Fitnessstudios erwarten eine Öffnungsperspektive
Gesundheitsvorsorge in Gefahr

Gescher. Seit fast vier Monaten herrscht in den Fitness-Studios der Glockenstadt gähnende Leere. Andrej Magos, Inhaber der Vitadromgruppe, und Mareen Gauselmann, Inhaberin von MG Sports, zeigen sich fassungslos, dass es auch in naher Zukunft wohl keine Öffnungsperspektive geben könnte.

Dienstag, 02.03.2021, 07:02 Uhr
Andrej und Melissa Magos erwarten von den Politikern eine Öffnungsperspektive für Fitnessstudios. Fotos: Archiv Foto: az

Nach jedem Corona-Gipfel von Bundesregierung und Ministerpräsidenten hätten sie Pläne erwartet, die eine sinnvolle Wiedereröffnung möglich machen. „Und doch stehen wir wieder mit leeren Händen da“, sagt Andrej Magos. Selbst der Reha-Sport könne nicht durchgeführt werden. Seiner Meinung nach übersieht die Politik bei ihren Entscheidungen die Langzeitfolgen der inaktiven Menschen und der unzureichenden Bewegung.

„Die Würde des Menschen hört da auf, wo Schmerz und Krankheit beginnen.“ Hinter diesem Zitat von Birgit Schwarze, der Präsidentin des Arbeitgeberverbandes deutscher Fitness- und Gesundheitsanlagen, steht Magos voll und ganz.

Die Fitness- und Gesundheitsbranche leiste einen wertvollen Beitrag für die Volksgesundheit. Magos kann nicht verstehen, warum die Politiker das nicht in die Waagschale geworfen haben.

Das beste Mittel zur Stärkung des Gesundheits- und Immunsystems sei doch das gezielte Training der Muskulatur. „Durch Sport kann man seine Lunge stärken“, betont er. Seine Mitglieder würden sehr darunter leiden, dass sie aktuell ihr Fitness-Training nicht im Studio absolvieren können.

In der Zwischenzeit versucht Andrej Magos, den Betrieb, so gut es geht, „über Wasser zu halten“, wie er sagt. Zum Glück sei es an einem der drei Standorte der Vitadromgruppe, in Reken, möglich, Physiotherapie anzubieten. Aber die Tore in Gescher und Coesfeld sind seit Anfang November komplett dicht.

Manche Kunden seien verunsichert, gar verängstigt, andere wiederum würden den Lockdown auch in Bezug auf den Wegfall des Trainings im Fitness-Stadion als starken Eingriff in ihre Persönlichkeitsrechte betrachten. Es gehe schließlich auch um Gesundheitsvorsorge, die in Gefahr sei, macht Magos deutlich.

„Wir haben keine Möglichkeit zum Außer-Haus-Verkauf, wie ihn die Gastronomie zum Teil praktiziert“, sagt der Geschäftsmann. Auch das Konzept „Click & collect“ wie im Einzelhandel komme nicht in Frage.

Für Andrej Magos ist klar: „Wut kostet zu viel Energie.“ Die Wut sei inzwischen der Resignation gewichen. Er setzt darauf, dass der Druck auf die Politik branchenübergreifend erhöht wird, um einen Weg aus dem Lockdown zu bahnen. „Auch wenn es nur in eingeschränkter Form ist, wäre das gut“, fügt er hinzu.

Mareen Gauselmann, Inhaberin von MG Sports, hat es im März 2020 bereits das erste Mal kalt erwischt. Erst im Januar 2020 hatte sie das Fitness-Studio übernommen. Nach dem Ende des ersten Lockdowns habe sie ihr Hygienekonzept mit Erfolg umgesetzt. Für das tausend Quadratmeter große Fitnessstudio konnte sie eine Einbahn-Regelung einführen. Die Mitglieder sind durchs Treppenhaus ins Studio gelangt, und über den Aufzug haben sie den Heimweg angetreten.

Sie macht sich vor allem große Sorgen um ihre Mitglieder. Manche hätten starke Rückenprobleme und könnten seit langem nicht trainieren. Vor allem für einige ältere Mitglieder sei im Lockdown ein wichtiger Sozialkontakt weggefallen. Mareen Gauselmann versucht, so gut es geht, Kontakt zu ihren Mitgliedern zu halten. Und diese würden ihrerseits, ihr immer wieder Mut zum Durchhalten machen.

„Das berührt mich sehr“, sagt Mareen Gauselmann. Aktuell gebe es Online-Kurse per Zoom-Konferenz. Aber das sei natürlich keine Dauerlösung. Sie betont auch, dass sie großes Glück mit ihrem Vermieter habe, der viel Verständnis für ihre Situation aufbringe.

Sie sei mit MG Sports startklar, auch für eine spontane Öffnung, die sie sich noch im März erhofft. Das gilt auch für das Gesundheitszentrum alamed am Campus, deren Fitness- und Kursabteilung ebenfalls seit vier Monaten geschlossen ist.

Inhaber Grego Braakhuis weist auf die möglichen massiven gesundheitlichen Folgen für die Bevölkerung hin. Er sei mit seinem Team auf jeden Fall dafür gewappnet, nach der Wiedereröffnung dem hohen Nachholbedarf an Fitnessangeboten gerecht zu werden.

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