Wie sich die Corona-Krise auf die mobile Pflege auswirkt
Betreuung nur mit Schutzausrüstung

Rosendahl. Auch wenn die ambulanten Pflegedienste ihren Aufgaben trotz der Corona-Krise nachkommen können und müssen – ganz sorglos geht die aktuelle Situation an ihnen nicht vorbei. „Wir warten schon seit Wochen auf neue Materiallieferungen“, sagt Timm Klöpper, Geschäftsführer und Pflegedienstleiter von Quercus in Holtwick. Insbesondere Nasen-Mund-Schutze seien es, die momentan nur in geringen Mengen zur Verfügung stünden. „Mit Beginn der Krise haben wir uns zum Schutz unserer Patienten und unserer Mitarbeiter dazu entschiedenen, die Wohnungen nur noch mit dem Mundschutz zu betreten“, informiert Timm Klöpper weiter.

Mittwoch, 08.04.2020, 16:20 Uhr
Mit Mund-Nasenschutz-Masken im Gepäck machen sich (von links) Bernadette Brockhoff, Elke Nadirk, Philipp Brockhoff (Geschäftsführung und Pflegedienstleitung von Phil Cura) sowie Stefanie Billen von dem ambulanten Pflegedienst auf den Weg zu ihren Kunden. Foto: privat

Eine Maßnahme, die auch der Pflegedienst Phil Cura aus Osterwick seit längerer Zeit pflegt. „Auch selbstgenähte Schutzmasken stehen uns zur Verfügung, für den Fall, dass die Ressourcen mal nicht mehr nur knapp, sondern schlicht nicht mehr vorhanden sind“, sagt Geschäftsführer und Pflegedienstleiter Philipp Brockhoff. Bislang habe es erst einen Patienten, der durch Phil Cura betreut wird, gegeben, bei dem der Verdacht einer Infektion bestand – dieser aber letztendlich nicht bestätigt wurde. „Für diesen Fall gibt es einen innerbetrieblichen Pandemieplan, welcher beispielsweise beinhaltet, dass die erweiterten Schutzmaßnahmen ausgebaut werden wie das Tragen von Schutzanzügen, FFP2-Masken und Schutzbrillen“, informiert Brockhoff.

Anders als bei üblichen Atemschutzmasken sind in den FFP2-Masken Filter eingearbeitet, die das Ansteckungsrisiko auch für den Träger minimieren sollen. Weiterhin werden diese Maßnahmen bedarfsgerecht angepasst – nach den Empfehlungen des Robert-Koch-Institutes. „Zusätzlich stehen wir in engem Kontakt mit dem Kreisgesundheitsamt, von dem wir regelmäßig mit aktuellen Informationen versorgt werden“, teilt Brockhoff weiter mit.

„Bei uns gab es bislang zum Glück keine Patienten, die sich mit dem Virus angesteckt haben“, sagt Timm Klöpper. Auch dem Pflegedienst Quercus stehen mehrere FFP2-Masken zur Verfügung. „Diese nutzen wir momentan wegen der Lieferengpässe nur bei Patienten, die Lungenprobleme haben“, so Klöpper.

Die Versorgung ihrer Patienten ist durch die ambulanten Pflegedienste somit gesichert – dennoch macht Brockhoff auf ein Problem aufmerksam: „Leider werden ambulante Pflegedienste in der öffentlichen und politischen Diskussion oft schlicht vergessen, die Bedürfnisse von Krankenhäusern und stationären Pflegeeinrichtungen stehen meist im Vordergrund.“ Dabei seien es gerade die ambulanten Pflegedienste, die den absoluten Großteil der Pflege – nämlich im Zuhause des Pflegebedürftigen – sicherstellen. „Häufig wohnen diese Menschen alleine und sind stark eingeschränkt. Diese Tätigkeiten werden aktuell zusätzlich von ambulanten Pflegediensten übernommen. Hinzu kommt die soziale Isolation“, sagt Brockhoff. Aufgrund der Kontaktbeschränkungen sei die Pflegekraft häufig der einzige Kontakt nach außen. „So gehören auch Aufmunterungen und ein offenes Ohr bei Problemen und Sorgen zu unseren täglichen Aufgaben“, führt Brockhoff aus.

Er wünscht sich für die Zukunft, „dass das Berufsbild der Pflegekraft auch nach der aktuellen Krisensituation in der Gesellschaft die Anerkennung erhält, welche es verdient.“

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