Neue Verordnung zum Arbeitsschutz in der Corona-Pandemie: Wenn der Arbeitsplatz nach Hause verlegt wird
„Möglichst flexibel gestalten“

Gescher. Einige Unternehmen bieten ihren Mitarbeitern bereits seit Beginn der Corona-Pandemie im März 2020 Homeoffice an. Auf diese Weise ist für eine Reihe von Arbeitnehmern die Arbeit zu Hause am Schreibtisch schon zu einer Selbstverständlichkeit geworden.

Donnerstag, 28.01.2021, 06:34 Uhr
Weniger als zehn Prozent der Mitarbeitenden des Technologie-Unternehmens d.velop arbeiten aktuell am gewohnten Arbeitsplatz im Bürogebäude auf dem Campus. Der Großteil ist im Homeoffice tätig. Foto: az

Andere Betriebe müssen jetzt nachziehen, denn laut der neuen Corona-Arbeitsschutz-Verordnung müssen Arbeitgeber überall dort Homeoffice anbieten, wo es möglich ist. Das gilt zunächst bis zum 15. März.

Die Stadtverwaltung Gescher möchte mit gutem Beispiel vorangehen. Im Rathaus befindet sich inzwischen gut die Hälfte der Bediensteten im Homeoffice, wie Bürgermeisterin Anne Kortüm mitteilt. Die Bürgermeisterin erläutert dazu, dass es das Bestreben der Stadt sei, die Arbeitsplatzsituation möglichst flexibel zu gestalten. In erster Linie seien diese Lösungen angepasst an die Anforderungen durch die Pandemie, aber auch an die persönlichen Bedürfnisse der Bediensteten. In diesem Zusammenhang nennt Anne Kortüm familiäre Verpflichtungen durch Homeschooling und zum Beispiel auch Vorerkrankungen der Mitarbeiter.

Durch die Pandemie bedingt seien die Büros bis auf wenige Ausnahmen lediglich mit einer Person besetzt, wobei alle zur Verfügung stehenden Räume in Beschlag genommen würden. Um Kontakte zu vermeiden, bestehe in dieser Zeit die Möglichkeit, das Essen am Arbeitsplatz einzunehmen, solange dies im Bereich der Cafeteria nicht mehr zulässig sei.

Homeoffice sei allerdings im Bürgerbüro und im Jobcenter nicht möglich. Anne Kortüm kommentiert dazu: „Dort findet auch Publikumsverkehr statt, soweit er zur Bearbeitung der Anliegen der Bürgerinnen und Bürger unverzichtbar ist.“ Wo ein persönlicher Kontakt unerlässlich sei, werde dieser ermöglicht. Dabei würden natürlich die erforderlichen Schutzmaßnahmen beachtet, betont die Bürgermeisterin. In den Außenstellen, wie zum Beispiel dem Bauhof und dem Abwasserwerk, sei ein Arbeiten im Homeoffice kaum möglich. „Hier arrangiert man sich unter Beachtung der Corona-Schutz-Regeln.“

Die Verwaltungschefin rechnet nicht damit, dass der Wunsch nach Homeoffice im Rathaus stärker wird. Sie betont: „Die Mehrzahl der Bediensteten arbeitet ebenso gerne im Rathaus, zumal nicht jeder zu Hause einen geeigneten Arbeitsplatz zur Verfügung hat, erst recht nicht, wenn parallel das Homeschooling der Kinder übernommen werden muss. Das ist für die Betreffenden eine enorme und zum Teil äußerst kräftezehrende Herausforderung, die keineswegs stressfrei ist. Abgesehen davon vermissen einige ihre sozialen Kontakte und einfach die Normalität.“

Aus der Sicht der Bürgermeisterin macht die neue Corona-Arbeitsschutzverordnung durchaus Sinn. Es gehe darum, am Arbeitsplatz Kontakte zu vermeiden, um die Infektionsgefahr zu verringern. „Denn leider lassen sich die Infektionszahlen bislang nicht dauerhaft beherrschen“, bedauert Anne Kortüm. Die Sieben-Tage-Inzidenz für Gescher überschreite seit Wochen die Hunderter-Grenze und habe kürzlich bei 140 gelegen. „Folglich müssen wir weiterhin konsequent bleiben und die Kontaktverbote penibel einhalten“, fügt die Bürgermeistern hinzu.

Stefan Olschewski, Pressesprecher des Unternehmens d.velop, verweist darauf, dass sich das Unternehmen bereits im März 2020 für das Homeoffice als bevorzugten Arbeitsort entschieden habe. Daher sei die d.velop von den neuen Regelungen praktisch nicht betroffen, da schon damals (bis auf einige wenige Personen, die zwingend für den Systembetrieb vor Ort in Gescher nötig seien) das Team zum größten Teil im Homeoffice gewesen sei. Aktuell würden weniger als zehn Prozent der Mitarbeitenden im Büro arbeiten.

Effektiv habe es nur einen Tag gedauert, bis zunächst rund 500 Kolleginnen und Kollegen, kurz darauf in der d.velop-Gruppe gut 750 Personen ins Homeoffice gewechselt seien. Olschewski: „Wir waren wirklich überrascht und ehrlich begeistert, mit welcher Disziplin, aber auch Motivation und Spaß diese Maßnahme angegangen wurde.“

Auch heute noch, viele Monate später, herrsche großes Verständnis in der Belegschaft, sicher auch, weil das Unternehmen alle Beweggründe und die Hintergründe permanent ganz offen an die Belegschaft kommuniziert habe.

Olschewski betont: „Sicher fiel uns als Technologieunternehmen der Wechsel leichter als in anderen Branchen. Viele von uns waren es schon lange gewohnt, ortsunabhängig zu arbeiten. Allerdings natürlich nicht in dieser Konsequenz.“ Sogar wenn es um die Unterzeichnung von wichtigen Verträgen mit Kunden oder Lieferanten gehe, habe d.velop ein eigenes Tool, das rechtskräftige Unterschriften auch digital und ohne Vor-Ort-Termine ermögliche.

Selbstverständlich sei aber beispielsweise der Empfang zur Annahme von Lieferungen ebenso besetzt wie die interne IT, um die Serverlandschaft und weitere relevante Prozesse am Laufen zu halten, sagt Olschewski.

Das Unternehmen würde in Bezug auf das Homeoffice aber auch die Herausforderungen, die entstehenden psychischen Belastungen und die immer schwierigere Trennung von Privatleben und Beruf im Blick haben. Auch nach Corona würden in einer neuen Normalität die positiven Elemente weitere Begleiter sein.

Grundprinzip der d.velop-Organisation sei die Übernahme von Eigenverantwortung und das damit verbundene Selbstmanagement.

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