Umwandlung von Ladenlokalen in Wohnraum nicht erwünscht
„Wir vermissen eine klare Vision“

Gescher. Noch gibt es keine Entscheidung darüber, ob das ehemalige Ladenlokal im Gebäude Kirchplatz 4 (ehemals Modehaus Völker) in Wohnraum umgewandelt werden darf. Der Ausschuss für Bauen, Planen, Stadtentwicklung und Digitalisierung hat den Tagesordnungspunkt in der jüngsten Sitzung einstimmig vertagt. Die Eigentümerin der Immobilie hatte einen Befreiungsantrag gestellt, weil in dem Kerngebiet Wohnungen nur oberhalb des Erdgeschosses zulässig sind. Es gilt dort der Bebauungsplan Heckenweg.

Montag, 03.05.2021, 06:04 Uhr
Seit August 2018 steht das Ladenlokal am Kirchplatz 4 (roter Kreis) in Gescher leer. Knapp sieben Jahre war dort das Modehaus Völker (kleines Bild) ansässig. Die Eigentümerin der Immobilie wünscht eine Umwandlung des Ladenlokals in Wohnraum. Foto: Archiv; Karte: stepmap/mr

Der Entscheidung des Ausschusses, noch keinen Beschluss zu fassen, ging eine lebhafte Diskussion voran. Dominikus Bartusch (CDU) kommentierte: „Wir vermissen eine klare Vision darüber, wie sich die Innenstadt entwickeln soll.“ Der Christdemokrat warnte vor „Stückwerk“. Einem Befreiungsantrag zuzustimmen, könnte einer Förderung im Rahmen des Zentrenmanagements entgegenstehen. Bartusch sah die Gefahr, dass man einen Präzedenzfall schaffen könnte, sodass andere Immobilieneigentümer in der City daraus einen Rechtsanspruch auf Wohnnutzung im Erdgeschoss ableiten könnten.

Bürgermeisterin Anne Kortüm erläuterte, dass der Stadt deshalb daran gelegen sei, bereits im Vorfeld einer solchen Entwicklung entgegenzuwirken. Um gegenzusteuern, plane die Stadt Gescher, an einem Sofortprogramm teilzunehmen, das das Land NRW zur Stärkung der Innenstädte und Zentren aufgelegt habe. Einstimmig habe sich der Haupt- und Finanzausschuss dafür ausgesprochen, diesen Antrag – wie von der CDU im Dezember 2020 angeregt – auf den Weg zu bringen. Bei Gesamtkosten von 372 000 Euro muss die Stadt einen Eigenanteil von zehn Prozent – also 37 200 Euro – übernehmen. Die Summe soll auf die Haushaltsjahre 2021 bis 2023 verteilt werden.

Aktuell würden in Gescher 18 Ladenlokale leerstehen, weitere seien von einem Leerstand bedroht, sagte die Bürgermeisterin. Die Stadt habe bereits mit ersten Interessenten gesprochen, die sich vorstellen könnten, ein Ladenlokal, das die Stadt zuvor angemietet habe, für zwei Jahre von der Stadt zu mieten. Das sei Bestandteil des Konzeptes. Der Förderantrag sei bereits gestellt. Anne Kortüm geht davon aus, dass die Stadt Gescher kurzfristig Zutritt in die Förderkulisse bekommt.

Günter Effkemann (Grüne) mahnte dennoch dazu, wachsam zu bleiben. Das Ladenlokal Kirchplatz 4 sei bereits das vierte, das in Wohnraum umgewandelt werden soll. Ein ähnliches Vorhaben sei bereits direkt angrenzend (Kirchplatz 3) umgesetzt worden. Man müsse aufpassen, dass Gescher nicht zur „Schlafstadt“ werde.

Klaus Schonnebeck (SPD) sprach sich gegen die Umwandlung des Ladenlokals in Wohnraum aus. „Ein solches Vorhaben in exponierter Lage geht gar nicht“, kommentierte er. Ziel müsse es sein, die Innenstadt zu stärken. Es gebe noch erheblichen Beratungsbedarf.

Christoph Gand (FDP) meinte zum Aufschub der Entscheidung über die Immobilie Kirchplatz 4: „Wir schließen uns dem Moratorium an, bevor wir konzeptlos handeln.“

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