Interview mit Sebastian Meyer über die anhaltende Trockenheit
Wald-Umbau 2.0 ist eingeleitet

Rosendahl. Die anhaltende Trockenheit und damit verbundene Plagen machen der Natur immer weiter zu schaffen. Vielerorts leiden gesamte Biotope. Doch wie sieht es konkret in der Rosendahler Natur aus? Redaktionsmitglied Leon Eggemann sprach darüber mit Sebastian Meyer, Leiter des Hegerings Rosendahl.

Freitag, 29.05.2020, 05:52 Uhr
...im Gegensatz dazu leidet 100 Meter Luftlinie entfernt eine Baumgruppe von Eschen, von denen manche bereits ihre Krone verloren haben. Fotos: Leon Eggemann Foto: az

Herr Meyer, wie ist es um die Rosendahler Natur bestellt?

Sebastian Meyer: Es sieht mittlerweile sehr dramatisch aus. Die Bäume leiden extrem unter der Trockenheit und der hohen Schädlingsbelastung durch beispielsweise Borkenkäfer oder Eichenprozessionsspinner. Normalerweise würde ein kalter und nasser April die Schädlinge in ihrer Fortpflanzung behindern, die Trockenheit dagegen begünstigt eine Massenvermehrung gegen die sich die Bäume kaum zur Wehr setzen können. Wir befinden uns bereits im dritten Trockenheitssommer in Folge, eine stetige Steigung von Schäden ist klar erkennbar.

Wie wird versucht, diese Entwicklung zu stoppen?

Sebastian Meyer: Wir versuchen intensiv dagegen zu steuern und befinden uns in einem Wald-Umbau 2.0. Dadurch, dass heimische Bäume wie Fichten, Buchen oder Eichen sehr stark betroffen sind, wird bereits teilweise auf Baumarten gesetzt, die trockenere Verhältnisse gewohnt sind, die Schwarznuss oder die Edelkastanie beispielsweise. Ich muss es leider so drastisch sagen: Wenn es mit der Trockenheit so weitergeht, werden wir auf Dauer gewisse Baumarten verlieren. Das ist allerdings ein langer Prozess und passiert nicht in zwei, drei Jahren.

Dabei hat es doch im Frühjahr mehrfach starke Regenfälle gegeben...

Sebastian Meyer: Das ist richtig. Trotzdem ist der Grundwasserspiegel weiter niedrig und ist in den vergangenen Jahren stetig gesunken. Auch wenn es im Frühjahr öfter geregnet hat, es fehlen gut verteilte Regenfälle über das gesamte Jahr verteilt.

Wie genau erkennen Sie, ob ein Baum gut gedeiht oder eben von einem Schädling betroffen ist?

Sebastian Meyer: Es gibt bestimmte Signale, die sehr gut sichtbar sind. Wenn die Kronen beispielsweise so licht sind, dass ich problemlos durchschauen kann, weiß ich, dass der Baum nicht gesund ist. Ein weiteres Anzeichen sind verkleinerte Blätter. Dabei handelt es sich um eine Schutzfunktion des Baumes durch die stetige Sonneneinstrahlung. Je kleiner das Blatt, desto geringer die Verbrennungsgefahr. Im allerschlimmsten und auffälligsten Fall brechen die gesamten Baumkronen ab. Das ist hier vor Ort gerade bei Buchen vermehrt vorgekommen. Uns sind dabei die Hände gebunden. Ich muss schon sagen: Wenn man einen alten Buchenbestand sterben sieht, dann bricht das einem schon das Herz.

Wie ist es denn zurzeit um die Tierwelt gestellt? Ist diese ebenso von der Trockenheit betroffen?

Sebastian Meyer: Diese hat tatsächlich auch positive Effekte auf die Tierwelt. Aktuell können nämlich Insekten besser gedeihen, die die Nahrungsgrundlage vieler Tiere wie Fasane oder auch Rebhühner bilden. Ebenso fühlen sich im Brutgeschehen hier mittlerweile wieder Tiere wie Feldlerchen, Kibitze oder Feldhasen wohl. Dieses Vorkommen zeigt, dass der Standort Rosendahl weiter einen positiven Lebensraum bietet.

Und was passiert, wenn sich gewisse Populationen zu stark vermehren?

Sebastian Meyer: Dann kommt es zu einer gezielten Regulierung, so dass der Waldumbau gelingen kann. Grundsätzlich gilt, dass auf wiederbewaldeten Flächen eine gezielte Bejagung unabdinglich ist, um sowohl das Waldgebiet als auch die Populationsdynamiken zu schützen. Schließlich soll Rosendahl weiter ein ansprechender und im wahrsten Sinne des Wortes lebenswerter Lebensraum bleiben.

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