Fahrlehrer über Möglichkeiten und Grenzen beim Fahrschulunterricht im Lockdown
Im Home-Office zum Führerschein

Rosendahl. Zuhause am Computer lernen statt zur Schule zu gehen, daran haben sich die meisten Schüler inzwischen längst gewöhnt. Selbst für die Kleinsten ist ein digitales Treffen per Laptop am Morgen zur beinahe täglichen Routine geworden. Aber wie sieht es bei Jugendlichen aus, die gerade ihren Führerschein machen möchten? Kann man Autofahren im Home-Office lernen?

Donnerstag, 18.02.2021, 06:00 Uhr aktualisiert: 18.02.2021, 09:30 Uhr
Praktische Fahrstunden dürfen aktuell nur Schüler absolvieren, die bereits vor dem Lockdown mindestens 15 Fahrstunden oder sieben Sonderfahrten absolviert haben. Das berichten Thomas Gerding senior und Thomas Gerding junior, die eine Fahrschule in Darfeld betreiben. Foto: privat

„Ja“, meint Thomas Gerding, Fahrlehrer bei Treffpunkt Fahrschule. „Zumindest den theoretischen Teil können wir online durchführen. Dazu melden sich unsere Schüler zweimal pro Woche bei einem Zoom-Meeting an,“ erklärt Gerding. Die Schüler seien mit dem Angebot durchweg zufrieden und hätten sich sehr gut darauf eingestellt, konnte der Fahrlehrer beobachten. „Für die meisten der Fahrschüler ist das kein Problem. Wir haben bisher wirklich gute Erfahrungen gemacht“, berichtet Gerding.

Sein Vater – mit Namen ebenfalls Thomas Gerding – eröffnete im Dezember 2020 eine Fahrschul-Filiale in Darfeld. „In unseren Fahrschulen in Lette und Coesfeld konnten wir erste Erfahrungen mit dem Online-Unterricht machen, somit waren wir guter Dinger, dass es auch in Darfeld reibungslos funktionieren würde“, sagt Gerding.

Für den theoretischen Teil ist es also möglich, per Online-Unterricht die ersten Schritte Richtung Fahrerlaubnis zu machen. Aber wie sieht es mit der Praxis aus? „Praktische Fahrstunden dürfen nur Schüler absolvieren, die bereits vor dem Lockdown mindestens 15 Fahrstunden oder sieben Sonderfahrten absolviert haben oder aber einen berufsbezogenen Führerschein, zum Beispiel für Lkw, machen“, so Gerding senior.

Dank dieser Erlaubnis sei es zumindest möglich, die Kosten für die Fahrschüler, die schon mit den Fahrstunden angefangen haben, im Rahmen zu halten und es verhindere, dass die Schüler über diesen langen Zeitraum aus der Übung kommen.

Neue Schüler müssten mit dem praktischen Unterricht allerdings warten, bis die Hygienemaßnahmen Fahrstunden wieder zulassen und könnten sich stattdessen voll und ganz auf die Theorie konzentrieren. Das bedeutet auch, dass nach dem Lockdown viel Arbeit auf alle Fahrschulen zukommen wird: „Dadurch staut es sich natürlich enorm. Seit dem 16. Dezember warten Schüler auf ihre Fahrstunden, die müssen wir dann nach und nach durchführen. Das wird sicher anstrengend für uns werden, aber wir freuen uns sehr darauf“, lächelt Gerding senior.

Ebenso wie die meisten seiner Schüler vermissen auch die Inhaber von Treffpunkt Fahrschule den direkten Austausch. „So gut wie es ist, dass wir den theoretischen Unterricht online durchführen können, freue ich mich definitiv darauf, wieder Präsenzunterricht machen zu können. Die Diskussionen sind dann einfach lebendiger und ich glaube, dass die Schüler auch mehr vom Unterricht mitnehmen, weil sie sich untereinander intensiver über die Themen austauschen. Einige machen den Führerschein zusammen mit ihren Freunden, das kommt jetzt alles etwas zu kurz“, schätzt der Fahrlehrer die Situation ein.

Thomas Gerding junior selbst nutzt derweil die Wartezeit, bis der ganz normale Präsenzunterricht wieder möglich ist und bildet sich weiter. „Ich lasse mich zum Fahrlehrer für den Motorrad- und Lkw-Führerschein ausbilden, somit kann ich meinen Vater auch in diesen Bereichen zukünftig unterstützen, wenn wir wieder richtig loslegen dürfen und auch unsere Schüler in Darfeld im Präsenzunterricht persönlich begrüßen dürfen“, freut sich Gerding auf die Zeit nach dem Lockdown.

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