Modellregion für Pflegekonzept
Rettung der naturnahen Wegränder

Rosendahl/Billerbeck/Coesfeld. Die Baumberge werden Modellregion – nicht nur im Rahmen der Pandemie, sondern auch für die ökologische Wegrandpflege. Gemeinsam werden die Projektpartner in den nächsten zwei Jahren ein Modell zur Wegrandpflege für die Gebiete der fünf Baumberge-Kommunen entwickeln, das sowohl eine Erhöhung der Biodiversität im Blick hat, als auch die Umsetzbarkeit durch die Bauhöfe der Kommunen, Straßen.NRW sowie durch die Landwirte und die Verkehrssicherheit berücksichtigt. Ziel ist ein auf weitere Kommunen übertragbares Pflegekonzept, heißt es in einer Pressemitteilung.

Montag, 03.05.2021, 07:04 Uhr
Die Probestrecken des Projektes werden mit Schildern markiert. Wichtig ist – jeder Ordnungsliebe zum Trotz – die Wegränder auch privat nicht zu mähen, damit die umgesetzten Maßnahmen korrekt bewertet werden können. Foto: privat

Bereits im Januar startete das praxisnahe Projekt „Schaffung naturnaher Wegeränder in der Region Baumberge“. Nun lud das Naturschutzzentrum als Projektträger die beteiligten Akteure zu einer Videokonferenz ein. Projektmitarbeiterin Corinna Becke erläuterte eingangs die zunehmende ökologische Bedeutung der Wegränder: „Als linienhafte Strukturen dienen sie als Vernetzungs- und Wanderkorridore zwischen den Schutzgebieten. Dabei bieten sie nicht nur Tieren Rückzugs-, Nahrungs- und Überwinterungsmöglichkeiten, sondern sind auch letzte Lebensräume verschiedener Pflanzen.“ Sie verdeutlichte den Teilnehmern im weiteren Verlauf der Konferenz Ziele und Potenzial des Projektes, heißt es.

Probestrecken für die Wegrandpflege sollen während der Projektlaufzeit in jeder Kommune gefunden und testweise gepflegt werden. Eine Bestandserfassung aller Wegränder soll Potenziale darlegen und eine Kategorisierung ermöglichen. Hier betont Thomas Zimmermann, Leiter des Naturschutzzentrums, das Ausmaß dieses Vorhabens: „In dem Projektgebiet befinden sich gut 1700 Kilometer Straßen und Wege. Ihre Wegränder müssen systematisch geclustert werden, sodass eine angepasste Pflege auch im Hinblick auf den Arbeitsaufwand und die technischen Abläufe umsetzbar ist.“ Außerdem sollen gemeindeeigene Spenderflächen für benötigtes Saatgut für beispielsweise Baumaßnahmen ausgemacht und ihre Anlage initiiert werden.

Bereits vor Umsetzungsbeginn gibt es Probleme, die gelöst werden müssen, heißt es in der Pressemitteilung weiter. Da das Mahdgut zukünftig auch abgefahren werden soll, müsse seine Entsorgung oder Verwertung geklärt werden. „Die Pyrolyse scheint ein guter und nachhaltiger Weg dafür zu sein“, schlägt Billerbecks Bürgermeisterin Marion Dirks vor. Das Verfahren, Biomasse energetisch zu verwerten, sei recht neu und soll als Lösung geprüft werden. Ein weiteres Problem sieht Christoph Steinhoff, Leiter der Unteren Naturschutzbehörde, in der Vermüllung der Säume und damit einhergehend des Mahdguts. Den Praktikern wie zum Beispiel Stefan Averesch vom Bauhof Rosendahl fehlen die richtigen Geräte für eine einfache ökologisch sinnvolle Pflege, die zum Beispiel neben dem Abräumen auch einen höheren Schnitt voraussetzt.

Die Klärung dieser Probleme ist ebenfalls Bestandteil des Projektes, sodass nach der Projektlaufzeit mit dem dann geplanten Konzept die Pflege der Kommunen langfristig umgestellt werden kann und vielfältige Strukturen für die Förderung der Biodiversität in der Region entstehen. Mit der richtigen Pflege bestehe sogar die Möglichkeit, europaweit geschützte Lebensraumtypen wie artenreiche Glatthaferwiesen oder feuchte Hochstaudenfluren wiederzubeleben, wie die Akteure informieren.

Das Baumberger Pflege-Modell soll möglichst allgemeingültig sein um Anwendung in anderen Kommunen, beispielsweise im südlichen Kreis Coesfeld, zu begünstigen.

Das Projekt hat eine Laufzeit von zwei Jahren und wird durch die Leader-Region Baumberge gefördert. Kooperationspartner sind die fünf Baumberge-Kommunen Billerbeck, Coesfeld, Havixbeck, Nottuln und Rosendahl sowie der Kreis Coesfeld. 7 Weitere Informationen über das Projekt und seine Initiative „Vielfalt am Wegesrand“ stellt das Naturschutzzentrum auf seiner Homepage zur Verfügung: naturschutzzentrum-coesfeld.de/wegrand

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