Erzieher und Träger der Kindergärten stehen immer wieder vor neuen Herausforderungen
„Wünschen uns den alten Alltag zurück“

Rosendahl. Man stelle sich vor, man ist dem dem Auto auf der Straße unterwegs. „Und ständig ändern sich die Verkehrsregeln, nach denen man entsprechend agieren muss“, sagt Christoph Schlütermann, Geschäftsführer der DRK-Kindertageseinrichtungen im Kreis Coesfeld gGmbH. Mit diesem Vergleich weist er auf die Situation hin, in denen sich die Träger der Kindertagesstätten befinden würden – und das nicht erst seit gestern.

Dienstag, 19.05.2020, 06:00 Uhr aktualisiert: 19.05.2020, 06:02 Uhr
Bis in den Kindertagesstätten wieder volles Haus und Action einzieht – so wie hier bei der Einweihung der Kita „Panama“ – wird noch einige Zeit verstreichen. Schrittweise sollen die Kinder zurückkommen. Doch gerade das stellt die Träger und Erzieher vor Herausforderungen. Foto: Archiv

Die Einrichtungen in Rosendahl sind zum Teil in Trägerschaft des Deutschen Roten Kreuzes, zum anderen Teil in der Hand der Kirchengemeinde. Seit Schließung der Einrichtungen am 16. März verlange es vor allem auch den Eltern viel ab, die Kinder zuhause zu betreuen, wie Eva Lange, Leiterin der Kita Ss. Fabian und Sebastian in Osterwick, betont: „Eltern kommen an ihre Grenzen und können eine stetige Betreuung zuhause einfach nicht mehr leisten.“ Das bestätigt auch Schlütermann: „Wir wissen, dass der Betreuungsbedarf da ist und es in einigen Familiensituationen brenzlig wird.“

Rückblick: Seit Beginn der Corona-Pandemie galt in Kindertagesstätten die Notbetreuung. Diese durfte in Anspruch genommen werden, wenn beide Elternteile in sogenannten systemrelevanten Berufen arbeiten, beispielsweise im Gesundheitswesen. Schrittweise sollte dann das Angebot der Betreuung weiter aufgenommen werden. „Mitte April kam die erste Lockerung. Dann durften auch die Kinder in die Kita kommen, wenn nur ein Elternteil zu dieser Berufsgruppe gehört“, spricht Lange für die kirchlichen Einrichtungen in der Gemeinde. Seit Donnerstag ist nun wiederum eine andere Verordnung in Kraft, die das Ministerium für Kinder, Familie, Flüchtlinge und Integration des Landes erlassen hat. „Auch Kinder mit besonderem Betreuungsbedarf, Kinder aus sozial schwachen Familien oder die von einer Behinderung bedroht sind, werden nun ebenfalls betreut“, berichtet Christoph Schlütermann. In Osterwick seien das rund zehn bis zwölf Kinder, in Holtwick und Darfeld jeweils fünf bis sechs Kinder, die aktuell in allen Einrichtungen betreut werden.

In Zeiten der Corona-Pandemie sei vor allem Spontaneität gefragt: „Es ist irre, was wir an Verordnungen bekommen, die wir dann spontan umsetzen müssen“, berichtet Schlütermann aus dem Alltag. „Wir müssen uns zudem an dem Hol-Prinzip bedienen“, bemängelt er die zum Teil fehlenden Informationen zur Umsetzung der Vorgaben von der Landesregierung, die er deshalb selbst in Erfahrung bringen müsse. Hinzu komme, dass „die Auflagen teilweise recht schwammig sind“, ergänzt Eva Lange.

Besonders dankbar zeigt sich Schlütermann über den Einsatz der Erzieher: „Sie leisten Großes, indem sie alle Konzepte, etwa die der Hygiene, passend umsetzen.“ Wie Eva Lange beschreibt, sei das aber alles andere als einfach, „denn drei bis vier Erzieher pro Haus gehören zur Risikogruppe, werden also nicht eingesetzt.“ Und dennoch sei es gerade die Arbeit, die im Hintergrund läuft, die so wertvoll ist: „Es müssen immer wieder neue Dienstpläne erstellt werden, wir versuchen per Post mit den Familien in Kontakt zu bleiben oder bereiten das kommende Kindergartenjahr vor“, gibt Lange einen Einblick in den aktuellen Alltag, der ein ganz anderer geworden ist.

Eine „große Herausforderung“ kommt am 28. Mai auf die Einrichtungen zu, blickt Lange in die nähere Zukunft. Denn ab diesem Tag sollen alle Kinder zurück in die Kindertagesstätten kommen, die im Sommer in die Schule wechseln. Pro Einrichtung seien das rund 30 Kinder. Das Einhalten der Hygienemaßnahmen sei nur eine der Schwierigkeiten, die es dann zu bewältigen heißt. „Schon jetzt beginnt jeder Tag mit dem Hände waschen“, berichtet Lange. „Besonders bei den älteren Kinder ist das Bewusstsein da.“ Doch Sicherheitsabstände im Kindergarten einzuhalten, sei unmöglich. „Auch Masken tragen wir nicht. Das verschreckt die Kinder.“ Dennoch versuchen die Einrichtungen, die Kontakte zu den Eltern möglichst einzuschränken. Schlütermann: „So werden die beliebten Tür-Angel-Gespräche zunächst wegfallen. Er und Eva Lange appellieren an die Vernunft die Eltern, sich besonnen zu verhalten, wenn sie ihre Kinder zur Einrichtung bringen beziehungsweise wieder abholen.

„Das ist eine Situation, wie wir sie noch nie hatten“, resümiert Christoph Schlütermann. Und einen sehnlichen Wunsch hat Eva Lange: „Wir wünschen uns unseren alten Alltag zurück. Mit allen Kindern.“

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