Zu Besuch im Dahliengarten Legden
In ein Meer aus Dahlien abtauchen

Legden. Gerade erst das Eingangstor passiert, kitzelt der frische Duft von Lavendel in der Nase. Mit mehreren ovalförmigen Hochbeeten, prall gefüllt mit der in Lilafarben blühenden Pflanze, werden Blumenliebhaber begrüßt. Der Blick schweift durch den großzügigen Garten und bleibt an den Beeten hängen, die im hinteren Teil des Areals angelegt sind und in den verschiedensten Farben leuchten. Die Dahlienpracht zieht alle Blicke auf sich. „Herzlich willkommen im Dahliengarten“, lächelt Angelika Hoffmann.

Mittwoch, 29.07.2020, 06:00 Uhr
1800 Dahlien blühen zur Zeit der Hochblüte im Dahliengarten Legden. Wiesen und Sitzgelegenheiten laden zu einem Picknick ein, außerdem gibt es Spielgeräte für Kinder und einen Bücherschrank. Foto: privat

Sie ist die Erste Vorsitzende des Vereins Dahliengarten Legden, der sich ehrenamtlich um die Gestaltung, Bepflanzung, Pflege, Bewässerung und vieles mehr kümmert. Nur durch diese Arbeit – der Verein zählt rund 25 aktive Helfer und insgesamt 70 Mitglieder – präsentiert sich der Dahliengarten von seiner schönsten Seite. „Die Beete“, erläutert Hoffmann bei einem kleinen Spaziergang durch die Anlagen, „sind in verschiedene Themen unterteilt.“ So können Gäste etwa das historische Blumenbeet begutachten, in denen Dahlien aus dem 19. Jahrhundert wachsen. „Diese hüten wir wie ein Augapfel“, merkt Hoffmann mit einem Zwinkern an. Auch Dahlien, benannt nach den Dahlienköniginnen, die in Legden in den vergangenen Jahren gekürt wurden, blühen in diesen Tagen in ihrer schönsten Pracht.
Ob groß oder klein, mit kugelrunder Blüte – die Pompon-Dahlie – oder mit spitzen Blütenblättern, ob grell leuchtend oder dunkel blühend: „Wir möchten hier die gesamte Bandbreite der Dahlie zeigen“, erläutert Angelika Hoffmann.
Dass das dem Verein geglückt ist, davon kann sich jeder Besucher selbst überzeugen. Insgesamt über 180 verschiedene Pflanzen aus 1800 Knollen bringen den Dahliengarten zum Blühen. Die Züchter stammten aus aller Welt, „viele aus Deutschland oder den Niederlanden kennen wir mittlerweile persönlich.“ Aber auch viele Dahlien aus dem europäischen Ausland und sogar aus Australien wachsen in Legden.
Da ist es selbsterklärend, dass die Dahlien viel Zeit für die Pflege in Anspruch nehmen. „Zwei Mal pro Woche sind wir meistens vor Ort, um alle Arbeiten zu erledigen“, schildert die Vorsitzende des Vereins. Besonders wenn es trocken ist – wie etwa im vergangenen Sommer – kommt einiges an Mehrarbeit auf die Ehrenamtlichen zu: „Dann müssen wir schließlich alles wässern. Das dauert etwa zwei Stunden“, sagt Hoffmann.
Doch so viel Arbeit der Garten auch macht: „Wenn Legden schon seit 1926 ein Dahliendorf ist, dann möchten wir das auch zeigen. Die Kultblume muss zur Identifikation da sein“, beschreibt Angelika Hoffmann, und fügt hinzu: „Unser Ansatz ist die Heimatverbundenheit.“
Seit fünf Jahren besteht der Dahliengarten im Schatten der St.-Brigida-Kirche nun. Dabei ist er weit über die Grenzen des Dahliendorfes hinaus bekannt. Busreisen aus den unterschiedlichsten Regionen Deutschlands würden mittlerweile angeboten, besonders Fahrradfahrer nutzten den Garten für ein Ziel ihrer Tour. „Hier ist eigentlich immer was los“, lächelt Hoffmann.
Bänke und Liegemöglichkeiten, gepflegte Rasenflächen und ein Bücherschrank laden zum Picknicken und Verweilen ein. In den Sommermonaten finden in dem Garten zahlreiche verschiedene Veranstaltungen statt – so hat es schon eine Filmnacht gegeben, romantische Lichterfeste werden gefeiert und Knollenmärkte sowie Sommerfeste veranstaltet. Dadurch sowie durch Patenschaften, die für eine Dahlie übernommen werden können und Gästeführungen durch den Garten, finanziert sich der Verein.
„Besonders eindrucksvoll“, lächelt Angelika Hoffmann bei einem Gang an den Beeten vorbei, „ist es hier in der Zeit der Hochblüte.“ Diese beginnt in diesen Tagen und reicht bis in den Herbst hinein. „Das ist einfach wunderbar. Besucher können in ein Meer aus Dahlien abtauchen.“

- Nächster Serienteil: Vogelpark Maria Veen am Samstag (1. 8.) auf der Coesfeld-Seite.

Die Geschichte des Dahliengartens

Der Dahliengarten besteht seit fünf Jahren, die ersten Ideen dazu kamen aber bereits vor 15 Jahren auf. Seit 1926 ist Legden ein Dahliendorf, als Vikar Theodor Entrup – ein leidenschaftlicher Dahlienzüchter – seinerzeit die Idee zum Blumenkorso entwickelte. Noch heute gibt es die traditionelle Veranstaltung alle drei Jahre. Große Wagen von den Nachbarschaften gestaltet und mit über einer Million Dahlienblüten verziert ziehen dann durch die Straßen Legdens. „Das hat die Bevölkerung inspiriert“, blickt Angelika Hoffmann zurück. Damals sei Legden in zahlreiche Dahlienfelder eingebettet gewesen, „das ist aber schon lange nicht mehr so“. Vor rund 15 Jahren kam dann der Gedanke, dass mehr getan werden muss, „wenn wir uns weiterhin als Dahliendorf präsentieren möchten“, schildert Hoffmann. Die Idee, einen Garten mit entsprechenden Blumen anzulegen, sei schnell geboren und man habe sich zügig auf die Suche nach geeigneten Flächen gemacht. Dabei ist man auf eine Fläche hinter der Kirche gestoßen – damals der Garten des Pastors –, die kaum einer gekannt habe. Nach einigen Schwierigkeiten gab es schlussendlich grünes Licht und die Dahlienliebhaber, die einen eigenen Verein gegründet haben, konnten sich an die Gestaltung begeben. „Das war ein langer Prozess. Wir haben viel entwickelt, Workshops und Thementage durchgeführt. Dabei kamen die verschiedensten Ideen auf den Tisch“, berichtet Hoffmann von der Entwicklung. Schließlich habe man sich von „Feng Shui“ leiten lassen und in geschwungenen Stilen den Garten angelegt. „Wir wollten von Anfang an einen Begegnungsgarten für Jung und Alt.“    -lsy-

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