Stoffhändlerin Kristin Franke wegen Corona mit 90 Prozent Umsatzverlust
Autobahn-Leben komplett ausgebremst

Darfeld. Sie führen ein Leben auf dem Sprung, sind fünf Tage die Woche unterwegs in ganz Deutschland – „wir leben quasi auf Autobahnen und in Hotelzimmern“, scherzt Kristin Franke. Gemeinsam mit ihrem Lebenspartner Denis Müller stellt die gelernte Industriemeisterin für Textilwirtschaft ihre bunten Stoffe auf deutsch-niederländischen Stoffmärkten aus – normalerweise. Aktuell hat das Coronavirus die beiden stark ausgebremst.

Mittwoch, 27.05.2020, 05:42 Uhr
Aktuell bietet Kristin Franke ihre bunten Stoffe nicht wie gewohnt auf Märkten, sondern in den eigenen vier Wänden an. Schließlich sind seit dem 10. März alle Märkte abgesagt. Foto: Leon Eggemann

Aber von Beginn an: Mit ihrem Geschäft hat Kristin Franke vor zehn Jahren in Münster begonnen. Im Ladenlokal in der Münsteraner Innenstadt wurde es dann allerdings zu klein, ein neuer Standort musste her. „Am liebsten war uns ein ruhiger Ort, wir sind ja sowieso nur zwei Tage die Woche zu Hause“, erzählt Kristin Franke. Seit Ostern wohnt das Paar nun in Darfeld. „Es ist ein Segen, in der Krise nach Darfeld gekommen zu sein“, freut sie sich. „Wir wurden wirklich mit offenen Armen empfangen. Viele haben bei uns bereits Stoffe gekauft.“ Eine positive Entwicklung in einer schwierigen Zeit. Statt beispielsweise an der Ostsee auszustellen, müssen die Unternehmer zu Hause ausharren – alle Märkte sind seit dem 10. März abgesagt. „Durch Corona haben wir Umsatz-Einbußen von 90 Prozent“, verrät Kristin Franke. „Sich so über Wasser zu halten, wäre nicht möglich gewesen.“ Besonders ärgerlich: Anfang März hatte sie noch Stoffe für acht Märkte gekauft, die dann nicht mehr angeboten werden konnten.

Wie viele andere Unternehmer hat sie daraufhin einen Antrag auf Soforthilfe bei der Bezirksregierung Münster gestellt, der auch schnell bewilligt wurde. „Wir haben vier Anläufe gebraucht bis die Internetseite geladen war, weil die Seite immer wieder zusammengebrochen ist“, berichtet Kristin Franke. Genutzt haben sie die Gelder, um ihre laufenden Kosten zu decken.

Anstatt die Krisen-Situation weiter auszusitzen, hat sich das Paar ein kreatives Alternativ-Angebot überlegt. „Wir verkaufen unsere Stoffe in unserem Haus“, erklärt Denis Müller. So haben Kunden die Möglichkeit, per Telefon einen Termin auszumachen – der Kontakt findet sich unter www.kristin-franke.de. Besonders beliebt seien die selbstgenähten Stoffmasken. „Andere haben Stoffe gekauft, um selbst welche zu nähen“, ergänzt die Neu-Darfelderin und betont: „Natürlich achten wir strikt auf die geltenden Hygiene-Maßnahmen.“

Wie es allerdings in Zukunft weiterläuft, wisse sie nicht. „Wir hoffen, dass möglichst bald mit weiteren Lockerungen Stoffmärkte wieder erlaubt sind“, sagt Kristin Franke. „Persönlich rechnen wir damit, dass wir erst, wenn Großveranstaltungen wieder erlaubt sind, wieder unterwegs sein dürfen.“ Bis dahin haben sich beide schon Gedanken gemacht, wie sie ihr Geschäft schrittweise wieder hochfahren. „Wenn es irgendwann erlaubt ist, wollen wir 'Stoffpartys' anbieten“, gibt Kristin Franke einen Ausblick. Bis dahin freue man sich weiter über jeden Gast. „Im Haus herrscht eine ganz andere Atmosphäre als auf einem Markt. Ich kann mir viel mehr Zeit für die Kunden nehmen“, sieht sie auch Positives in der Krise. Schließlich komme sie so immer wieder mit Darfeldern ins Gespräch. „Eine tolle Möglichkeit, um die Leute aus dem Ort näher kennenzulernen“, freut sich Kristin Franke. „So müssen wir nicht erst auf das nächste Schützenfest warten.“

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