Für das Ehepaar Peirick war die Hausgeburt ein außergewöhnliches Geschenk
Linea hatte es besonders eilig

Gescher. Die kleine Linea feiert im kommenden Monat ihren ersten Geburtstag. Sie ist putzmunter und bereitet ihren Eltern Melanie und Tobias Peirick sowie ihrem älteren Bruder, dem zweijährigen Pepe, viel Freude.

Samstag, 23.01.2021, 07:44 Uhr aktualisiert: 23.01.2021, 08:00 Uhr
Ein fröhliches Kleeblatt: Familie Peirick mit Mutter Melanie, Vater Tobias sowie den Kindern Pepe (2) und Linea. Das kleine Mädchen hat seinen Eltern ein ganz besonderes Geschenk gemacht. Foto: az

Das Mädchen ist eine echte Gescheranerin, denn sein Geburtsort ist tatsächlich die Glockenstadt – und das, obwohl Gescher seit langem über kein eigenes Krankenhaus mehr verfügt. Die Erklärung dafür ist ganz einfach: Linea ist nicht in einer Klinik, sondern zu Hause geboren. Das ist hierzulande so selten wie ihr Vorname, der auf den botanischen Namen für das Moosglöckchen zurückgeht.

Es ist nicht so, dass sich Lineas Eltern bewusst für eine Hausgeburt entschieden hätten. „Aber eine ambulante Entbindung war schon geplant“, sagt ihre Mutter Melanie Peirick. Sie betrachtet nicht nur ihre kleine Tochter als „großes Geschenk“, sondern spricht auch davon, dass die Kleine selbst ihnen durch deren Geburt zu Hause ein „großes Geschenk“ gemacht habe.

Am 17. Februar im vergangenen Jahr setzten bei Melanie Peirick die Wehen ein. „Aber ich wollte noch ein wenig abwarten, bevor wir zur Klinik nach Ahaus fahren wollten“, sagt sie. Und so habe sie gemeinsam mit ihrem Mann entschieden, zunächst ihren zweijährigen Sohn Pepe zu den Großeltern zu bringen und danach nach Hause zurückzukehren.

Melanie Peirick sagt, dass sie es bereits genossen habe, ihren Sohn Pepe in Ahaus ambulant zu entbinden und dann möglichst schnell nach Hause zurückzukehren. In der gewohnten Umgebung – mit ganz viel Ruhe – habe sie viel besser entspannen können, als wenn sie für ein paar Tage in der Klinik geblieben wäre.

Doch als Linea sich nun ankündigte, hatte diese es plötzlich ganz eilig. Es war zu spät, um noch rechtzeitig in der Klinik einzutreffen. Papa Tobias Peirick zeigt sich noch heute überwältigt von dem schier unbeschreiblichen Erlebnis, dass Tochter Linea zu Hause das Licht der Welt erblickt hat. „Meine Frau und ich waren ganz allein und ohne Angst.“ Die Geburt sei schließlich ein natürlicher Vorgang, sagt er. Früher sei es völlig normal gewesen, dass die Frauen ihre Babys zu Hause in der vertrauten Umgebung bekommen haben. Die Schwangerschaft seiner Frau sei ohne Komplikationen verlaufen, sodass weder er noch seine Frau Befürchtungen gehabt hätten, dass bei der Geburt etwas schief gehen könne. Später habe er die Nabelschnur durchtrennt und in der Klinik angerufen, um mitzuteilen, dass das Baby bereits geboren ist. Tatsächlich ist das Paar dann auch zur Kontrolle mit dem Neugeborenen in die Klinik gefahren.

Eine solche Hausgeburt, die auch noch eine sogenannte Alleingeburt gewesen ist, ist in Deutschland äußerst selten. Ohnehin werden in der Bundesrepublik nur 1,5 Prozent der Kinder zu Hause geboren; in den Niederlanden liegt diese Quote bei 30 Prozent.

Melanie Peirick vermutet, dass es viele werdende Elternpaare geben könnte, die sich eine Hausgeburt oder ambulante Geburt wünschen, aber von Ängsten getrieben seien. „Manchmal fehlt das Urvertrauen“, sagt sie. Natürlich gebe es auch Fälle, in denen eine Geburt in der Klinik angezeigt sei, sagt die ausgebildete Erzieherin. Man wolle schließlich kein unkalkulierbares Risiko eingehen. Für sie sei die Entscheidung für eine ambulante Geburt „der richtige Weg“ gewesen. „Aber das ist letztlich wohl eine Typfrage“, meint sie.

Dass es bei Linea zu einer Hausgeburt gekommen sei, habe ihnen gezeigt, dass sie auch eine solche Situation gemeinsam gut meistern können. Als frischgebackene Eltern seien sie nicht in den manchmal hektischen Klinikalltag eingebunden gewesen. „Wir waren vollkommen entspannt“, erinnert sich die zweifache Mutter, deren Schwiegereltern angesichts der Nachricht über die plötzliche Hausgeburt anfangs besorgt, aber dann auch mit Anerkennung reagiert hätten. Auch Tobias Peirick sagt, dass er es als Vater genossen habe, nach der Geburt seiner Kinder direkt in deren Nähe sein zu können. Wenn die Mutter nach der Entbindung im Krankenhaus zunächst mehrere Tage dort verweile, sei so etwas nicht möglich.

Melanie Peirick hat aber auch erfahren, dass sie sich als Eltern oft für ihre Entscheidung für eine ambulante Entbindung in einer Klinik rechtfertigen mussten. Wer sich allerdings bewusst für eine Hausgeburt entscheide, müsse wissen, dass es schwierig sei, dafür eine Hebamme zu finden. Diese könnten eine solche Aufgabe oft aus versicherungstechnischen Gründen nicht übernehmen. Aber Melanie Peirick würde alle werdenden Eltern eine ambulante Entbindung empfehlen, wenn medizinisch nichts dagegensprechen würde.

Jetzt freut sich Familie Peirick erst einmal auf den ersten Geburtstag von Linea, an dem sich bestimmt alle mit großer Dankbarkeit an die glückliche Hausgeburt der Kleinen erinnern.

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