Ein Blick in die örtliche Landwirtschaft
Mit Erträgen zum Großteil zufrieden

Osterwick. Dass die Wetterextreme in den kommenden Jahren und Jahrzehnten zunehmen werden, darin sind sich Margret Wiechert-Kersting und Berthold Abbenhaus vom Landwirtschaftlichen Ortsverband Osterwick (LOV) einig. „Klimaveränderungen hat es schon immer gegeben, die Abstände der Extreme werden aber immer kürzer“, beobachtet Wiechert-Kersting. Von daher sei besonders eines in der Zukunft vermehrt gefragt: Flexibilität. „Als Landwirte sind wir auf das Wetter angewiesen und müssen spontan reagieren“, sagt Berthold Abbenhaus als Erster Vorsitzender des LOV.

Samstag, 03.10.2020, 10:00 Uhr
Margret Wiechert-Kersting und Berthold Abbenhaus vom Landwirtschaftlichen Ortsverband Osterwick sind mit der Ernte größtenteils zufrieden. Auch wenn dieser Sommer zu trocken ausgefallen ist, sind die Erträge – etwa beim Mais – höher als in den Vorjahren. Foto: Leon Seyock

In den vergangenen beiden Jahren war es besonders die Dürre, die den Landwirten zu schaffen machte. „Die Trockenheit wirkt immer noch nach, nichtsdestotrotz sind wir in diesem Jahr zum Großteil zufrieden mit unseren Erträgen“, blickt Abbenhaus auf die Ernte. Zunächst habe es allerdings besonders bei dem Mais nicht danach ausgesehen: „Im Mai haben wir den Mais ausgesät, und man hat schon ein schlechtes Gefühl, wenn Mitte Juni noch immer keine Pflänzchen zu sehen sind“, so Abbenhaus. Wieder die Trockenheit. Auf Teilstücken hat der Landwirt schließlich erneut Mais aussäen müssen, „und im Juni hatten wir dann passende Niederschläge, sodass die Pflanzen schließlich gewachsen sind.“ Die letzten Kulturen, die noch auf den Feldern stehen, stünden aktuell kurz vor der Ernte.
Von Glück sprechen die Landwirte, dass sie in der hiesigen Region auf schweren Lehmböden ackern können: „Die Böden speichern das Wasser. Raps, Weizen und Gerste sind in diesem Jahr super angegangen, auch wenn die Sommermonate zu trocken waren“, berichtet Margret Wiechert-Kersting. Doch auch nach kurzen Schauern bliebe der Lehmboden lange feucht, anders als bei lockeren Sandböden.

Wir vor Ort machen gute Arbeit, und das muss honoriert werden.

Berthold Abbenhaus

Neben der eingefahrenen Ernte beschäftigt ein weiteres Thema die Landwirte zunehmend: Die Afrikanische Schweinepest (ASP). War der Preis für Schweinefleisch – sehr zur Freude der Landwirte – lange Zeit hoch, fiel der Preis mit dem ersten Seuchenfall in Deutschland rapide. „Anfang September wurde bei einem Wildschwein in Brandenburg die Pest nachgewiesen. Sofort wurde der Export in asiatische Länder gestoppt“, schildert Margret Wiechert-Kersting. Im Stich gelassen fühlen sich die beiden Osterwicker Landwirte von der Politik, denn es sei lange klar gewesen, dass die ASP vor der Tür gestanden hätte. „Es hätten viel früher Maßnahmen getroffen werden müssen“, betont Berthold Abbenhaus.
Auch wenn es in Deutschland bei der Schweinehaltung hohe Standards und so gut wie keine Kontaktmöglichkeiten zwischen Wild- und Hausschweinen in Haltung gebe: „Politisch gesehen ist Deutschland nicht mehr frei von ASP“, erklärt der LOV-Vorsitzende. Und erst wenn es hierzulande ein Jahr lang keinen neuen Fall der ASP – die für den Menschen ungefährlich ist – gebe, dürfe Schweinefleisch wieder in Richtung China exportiert werden. „Doch davon sind wir noch weit entfernt“, wirft Wiechert-Kersting ein. Das wiederum mache vor allem den Ferkelerzeugern zu schaffen, die ihre kleinen Tiere nicht mehr kostendeckend an die Mäster abgeben könnten. Denn wenn der Mäster für ein Kilo Fleisch rund 1,30 Euro bekäme, „dann können damit so eben die laufenden Kosten gedeckt werden. Dann arbeitet man am absoluten Erlösminimum.“
Hinzu komme, dass ab dem 1. Januar Eber nur noch mit Betäubung kastriert werden dürfen. „Wir haben kein Problem damit, den Tierschutz zu fördern“, macht Abbenhaus deutlich. „Die Mittel für Kastrationen kosten allerdings zusätzlich Geld, und das muss am Ende des Tages ausgeglichen werden. Es kann nicht sein, dass wir Landwirte immer mehr leisten müssen und nichts zurückbekommen.“ Seine klare Forderung: „Der Fleischpreis muss angeglichen werden. Und wenn Verbraucher freiwillig nicht mehr bezahlen, dann muss das politisch geregelt werden. Die Coronakrise hat alle Landwirte hart getroffen, da der Lebensmitteleinzelhandel die Situation nutzt, um die Einkaufspreise zu drücken, und seine eigene Marge zu erhöhen. Wir vor Ort machen gute Arbeit, und das muss honoriert werden.“

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