufe 6 an der Gesamtschule in Gescher mit dem Theaterstück besucht. Jetzt versetzte sie die Eltern in den Zustand von Schülern, befragte sie und bezog sie interaktiv mit ein.

Dabei breitete sie die eher „klassische“ Entwicklung einer Alkoholikerin aus. Mit einer Kiste kam sie in den Raum, besprach ihr Smartphone mit dem Wort „Alkohol“ und belegte den wiederholten Sound des gesprochenen Wortes mit einem Rap-Gesang, der in die „Weisheit“ mündete, dass Alkohol der Retter in der Not sei. So einfach war es aber nicht. Ein Quiz mit Fragen an die Zuschauer, ab welchem Alter man Alkohol kaufen und trinken könne, machte sie bereits nachdenklich. „Ab 16 Jahren dürfen sie das in eingeschränktem Maß. Jugendliche sind das erste Mal richtig betrunken im Alter von 16,4 Jahren. Den ersten Alkohol konsumieren sie mit 14,9 Jahren“, ergänzte Foik Fakten.

„Ich war das erste Mal richtig betrunken, da war ich noch keine 13. Ich komme aus einer Trinkerfamilie“, gab sie ohne Dramatik zu. „Aber was ist, wenn der Raum voller Drachen und Einhörner ist? Ich war oft in diesem Raum“, schob sie hinterher. Was dann folgte, war eine Lebensbeichte, angefangen vom Vater, den sie nur sah mit der Bierflasche in der Hand bei seinen Brieftauben bis hin zur eigenen Rechtfertigung, selbst Alkohol zu trinken bis zum Suchtpotenzial. Damit zerstörte sie ihre eigene Familie, aus der die Zwillinge Florian und Nele hervorgegangen sind. „Umbringen geht nicht so einfach. Das ist Flucht. Sichtbare Narben habe ich nicht, aber am Herzen“, skizzierte sie mit leisen Worten das, was der Alkoholkonsum mit ihr gemacht habe.

In dramatischen Gefühlsaufwallungen kämpfte sie um ihre Familie, wurde aus eigenem Antrieb trocken, griff dennoch wieder zum Bier und machte einen Entzug durch. Ihre Kinder redeten bis heute nicht mit ihr. Am Ende sollten die Zuschauer wie auch die Kinder vorher an der Gesamtschule Gescher ein Votum abgeben, ob sie als trockene Alkoholikern noch mal eine Chance von ihren Kindern bekommen sollte für einen Kontakt zu ihr.

Das Votum war gespalten. Viel spannender war die Frage, wie das Stück bei den Kindern angekommen ist. Döker und Foik konnten da nur Positives berichten. Weitere Infos online: | grosse-freiheit-gescher.de

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