Landwirt Henrik Althues erklärt den Weg vom Eierlegen bis zum bunten Osterei
„Ostern ist der Höhepunkt bunter Eier“

Holtwick. Kaum hat Henrik Althues die Weide betreten, kommen seine Hühner, die sich gerade draußen aufhalten, gackernd angelaufen. „Die kennen mich natürlich“, sagt er. Er nimmt eines auf den Arm und deutet auf das Ohrläppchen: „Die Ohrscheibe ist rot. Das heißt, dass das Huhn braune Eier legt“, erklärt er.

Freitag, 10.04.2020, 10:00 Uhr aktualisiert: 10.04.2020, 10:02 Uhr
Viele Schritte braucht es, bis das Ei vom Legen zu einem bunten Osterei wird. Henrik Althues und sein Sohn Florian zeigen die Eier – bereit, um sie ins heimische Osternest zu legen. Fotos: Leon Seyock Foto: az

Wäre dieses weiß, würde das Huhn weiße Eier legen. Althues streichelt dem Huhn einmal über den Kopf und lässt es dann wieder laufen. Denn seine Hühner möchte er nicht an zu viel Nähe gewöhnen.

Aber ganz egal, ob weiße oder braune Eier: In diesen Tagen kann jedes Ei gebraucht werden. „Vor Weihnachten und vor Ostern haben wir immer am meisten zu tun“, sagt der Landwirt. Eier sortieren, verpacken, zur Färberei und anschließend in den Verkauf geben: „Der Alltag ist streng getaktet.“ Althues gibt einen Einblick in die Schritte, die es braucht, bis das gelegte Ei mit bunter Farbe auf dem Osterteller landet.

Acht bis neun Stunden nach Sonnenuntergang beginnt ein Huhn mit der Eiablage – in Nester, die mit Kunstrasen ausgefüllt sind. Je nach Jahreszeit legen die Tiere unterschiedlich viele Eier. An gleicher Stelle im Stall gibt es Futter und Wasser – „so legen die Hühner ihre Eier ohnehin dort ab“, erklärt Althues. Und trotzdem ist ein regelmäßiger Gang durch den Stall drei Mal täglich für Familie Althues unabdingbar: „Es klingt banal, aber es ist eine wichtige Aufgabe, die Eier einzusammeln, die nicht in die Nester gelegt werden“, sagt der Landwirt. Vor allem draußen auf der Weide gingen Eier schnell kaputt, „und die Hühner sollen gar nicht erst wissen, dass Eier lecker sind“, lacht Althues.

Auf einem Fließband kommen die Eier in einem Nebenraum an. „Dort werden die kaputten aussortiert. Die restlichen Eier legen wir auf Paletten.“ Diese gelben Kunststoff-Paletten, wenn sie mit mehreren Hundert frischen Eiern gefüllt sind, werden anschließend in eine Halle nebenan gebracht. Dort entscheidet sich nach einem weiteren Sortiervorgang und dem Stempeln schließlich, wie es mit dem Ei weitergehen soll: Geht es in die Direktvermarktung? Wird es für Großhändler verpackt? Oder – wie es in diesen Wochen am häufigsten der Fall ist – soll es eingefärbt werden? Dies passiert übrigens nicht nur in der Osterzeit: „Wir lassen Eier das ganze Jahr über färben. Denn gekocht und gefärbt sind sie ab dem Färbetag bis zu 35 Tage haltbar – das ist praktisch für ein Picknick“, erwähnt Henrik Althues als Beispiel. „Nur zu Ostern wollen eben viele Menschen bunte Eier haben.“ Am besten eignen sich zum Färben übrigens Eier von jungen Hühnern. Warum? „Diese Eier haben die dickste Schale“, erklärt der Landwirt.

Kommen die frischen Eier in einer der Färbereien in Schöppingen oder Marbeck bei Heiden an, werden sie zunächst gekocht. Das passiert allerdings nicht wie zuhause in kochendem Wasser, sondern gleicht einem Wasserdampfbad: „Neun bis zehn Minuten werden die Eier so gegart“, sagt Althues. Direkt im Anschluss kommt die Färbung – dazu laufen die Eier über Farb- oder Spritzbänder. „Da entstehen dann die tollsten Farben, auch Regenbogenmuster sind möglich.“

Doch ein Problem gibt es: Durch die Färbung wird die Schale für Luft undurchlässig und schließt die Wärme im Ei ein. Deshalb kommen die Eier einige Zeit in einen Kühltunnel – denn eines soll stets vermieden werden: „Kühlt das Ei nicht richtig aus, wird das Eigelb dunkel“, erklärt der Landwirt. Das ist ein chemischer Prozess und für die menschliche Gesundheit völlig unbedenklich, „dennoch sieht es nicht schön aus und man will das Ei nicht mehr so gerne essen.“

Die bunten Eier, bereit zum Genießen, werden nun auf die Lagen gepackt und zurück zum Hof gebracht. Ein bis zwei Tage dauert dieser Prozess.

„Ostern ist definitiv der Höhepunkt bunter Eier“, sagt Henrik Althues, während er auf der Weide seine gackernden Hühner begutachtet – und zurück an die Arbeit muss. Denn genug zu tun ist auf dem Hof allemal.

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