Stiefvater hat Urne in seinem Garten vergraben
Tochter wünscht sich würdiges Grab für verstorbene Mutter

Ostbevern -

Ines Terwey aus Telgte hat all ihren Mut zusammengenommen, um ihrer 2010 verstorbenen Mutter eine ordentliche Bestattung auf einem öffentlich Friedhof zu ermöglichen. Ihr Stiefvater aus Ostbevern hatte die Urne mit der Asche seiner verstorbenen Ehefrau in seinem Garten vergraben.

Donnerstag, 13.04.2017, 08:05 Uhr

Ines Terwey will sieben Jahre nach dem Tod ihrer Mutter nun endlich eine Grabstelle auf einem Friedhof aufsuchen können, um zu trauern. Foto: Biniossek

„Ich brauche“, sagt Ines Terwey, „einen Ort zum Trauern“ und kämpft mit den Tränen. Das nämlich blieb der 29-jährigen Verkäuferin nach dem frühen Tod ihrer Mutter Ingrid verwehrt. Seit 2010 hatte die Telgterin keine Chance, zu einer Grabstelle zu gehen.

Jetzt möchte ich einfach, dass meine Mutter ein richtiges Grab hat.

Ines Terwey

Denn die Urne mit der Asche ihrer mit 50 Jahren verstorbenen Mutter hatte ihr Stiefvater aus Ostbevern, zu dem sie keinen Kontakt hat, nach der Trauerfeier mitgenommen und zu Hause aufbewahrt, ehe er die Urne mit den sterblichen Überresten seiner Frau im Garten vergrub, berichtet die junge Frau.

Wunsch nach würdigem Grab

„Jetzt möchte ich einfach, dass meine Mutter ein richtiges Grab hat. Mit einem Stein, auf dem ihr Name steht und wo ich immer hingehen kann“, sagt Ines Terwey mit leiser Stimme. „Meine Mutter war ein toller Mensch. Ich will nicht, dass sie anonym beerdigt wird. Sie hat ein Anrecht auf ein richtiges Grab“ und fügt, wieder mit Tränen in den Augen hinzu: „Ein würdiges Grab.“

Viele Jahre lang hat die junge Frau gewartet aus Sorge, dass die sterblichen Überreste ihrer Mutter einfach entsorgt werden. Nun aber ist sie aktiv geworden, hat Hilfe gesucht bei Polizei, Kirchengemeinden und schließlich der Telgter Verwaltung.

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Die verwies allerdings auf die Zuständigkeit der Gemeinde Ostbevern, in der die Verstorbene zuletzt lebte. Dort schilderte Ines Terwey ihren Fall und bat darum, diesen sehr sensibel anzugehen und sie über ein mögliches Vorgehen zu informieren. „Das wurde mir versprochen, aber leider nicht eingehalten. Ich bin darüber traurig.“

Zu einer Stellungnahme war Terweys Stiefvater nach einer telefonischen Anfrage der WN nicht bereit.

Asche muss auf den Friedhof

Für Ostbeverns Fachbereichsleiterin Barbara Roggenland wie für den Standesbeamten Klaus Rüter war dieser Fall völliges Neuland. „Das hat es in unserer Gemeinde so noch nicht gegeben“, sagte Roggenland und weist darauf hin, dass sie zur laufenden Sache keine Auskünfte erteilen werde.

Im Allgemeinen gelte aber, so die Fachbereichsleiterin, dass die Totenasche eines Hinterbliebenen nicht im Garten bestattet werden darf. Nach dem 2014 geänderten Bestattungsrecht müsste nun gar nach dem Empfang der Totenasche nach spätestens sechs Wochen ein Nachweis erbracht werden, dass diese Asche auf einem Friedhof bestattet wurde.

Wir sind sehr zuversichtlich, dass wir in diesem Fall sehr schnell eine gute und gesetzeskonforme Lösung finden.

Barbara Roggenland

Das Bestattungsrecht sage zudem, dass diese Friedhöfe öffentlich für alle zugänglich sein müssten. Das Recht allerdings, über den Friedhofsort und die Bestattungsart zu entscheiden, liege zunächst beim Ehepartner, dann den Eltern des Verstorbenen und erst dann bei den Kindern, erläuterte Barbara Roggenland weiter. „Wir sind sehr zuversichtlich, dass wir in diesem Fall sehr schnell eine gute und gesetzeskonforme Lösung finden.“

Für Ines Terwey, die den Tod ihrer Mutter noch immer nicht überwunden hat, bleibt aber ein bitterer Beigeschmack. „Die Gemeinde Ostbevern hat ihr Ziel erreicht. Die Urne mit der Asche meiner Mutter kommt jetzt irgendwohin. Aber wie es mir geht, danach fragt niemand.“

Bestattungspflicht

„Trauer braucht einen Ort, einen Raum“, sagt Oliver Wirthmann, der Geschäftsführer des Kuratoriums Deutsche Bestattungs­kultur und Pressesprecher des Bundesverbandes Deutscher Bestatter aus Düsseldorf. „Ein Grab ist Ausdruck einer Verbundenheit von Angehörigen mit dem Verstorbenen“, sagt er weiter. Und das müsse an einem öffent­lichen Raum sein, um jedem jederzeit die Möglichkeit zu geben, zu trauern. In Deutschland gebe es eine Bestattungspflicht. „Menschen versuchen immer wieder, diese Bestattungspflicht zu umgehen.“ Allerdings sei ein Fall wie in Ostbevern eher selten. Wer der Bestattungspflicht nicht nachkomme, begehe eine Ordnungswidrigkeit. Eine Stadt oder eine Gemeinde habe daher die Möglichkeit, eine Ordnungsstrafe zu verhängen. Allerdings hebt Wirth­mann hervor: „Es geht doch jetzt letztlich darum, schnell eine adäquate Lösung zu finden.“

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