Verwaltung will Unterschutzstellung der ehemaligen Gastwirtschaft Rahms verhindern
Denkmal oder Chance für den Ortskern?

Darfeld. Seit vielen Jahren prägt das Gebäudeensemble der ehemaligen Gastwirtschaft Rahms die Darfelder Ortslandschaft. So lange schon, dass der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) zu der Auffassung gekommen ist, dass es sich bei dem alten Gebäude um ein Denkmal handelt. Dementsprechend soll dieses vor einem möglichen Abriss geschützt werden. Die Gemeindeverwaltung hat für das Grundstück im Darfelder Ortskern allerdings andere Pläne. Im kommenden Planungs-, Bau- und Umweltausschuss soll am Mittwoch (30. 9.) über die Unterschutzstellung diskutiert werden.

Dienstag, 29.09.2020, 05:04 Uhr
Laut dem Landschaftsverband Westfalen-Lippe handelt es sich bei der ehemaligen Gaststätte Rahms um ein Denkmal. Die Gemeindeverwaltung sieht in einem möglichen Neubau auf dem Grundstück allerdings die Chance auf eine Belebung des Ortskerns. Foto: Leon Eggemann Foto: az

„Der in Teilen über 400 Jahre gewachsene Komplex ist bedeutend für Städte und Siedlungen. Seine Nutzung und Erhaltung liegt aus städtebaulichen, volkskundlichen sowie wissenschaftlichen, hier insbesondere bauhistorischen Gründen im öffentlichen Interesse“, fasst es Peter Barthold von der LWL-Bauforschung in einer gutachterlichen Stellungnahme zusammen. Er begründet diese Einschätzung unter anderem damit, dass der gesamte Gebäudekomplex um die 1860 errichtete Gaststätte die ortsgeschichtliche Entwicklung in Darfeld dokumentiere.

Anderer Meinung ist dagegen die Verwaltung. „Aus Sicht der Gemeinde besteht dieses öffentliche Interesse nicht, da es der Entwicklung des Ortskerns Darfeld entgegenwirkt und diese sogar verhindert“, begründet Bürgermeister Christoph Gottheil. „Für ein funktionierendes Dorfleben ist ein Ortskern mit einer grundlegenden sozialen Struktur und Nutzung unerlässlich.“ So hätte die Darfelder Bevölkerung im Dialog mit der Gemeinde bereits eindrucksvoll klar gemacht, dass es im Ortskern zahlreiche Wohn- und Gewerbe-Leerstände gebe. „Übrig bliebe bei Aufnahme des Objektes in die Denkmalliste die nächste vorprogrammierte Bauruine im Dorfkern“, erklärt der Bürgermeister. Schließlich droht, aufgrund des fehlenden Interesses des jetzigen Eigentümers am Erhalt der Immobile, in Zukunft der Verfall des Hauses.

Eine Alternative, wie der Ortskern stattdessen belebt werden soll, ist bereits in Planung. So strebt ein Investor auf dem Gaststätten-Grundstück ein Gebäude für seniorengerechten Wohnungsbau an. Diese Planung orientiert sich zum einen an der bestehenden Kirchplatzbebauung. Zum anderen erhält sie den bestehenden Innenhof und die Hofmauer, die diesen umgibt. „Das Projekt ist eine einmalige Chance für den Ortsteil und vor allem für die Darfelder Bevölkerung“, sagt Gottheil. Aktuell herrsche nämlich ein Mangel an kleinen Wohnungen und generationengerechtem Wohnraum besonders für ältere Menschen im Dorfkern. „Das Projekt würde durch die Unterschutzstellung des Denkmales jedoch scheitern, da der Investor dann kein Interesse mehr an der Immobilie hätte“, sieht Gottheil negative Auswirkungen.

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