Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die Finanzen der Gemeinde
„Projekte mit Augenmaß weiterführen“

Rosendahl. Die Corona-Krise hat nicht nur das private, sondern besonders auch das berufliche Leben vieler stark ausgebremst: Eine Menge Unternehmen haben Kurzarbeit angemeldet, und auch wie es mit zukünftigen Aufträgen aussieht, ist noch äußerst ungewiss. Unter diesen aktuellen Gegebenheiten leiden auch die Finanzen der Gemeinde. Allerdings müssen geplante Projekte bisher nicht vorerst gestoppt werden.

Samstag, 30.05.2020, 05:30 Uhr
Trotz ausfallender Zahlungen und möglicher finanziell härterer Zeiten verfügt die Gemeinde Rosendahl über ein Liquiditäts-Polster – geplante Projekte sollen mit Augenmaß weitergeführt werden. Foto: Leon Eggemann

„Nach aktuellem Stand müssen wir wohl auf Gewerbesteuer-Einnahmen im mittleren sechsstelligen Bereich verzichten“, erklärt Bürgermeister Christoph Gottheil. Zahlungen, die für 2020 ausfallen, könnten allerdings mit Nachzahlungen aus den vergangenen zwei Jahren aufgefangen werden. „Das ist allerdings nur eine Momentaufnahme, wir müssen trotzdem weiter Obacht geben“, warnt er. Letztlich bleibe abzuwarten, ob sich möglicherweise durch eine gewisse Vorsicht von Kunden die Auftragslage der Rosendahler Unternehmen verändere. „Gleiches gilt für die Anteile der Einkommens- und Umsatzsteuer“, ergänzt Gottheil. „Ganz entscheidend ist dabei die Frage, wie viele Menschen wie lange in Kurzarbeit bleiben.“ Natürlich sei es wünschenswert, wenn Unternehmen im kommenden dritten Jahres-Quartal möglichst viele Aufträge bekommen, da sich dadurch alle Steuereinnahmen erhöhen würden – ob dies allerdings auch passiert, steht in den Sternen.

Um Privatpersonen und Unternehmen in der Krise zu unterstützen, wurde seitens der Gemeinde die Möglichkeit geschaffen, Anträge auf zinslosen Stundungen entgegenzukommen. „Grundsätzlich hat ein Großteil der Rosendahler die Steuer- und Gebührenbescheide, auch wenn es eng wurde, gezahlt – das zeigt die Zahlungsmoral der Bürger“, lobt Gottheil.

Wie sehr die Entwicklungen der Krise die Gemeinde auch in den kommenden Jahren beschäftigen wird, müsse ebenfalls abgewartet werden. Schließlich könnten auf Dauer Zuwendungen vom Land gekürzt werden. „Fraglich ist auch, ob dem Kreis ein großer Ertrag wegbricht“, ergänzt Gottheil. Falls dies geschehen sollte, müssen die elf Kommunen wohl mehr Geld in die sogenannte Kreisumlage einzahlen. „In diesem Jahr zahlen wir bereits 6,5 Millionen“, sagt der Bürgermeister. „Eine Erhöhung entscheidet auch, wie sich der Gemeinde-Haushaltsplan zusammenstellt.“ Hinzukommt, dass unter anderem im Schulbereich höhere Kosten durch fortlaufende Hygienemaßnahmen entstehen, ebenfalls fallen Kulturveranstaltungen weiter aus.

Trotz möglicher höherer Ausgaben, hat Gottheil auch gute Nachrichten: „Durch die guten wirtschaftlichen Strukturen in den vergangenen Jahren haben wir ein Liquiditäts-Polster von neun Millionen Euro“, schildert er. Dieses Geld soll weiter in Projekte für das Haushaltsjahr 2020 und darüber hinaus investiert werden. Hinzukommen massig Förderanträge, unter anderem für alle drei Flutlichter der Rosendahler Sportvereine, zwei Feuerwehrgeräte-Häuser in Darfeld und Osterwick sowie einer Zaunanlage am Darfelder Sportplatz – etliche Bewilligungen von Leader-Anträgen liegen ebenfalls vor (wir berichteten). „Wir wollen unsere Projekte mit Augenmaß weiterführen und nicht voreilig erste Vorhaben kippen“, macht Gottheil deutlich. Aber: „Die aktuelle Situation muss dennoch kritisch im Blick behalten werden.“ Auch wenn das Virus vorerst keine Baumaßnahmen stürzt, werde es wohl zu Projektverzögerungen kommen. So können die Bürgerbeteiligungen zu den Ortsdurchfahrten von Holtwick und Osterwick noch nicht stattfinden, erläutert Gottheil: „In diesen Fällen würde es mit Online-Bürgerabstimmungen wohl zu kompliziert werden.“

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