Marien-Kindergarten auf der Riete soll im August 2022 fertig sein
„Niemand fällt gerne Bäume“

Gescher. Die Stadt habe die gesetzliche Verpflichtung, ausreichend Plätze für die Kinderbetreuung zur Verfügung zu stellen, machte Bürgermeisterin Anne Kortüm in der jüngsten Ratssitzung zum Thema Kindergarten-Neubau auf der Riete deutlich. Aktuell gebe es zwei Notgruppen. Wenn der Neubau des Marien-Kindergartens mit fünf Gruppen im August 2022 fertiggestellt sei, entspanne sich die Lage wieder.

Samstag, 27.02.2021, 09:02 Uhr
Wegen des pädagogischen Konzeptes sei nur ein eingeschossiger, barrierefreier Neubau auf dem Gelände auf der Riete möglich, sodass daher alte Bäume weichen mussten, wie die Kirchengemeinde mitteilte. Foto: az

Es sei „traurig“, dass für den Neubau alte Bäume weichen müssten und das Projekt „mit einem Schatten behaftet sei“, räumte die Bürgermeisterin ein. Die Stadt habe allerdings die „Macht über das Grundstück“ verloren, weil sie es vor geraumer Zeit verkauft habe. Im übrigen gebe es keinerlei Vorgaben, weil es für das Gelände weder einen Bebauungs-noch einen Baumschutzplan gebe. „Wir sollten den Bau nicht länger hinauszögern“, unterstrich die Bürgermeisterin. Das Interesse der Kinder und Jugendlichen sollte im Vordergrund stehen. Anne Kortüm machte aber deutlich, dass sie die Initiative begrüße, die um jeden Baum kämpfe. Gleichzeitig habe sie auch Respekt vor den Plänen für den Neubau.

Pfarrer Hendrik Wenning, betonte, dass die von der Kirchengemeinde geplante Kindertagesstätte nicht nur hundert Kindern eine Betreuung ermögliche, die den hohen Standards kirchlicher Einrichtungen entspreche, sondern „auf Jahrzehnte auch einen wichtigen Beitrag zur Attraktivität der Stadt für junge Familien“ leiste. Es sei nicht einfach gewesen, einen passenden Standort zu finden. Die Lage, Verkehrsanbindung, Verfügbarkeit und Größe hätten bei der Auswahl eine entscheidende Rolle gespielt. Die berechtigten Einwände mancher Bürger könne er nachvollziehen. „Niemand fällt gerne Bäume“, sagte Wenning. Ihm wäre es lieber gewesen, der Natur wie im Priesterwald freien Lauf zu lassen. Die Kirchengemeinde werde Ersatzpflanzungen vornehmen, wie sie es schon am alten Krankenhaushof getan habe.

Eine Zweigeschossigkeit des Neubaus, bei der die alten Bäume eventuell hätten gerettet werden können, hätten Nachteile für das pädagogische Konzept gehabt. Das machte Kindergarten-Verbundleiterin Ingrid Schnieder in der Sitzung deutlich. Als sogenannte Werkstatt-Kita würde der Marien-Kindergarten in verschiedenen Funktionsräumen gruppenübergreifend arbeiten. Der Betreuungsaufwand würde bei einer Zweigeschossigkeit erheblich höher sein, vor allem bei sehr jungen Kindern.

Thomas Kloster (CDU) machte deutlich, dass die CDU hinter den Neubauplänen stehe und Verständnis für die Anlieger habe. Die befürchtete schwierige Verkehrssituation sollte im Vorfeld entschärft werden. Matthias Homann (UWG) wies darauf hin, dass in seiner Fraktion das Neubau-Thema durchaus kontrovers diskutiert worden sei. Er warnte vor populistischen Tendenzen in der Debatte. Ansgar Heming (SPD) hielt den Neubau an dem Standort auf der Riete für richtig. Man könne aber aus der Diskussion lernen. Stephan Pierk (Grüne) sagte, dass es bedauerlich sei, dass Bäume weichen müssten. Allerdings hätten die Bäume damals noch niemand interessiert, als die Stadt das Gelände verkauft habe. Pierk warnte davor, Bäume und Kinderbetreuung gegeneinander abzuwägen.

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