Neues Zuhause für sieben Jungen in Einrichtung für Erziehungshilfe der Kaiserswerther Diakonie
Gut Hochmoor bietet Sicherheit

Gescher. Auf Gut Hochmoor haben sieben Jungen im Alter von sieben bis zehn Jahren ein neues – manchmal für eine lange Zeit vorübergehendes – Zuhause gefunden. Die Kaiserswerther Diakonie betreibt dort seit Pfingsten eine Einrichtung für intensivpädagogische-therapeutische Erziehungshilfe.

Samstag, 07.11.2020, 07:56 Uhr
Dirk Hintemann, Sozialarbeiter, Leiter von Gut Hochmoor, einer Einrichtung der Kaiserswerter Diakonie für intensivpädagogische-therapeutische Erziehungshilfe, hält das Gelände mitten im Grünen für einen hervorragenden Schutzraum für die Kinder. Foto: Manuela Reher

Die Jungen sind allesamt traumatisiert, wie Sozialarbeiter Dirk Hintemann, Leiter der Einrichtung, mitteilt. Sie haben zum Teil schon eine leidvolle Odyssee hinter sich, weil sie in verschiedenen Hilfesystemen hin und her gewechselt seien. Die von Gewalt und sexueller Übergriffigkeit geprägten Erfahrungen, die sie zum Teil zu Hause gemacht hätten, könnten sich viele Unbeteiligte kaum vorstellen.

„Wir haben die Jungen nach und nach hier auf Gut Hochmoor in Ruhe ankommen lassen“, betont Hintemann. Dabei habe er von den Erfahrungen mit Gut Rosendahl, das 2013 eröffnet worden ist, profitieren können. Hintemann leitet beide Einrichtungen.

Gut Hochmoor, ein ehemaliger Dachdeckerbetrieb mitten im Grünen, biete nach dem Umbau hervorragende Möglichkeiten für die therapeutische Arbeit mit den Jungen, die viele sozialemotionale Probleme hätten. Gerade das mache in manchen Teilen der Bevölkerung Angst, weiß Hintemann. Für die Kinder von Gut Hochmoor sei es wichtig, dass sie Regelschulen im Ort oder in der Nähe besuchen würden. Dazu zählen die Pankratiusschule und die Von-Galen-Schule in Gescher, aber auch die Förderschulen in Coesfeld und in Südlohn. Den Frust könnten die „Jungs“, wie er sie liebevoll nennt, statt in der Schule auf Gut Hochmoor loswerden. Und dieser Appell funktioniere hervorragend.

Zum Team auf Gut Hochmoor gehören neben Dirk Hintemann sieben Pädagogen und eine Psychologin sowie eine Hauswirtschaftskraft und ein Hausmeister. „Wir sind ein tolles Team“, zeigt sich Hintemann begeistert. Der Zusammenhalt sei fast so wie in einer Großfamilie. Jedes Kind hat sein eigenes Zimmer, das es, abgesehen von der einheitlichen Möblierung, selbst gestalten darf. „Unsere Kinder brauchen kein Mitleid, sondern Normalität“, betont Dirk Hintemann. So könnten sich die Kinder auf eine bestimmte Tagesstruktur verlassen, die ihnen Sicherheit vermittele. Die Mitarbeiter würden den Kindern auch Gute-Nacht-Geschichten vorlesen. „Liebe und Zuneigung fallen auch unter Corona-Bedingungen nicht weg“, betont Hintemann. Da die Kinder traumatisiert seien, hätten sie mit unberechenbaren Emotionen zu kämpfen, mit denen sie oft nicht umgehen könnten. Daher gebe das pädagogische Team ihnen Konstanz als Leitfaden und Orientierung.

Das große Spielgelände biete den Kindern viele Möglichkeiten, sich auszutoben und handwerklich tätig zu werden. Dafür könne die ehemalige Werkstatt des Dachdeckerbetriebs genutzt werden. Nebenan grasen die Schafe eines Nachbarn, die sich stets über Streicheleinheiten der jungen Bewohner auf Gut Hochmoor freuen.

Nach dem externen Schulunterricht müssen die Kinder wie in einem normalen Familienhaushalt Pflichten erfüllen. Das reiche vom Küchendienst bis hin zum Aufräumen des eigenen Zimmers. Einmal wöchentlich hat jedes Kind eine Therapie-Einheit.

Manchmal kommen die Eltern eines Kindes zu Besuch und dürfen dann in einer Elternwohnung übernachten. Manche haben eine lange Anreise aus dem süddeutschen Raum. Für einen Platz auf Gut Hochmoor gebe es Anfragen aus der ganzen Bundesrepublik, sagt Dirk Hintemann und fügt hinzu: „Die Warteliste ist lang.“

Noch würden die Kinder auf Gut Hochmoor ein wenig Zeit benötigen, um komplett in ihrem neuen Zuhause anzukommen. In der Zwischenzeit würden sie bereits viel Sozialkompetenz erlernen. Die Erfahrungen aus Rosendahl würden zeigen, dass die Kinder gerne Kontakte mit den einheimischen Kindern knüpfen. Auch über die Fußballvereine sei dies schon gelungen.

Demnächst könnten die Kinder von Gut Hochmoor auch Besuch von ihren neuen Schulfreunden bekommen. Denn es sei geplant, ein gemütliches Besuchszimmer einzurichten. Außerdem soll eine große Lagerhalle auf dem Gelände zu einer Turnhalle umgestaltet werden. Dann könnten die Kinder dort auch bei schlechtem Wetter gemeinsam Fußball spielen, klettern oder turnen.

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