Gescheraner Günter Döker engagiert sich mit Theater in der Suchtprävention
„Große Freiheit“ macht Kinder stark

Gescher. Die „große Freiheit“ beginnt für viele mit der trügerischen Flucht in den Alkohol. Günter Döker (65) aus Gescher, pensionierter Polizeioberkommissar mit weitreichenden Erfahrungen in der Drogenfahndung, hat das schon weit vor 2011 erkannt. In jenem Jahr gründete er den Verein „GrOße Freiheit“ in der Glockenstadt, der heute knapp 30 Mitglieder im Alter von 13 bis 70 Jahren hat.

Mittwoch, 02.12.2020, 06:34 Uhr
Günter Döker hat früh erkannt, dass gerade auch die Kinder suchtkranker Eltern Unterstützung brauchen. Über den Verein „GrOße Freiheit“ können sie ihre Gefühle und Erlebnisse im Theaterspiel verarbeiten. Foto: az

Schon damals erkannte er, dass Kinder suchtkranker Eltern genauso viel Unterstützung brauchen wie ihre Eltern, damit sie nicht selbst suchtkrank werden. „In Deutschland wachsen etwa drei Millionen Kinder mit einem suchtkranken Elternteil auf“, verweist Döker auf die hohe Zahl. Er selbst und sein Vater waren Alkoholiker. „Ich würde lieber sagen, wir waren alkoholkrank, denn das ist eine Krankheit“, verbessert Döker. 1990 hatte er mit Unterstützung seiner Familie seine eigene Alkoholabhängigkeit besiegt. Danach engagierte er sich bis 2007 im Kreuzbund Gescher.

„Damals begann das Komasaufen bei den Jugendlichen. Der Kreis Borken hat sich im Kampf dagegen sehr engagiert“, blickt Döker zurück. Mit Unterstützung des Kreises Borken gründete Döker 2011 die „GrOße Freiheit“ (seit 2015 ein eingetragener Verein), nachdem der Kreis Borken für seinen „Kater-Talk“ einen Preis bekommen hatte.

Seitdem erarbeitet Döker zusammen mit betroffenen Kindern und Jugendlichen und in Kooperation mit Schauspielern, Regisseuren und Theaterpädagogen emotionale Theaterstücke, mit denen er in die Schulen geht. Heute arbeitet er mit Stefan Ey zusammen, der das Drehbuch für die letzte Aktion „#machtlos“ (wir berichteten) schrieb.

Die Mitwirkung zur Entwicklung und Aufführung von Theaterstücken in seinem Verein gibt den Kindern und Jugendlichen die Möglichkeit, ihre eigenen Gefühle und Erlebnisse einzubringen. Mittlerweile hat Döker ein Team von Menschen um sich versammelt, denen diese Arbeit genauso wichtig ist und die ihm bei der Umsetzung helfen. Vieles entstand auch aus der Familientherapie, die er nach seiner Weiterbildung in Systemischer Therapie und Trauma-Arbeit in seiner Praxis bis heute durchführt. Die gewaltfreie Kommunikation als Therapiemöglichkeit der familiären Aufarbeitung steht dabei im Mittelpunkt.

„Das gesellschaftliche Verständnis der Gefahren des übermäßigen Alkoholkonsums ist offener geworden. Ich habe ja auch 17 Jahre gebraucht, bis ich das erste alkoholfreie Bier getrunken habe“, räumt Döker ein.

Und noch etwas beschäftigt ihn ganz aktuell: „Nach der Aufführung von #machtlos haben sich 28 Kinder und Jugendliche bei uns gemeldet, die mitmachen möchten. Durch Corona konnten wir das ganze Jahr fast nichts machen. Kinder in suchtbelasteten Familien haben in diesen Zeiten noch mehr auszuhalten als sonst. Das kriegen wir durch Corona gar nicht mehr so mit.“

7 Kontakt: Günter Döker, Prozessionsweg 12, Tel. 02542/878860, info@grosse-freiheit-gescher.de |  www.grosse-freiheit-gescher.de

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